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Kevelaer
"Speed-Dating" mit Politikern

Kevelaer: "Speed-Dating" mit Politikern
Die CDU-Landtagskandidatin Margret Voßeler (rechts) stellte sich der Diskussion. An anderen Tischen bildeten sich weitere Gesprächsgruppen mit den anderen Kandidaten. FOTO: Gottfried Evers
Kevelaer. Nur knapp 40 Leute waren bei der Diskussion mit vier Landtagskandidaten im Petrus-Canisius-Haus. Die Veranstaltung des KAB-Bezirksverbands experimentierte mit einem alternativen Diskussionsformat, das gemischte Reaktionen fand. Von Christoph Kellerbach

Der KAB-Bezirksverband Kleve hatte am Donnerstagabend zu einer politischen Diskussion ins Petrus-Canisius-Haus eingeladen. Anwesend waren vier Landtagskandidaten: Norbert Killewald (SPD), Margret Voßeler (CDU), Hans-Hermann Terkatz (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Ben Dinklage (FDP). Ein Beschluss der KAB hatte vorgesehen, keine AfD-Mitglieder einzuladen.

Das Format der Diskussion war deutlich anders als bei vielen ähnlichen Veranstaltungen: "Zu Beginn haben die Kandidaten jeweils fünf Minuten Zeit, um ihre Position zu den Themen Arbeit, Bildung, Gesundheit und Integration darzustellen. Danach geht jeder zu einem der vier Tische und hat zwölf Minuten Zeit zu diskutieren", erklärte Moderator Dr. Ray Hebestreit von der Universität Duisburg-Essen. "Nach zwölf Minuten wird dann jeweils gewechselt. Nach vier Runden hatte jeder dann einmal einen der Kandidaten vor der Nase."

Margret Voßeler stellte zuerst ihre Sicht auf die Themen vor: "Wir müssen das Handwerk stärken als Stütze für den Arbeitsmarkt. Was die Bildung angeht, müssen wir die wohnortnahen Strukturen erhalten, sonst sterben die Dörfer." Norbert Killewald meinte zum Thema Bildung: "Die Lehrer reichen nicht aus, um an jeder Schule Inklusion zu machen." Bei der Gesundheit wünschte er sich direktere Investitionen in Krankenhäuser und eine bessere Ärzteversorgung.

Hans-Hermann Terkatz war für mehr Chancen: "Es kann nicht sein, dass man zwei Jobs hat und immer noch zur Tafel gehen muss. Was Schüler angeht gehören Intelligenz und Empathie nicht zusammen. Viele Förderschüler haben andere Qualitäten und können uns bei der Pflege von Leuten wirklich weiterhelfen." Abschließend meinte Ben Dinklage zur Bildung, "dass keine Schulform benachteiligt werden darf. Hauptschule, Realschule und Gymnasium haben einen wichtigen Platz."

Was die Integration anging, sahen alle Beteiligten es ähnlich und gaben an, "dass Sprache der Weg zum Ziel ist. Nur miteinander zu reden hilft weiter."

Die vier Mal zwölfminütigen Besuche an den vier Tischen bei knapp 40 Anwesenden im Petrus-Canisius-Haus waren ein interessantes Experiment. Ein Tisch fokussierte sich etwa stärker auf die Integrationsfrage, während andere sich vor allem für den Abbau von übertriebenen Regelungen beim Gewerbe einsetzten. Auch innerhalb der Gruppen gab es viele Diskussionen, die aber eben alle nach zwölf Minuten wieder aufgebrochen wurden.

Die Landtagskandidaten meinten, dass sie diese etwas andere Art der Diskussion besser fanden, als die übliche Vorgehensweise. "Es gibt mehr Fragen, aber auch sehr viele ähnliche", so Killewald, was Voßeler bestätigte: "Die Gespräche wiederholten sich viel, aber waren interessanter." Die Besucher hatten gemischte Gefühle: "Ich fand das interessanter, als Monologe zu hören, hier konnte man wirklich auf Dinge eingehen", lobte Wolfgang Funke. Derweil war Dita Gomfers frustriert: "Ich fand es ganz furchtbar. Ich bin gekommen, um in den Austausch zu gehen. Wenn hier jeder Kandidat einzeln mit den Leuten spricht, bleiben viel zu viele Sachen widerspruchslos im Raum stehen."

Moderator Hebestreit meinte abschließend, "dass viele Aspekte in diesem Format nur angerissen werden können, aber das war auch so intendiert. Das Ganze sollte ein Speed-Dating mit Politikern sein."

Quelle: RP
 
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