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Kevelaer
Rote Hoffnung in schwarzer Hochburg

Kevelaer: Rote Hoffnung in schwarzer Hochburg
In ihrem Garten tankt Tatjaana Kemper Kraft für den Bürgermeister-Wahlkampf in Kranenburg. FOTO: Gottfried Evers
Kevelaer. Tatjaana Kemper ist Lehrerin an der Realschule Kevelaer und jetzt auch SPD-Bürgermeisterkandidatin. In Kranenburg ist sie die einzige Gegnerin von Amtsinhaber Günter Steins (CDU) und setzt auf Sieg. Von Peter Janssen

Mut kann man Tatjaana Kemper nicht absprechen. In der CDU-Hochburg Kranenburg tritt sie als SPD-Bürgermeisterkandidatin gegen den aktuellen Verwaltungschef Günter Steins (CDU) an.

An mangelndem Selbstbewusstsein fehlt es ihr auch nicht: "Ich will die Gemeinde nach meinem Sieg weiter voranbringen", sagt die 46-Jährige selbstbewusst.

Die Pädagogin ist von Hause aus Sozialdemokratin. Ihr Vater war für ihre politische Heimat mitverantwortlich. "Der ist in der SPD und hat meinen Weg geprägt", sagt die 46-Jährige, die als Lehrerin an der Kevelaerer Realschule arbeitet (mehr zur Person im Info-Kasten). Der Weg zur Kranenburger SPD sei unkompliziert gewesen. "Hier hat man sich für meine Belange interessiert."

Mit Wahlkampf an der Haustüre will Tatjaana Kemper Stimmen sammeln. Durch Klinken putzen in den Siedlungen und Dörfern sollen die Prozente steigen. "Ich will von den Menschen direkt hören, was ihre Anliegen sind."

Den Bürger mehr in Entscheidungsprozesse einbinden, das ist eines ihrer zentralen Anliegen. "Ich stehe für mehr Bürgerbeteiligung", sagt Kemper.

Ein lobenswertes Anliegen, das nicht selten an der Umsetzung im Alltag scheitert. Gescheitert ist ihrer Meinung nach, die Integration der niederländischen Mitbürger. Nach dem enormen Zuzug vor und nach der Jahrtausendwende seien hier viele Fehler gemacht worden. "Man hätte sie bei ihrem Neubeginn intensiver begleiten müssen", sagt die Pädagogin, die mit einem Niederländer verheiratet ist und acht Jahre im Nachbarland gelebt hat, bevor sie 2001 nach Kranenburg zog.

Als Beispiel für die gescheiterte Einbindung reicht ihr ein Blick in ihre Straße. Dort wollen von den 16 niederländischen Haushalten acht ihr Eigenheim verkaufen und wegziehen. "Sie fühlen sich hier unwohl." Für Kemper kann man nur hoffen, dass möglichst viele Niederländer bis zur Wahl am 13. September bleiben. Denn bei dieser Gruppe will die 46-Jährige Stimmen abräumen. 25 Prozent der Bürger in Kranenburg haben einen niederländischen Pass.

Zu einem Thema mit Seriencharakter bezieht die Kandidatin klar Stellung: "Die Aufenthaltsqualität auf der Großen Straße muss verbessert werden. Ich setze mich für eine Einbahnstraßenregelung ein, damit der Durchgangsverkehr herausgehalten wird." Keine neue Position, aber immerhin eine handfeste.

Was die geplanten umstrittenen Windkraftanlagen im Reichswald betrifft, geht Tatjaana Kemper auf Nummer sicher: Abwarten, was die Gutachten ergeben und dann entscheiden.

Ihr Ortsvereinsvorsitzender und Landratskandidat Jürgen Franken ergänzt: "Bürgermeister Steins hätte den Bürgern klar sagen müssen: ,Wir können dort einen Park errichten und dafür bekommen wir Geld'. Denn genau darum geht es." Für Franken sind weitere Einsparungen keine Alternative: "Was gibt es denn noch in Kranenburg? Kein Schwimmbad, keine weiterführende Schule? Und Grundschulen, in die dringend investiert werden muss."

Was ihre Fähigkeiten betreffen, eine Verwaltung zu führen, da macht sich Tatjaana Kemper keine größeren Sorgen. "Da kann man sich einarbeiten. Ich bin im Gegensatz zu Steins kein Einzelgänger", sagt sie. Jürgen Franken weiß: "Der versierte Kämmerer Ferdinand Böhmer wird für Tatjaana ebenso eine Stütze sein, wie auch für Günter Steins. Ein Wechsel täte der Gemeinde gut. Hin zu mehr Menschlichkeit."

Ihre Chancen, erste Bürgermeisterin in Kranenburg zu werden, schätzt Tatjaana Kemper als gut ein. Die Frage, mit wie viel Stimmenanteilen sie vor Steins landen wird, beantwortet sie mit: "50,1 Prozent reichen mir." Ein hehres Vorhaben. Doch ist es nicht selten so, dass bei besonders ambitionierten Zielen manchmal die verflixte Realität dazwischen kommt.

Quelle: RP
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