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Kevelaer
SPD kritisiert Verpflichtung von Lindner

Kevelaer. Der FDP-Chef ist Gastredner beim Marketingpreis in Kevelaer. Im Vorwahlkampf sei das sehr unglücklich, meint Heinz Ermers. Bürgermeister Dominik Pichler will darauf achten, dass Lindner nicht zu politischen Themen spricht. Von Sebastian Latzel

Im kommenden Jahr ist Landtagswahl. Erklärtes Ziel von FDP und CDU ist es, die rot-grüne Landesregierung abzulösen. Zentrale Figur im Wahlkampf der Liberalen wird Christian Lindner sein, Nicht wenige verbinden die jüngsten Erfolge der FDP mit seinem Namen.

Ausgerechnet in einer solchen Gemengelage kommt der FDP-Chef als Gastredner zur Verleihung des Marketingpreises nach Kevelaer. Eine Konstellation, die aus SPD-Kreisen zu deutlicher Kritik geführt hat. "Es ist äußerst ungeschickt, vor einem Wahlkampfjahr so jemanden einzuladen", sagte SPD-Ratsherr Heinz Ermers im Hauptausschuss. Er sei äußerst ungehalten über diese Situation. Schließlich gehe es bei der Veranstaltung um die Auszeichnung von Kevelaerer Unternehmen. Wahlkampf sei da fehl am Platz.

Bei der Verleihung des Marketingpreises am 30. November soll Christian Lindner einen Vortrag zum Thema "Warum Deutschland ein Update braucht" halten. Er wolle seine Ideen zur Stärkung der Innovationskraft Deutschlands vorstellen, heißt es.

"Mit Christian Lindner haben wir für die Preisverleihung einen hochrangigen Politiker aus Bundes- und Landespolitik als Hauptreferent gewinnen können, der auch Erfahrung in der freien Wirtschaft gesammelt hat", hat Wirtschaftsförderer Hans-Josef Bruns in einer Pressemitteilung die Einladung begründet Lindner sei ein gefragter Redner und rhetorisch ausgezeichnet, erläutert Bruns. Er ist sicher, dass der FDP-Mann Profi genug sei, um in Kevelaer neutral aufzutreten.

Abgesprochen ist, dass es um wirtschaftliche Themen geht. Bruns verweist darauf, dass auch andere Veranstalter in der Umgebung Christian Lindner eingeladen haben. So spricht er am 3. November beim Unternehmerpreis Niederrrhein in Kleve.

Heinz Ermers wollte ganz konkret wissen, ob die Einladung von Lindner mit Wissen des Bürgermeisters passiert sei. Dominik Pichler, selbst SPD-Mitglied, ließ durchblicken, dass er auch nicht so ganz begeistert von der Auswahl ist. "Dass ich mir über Herrn Lindner meine Gedanken mache, das können Sie sich denken", sagte der Bürgermeister. Er stellte aber klar. "Die Organisation und Einladung ist über Wirtschaftsförderer Hans-Josef Bruns gelaufen. Er ist da auch völlig selbstständig."

Er sei auch durchaus davon überzeugt, dass Lindner die rhetorischen Fähigkeiten habe, einen Vortrag ohne politische Einfärbung zu halten. "Wenn ich einen Fachvortrag über Strafrecht halte, geht das auch völlig unpolitisch", sagte Pichler, der aber auch deutlich wurde: "Wenn Lindner in Kevelaer Wahlkampf macht, dann drehe ich ihm das Mikro ab. Bei der Veranstaltung geht es um den Marketingpreis und nicht um Wahlkampf, sonst hätte ich ja auch gleich Barbara Hendricks eingeladen."

Man werde auf jeden Fall noch mit dem Büro des FDP-Chefs telefonieren und deutlich machen, dass Wahlkampf bei der Veranstaltung unerwünscht sei.

Ermers kündigte an, dass man in der SPD-Fraktion intern noch einmal über das Thema sprechen werde. Das ganze Vorgehen sei sehr ungeschickt. Ein Politiker passe einfach nicht zu einer solchen Veranstaltung. "Ich hätte mich noch nicht einmal gefreut, wenn unsere Landesmutter Hannelore Kraft kommen würde", sagt Ermers.

Ganz anders sieht das Willi Gerats von der FDP. "Wir hatten zwar keinen Einfluss auf die Auswahl, aber ich freue mich sehr, dass Herr Lindner nach Kevelaer kommt."

Quelle: RP
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