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Kevelaer
Spargelstechen für fünf Euro

Muh & mehr: Spargel
Muh & mehr: Spargel FOTO: Jürgen Laaser
Kevelaer. Landwirt Heinz Kempkes will seinen Erntehelfern die Arbeit leichter machen und entwickelte deshalb eine Spargelstechmaschine. Die Nachfrage nach den Saisonjobs ist da, aber der Verdienst scheint unattraktiv. Von Anja Settnik

Dass Heinz Kempkes eine Erntemaschine erfunden hat, hat ihm zu einiger Bekanntheit in einschlägigen Kreisen verholfen. Sortieranlagen und auch Schälmaschinen haben inzwischen ja viele Kollegen, eine Erntemaschine ist neu. "Ich hab' die nicht zuletzt deshalb entwickelt, um die Arbeit leichter zu machen. Schließlich geht es ganz schön ins Kreuz, stundenlang zu knien und in gebückter Haltung Spargel zu stechen." Kein Wunder, dass sich einheimische Arbeitslose nur ungern zu dieser Arbeit heran ziehen lassen. Mit Kempkes' Maschine kämen sie weniger ins Schwitzen – aber es gibt noch andere Pferdefüße.

Informationstag

"Ich hab' jetzt bei der Agentur für Arbeit in Goch eine Informationsveranstaltung gehabt, zu der ungefähr 20 Frauen kamen. Ich dachte, das wär' gerade für Hausfrauen, die sich Geld für den Urlaub oder andere Extras verdienen wollen, eine gute Sache. Die Mitarbeiterin des Arbeitsamts meinte das auch, und tatsächlich war das Interesse vorhanden." Als die Frauen jedoch festgestellt hätten, wie wenig ihnen vom Brutto-Stundenlohn bleibt, hätten die meisten abgewunken. "Ich kann froh sein, wenn eine oder zwei bei der Stange bleiben", resümiert Bauer Kempkes.

Seit vielen Jahren holen die Spargel- und Erdbeeren-Ernte vorwiegend ausländische Helfer ein. Früher waren das meist Polen, inzwischen können die in der Heimat Geld verdienen oder gehen in andere Länder. Rumänen folgten ihnen nach. Die Bundesregierung versucht jedoch seit Jahren, einheimische Arbeitslose zu dieser Arbeit heranzuziehen. "Es gibt eine Eckpunkte-Regelung von 2005, nach der die Landwirte nur noch 80 Prozent ausländische Erntehelfer einsetzen sollen", erklärt Michael Niel, Pressesprecher der Arbeitsagentur in Wesel. Er weiß aber auch, dass es selten gelingt, die freien Jobs in der Region zu besetzen. "Zwangsläufig Leute auf s Feld zu jagen, hat auch keinen Sinn. Die kommen dann nach dem ersten Tag nicht wieder."

Arbeitslose, die ihre Bezüge nicht gefährden wollen, dürfen maximal 15 Stunden in der Woche arbeiten und bis zu 165 Euro verdienen. In der Hochphase des Spargelwachstums reichen diese Stunden kaum aus. Nicht arbeitslos gemeldete Hausfrauen haben hohe steuerliche Abzüge. "Wenn ich den Frauen sieben oder acht Euro zahle, und die kriegen zum Teil nur knappe fünf Euro raus, dann kommen die nicht." Zudem sei zu bedenken, dass ausländische Helfer kaum Abzüge hätten und mehr verdienten als ihre deutschen Kollegen. Zweierlei Verdienst auf dem Feld könne er seinen Leuten nicht zumuten.

Quelle: RP
 
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