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Weeze
Stolpersteine zum Gedenken

Weeze. Sechs namentlich bekannte Weezer Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Mit der Kunstaktion "Stolpersteine" von Gunter Demnig, der europaweit tätig ist, ehrten Weezer Bürger die ehemaligen Nachbarn. Von Anja Settnik

Manchmal ist Stolpern sinnvoll – es schärft die Aufmerksamkeit und verhindert damit womöglich den Sturz. Deshalb werden in Weeze zur Erinnerung an jüdische Mitbürger jetzt Stolpersteine verlegt. "Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart", zitierte Bürgermeister Ulrich Francken gestern Worte des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizäcker.

"Wir erinnern an die Schicksale von sechs jüdischen Mitbürgern, die während der NS-Zeit interniert, deportiert und ermordet wurden beziehungsweise vor der Deportation in den Tod geflüchtet sind. Wir setzen mit den Stolpersteinen neben dem Denkmal an der Grundschule ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen der Nazi-Diktatur in unserer Gemeinde."

Einstimmig beschlossen

Besonders begrüßte Francken den Künstler Gunter Demnig, der die Aktion "Stolpersteine" ins Leben gerufen hat. Seit 1997 hat er in ganz Deutschland über 10 000 Steine in den Boden eingelassen. Weeze bekommt sechs Steine – für jeden ermordeten Juden einen. Sich an der Aktion zu beteiligen, hatte der Rat der Gemeinde am 17. Februar einstimmig beschlossen.

Francken stellte die sechs jüdischen Mitbewohner, die ums Leben gebracht wurden, vor: "Dazu gehörte die vierköpfige Familie Heinrich und Paula Koopmann mit ihren Kindern Rosemarie und Marion, die an der Kevelaerer Straße 32 lebten, bevor sie 1938 nach Belgien flüchteten und am 7. Oktober 1942 im Sammellager Mechelen interniert wurden. Familie Koopmann wurde am 12. Oktober 1942 in Auschwitz ermordet."

Durch einen weiteren Stolperstein soll des jüdischen Mitbürgers Leonhard Koopmann gedacht werden, der auf der Wasserstraße 55 lebte, bevor er nach Theresienstadt kam, wo er am 28. März 1943 aufgrund mangelhafter Ernährung starb. "Auch gedenken wir des jüdischen Mitbürgers Simon Hertz, der an der Alten Heerstraße 11 lebte, bevor er am 16. Juni 1942 in ,Schutzhaft' genommen wurde. Er nahm sich am 17. Juli 1942 in der Arrestzelle der Weezer Polizeistation das Leben."

Die Steine sind mit kleinen Messingplatten versehen, auf denen Name, Geburtsjahr, Todesjahr und -ort der ehemaligen Nachbarn aufgeführt sind. Francken: "Die Kultur des Gedenkens schafft die Voraussetzung für ein friedliches und tolerantes Miteinander der Kulturen, Religionen und Herkunft. Stolz sind wir in Weeze auf das friedliche Zusammenleben verschiedenster Kulturen und Nationalitäten in den vergangenen Jahrzehnten." Weezer Bürger haben für die "Stolpersteine" Patenschaften übernommen.

Neben Ratsvertretern, einigen Jugendlichen des "Wellenbrechers", die die Aktion für die Gemeinde filmten, und interessierten Bürgern war auch Edith Bader, 74-jährige Überlebende des KZ Theresienstadt, anwesend. Die Weezerin hatte als Kind mit den damals acht und zehn Jahre alten Koopmann-Mädchen gespielt. Sie forderte insbesondere die jungen Weezer auf, einander zu achten und zu lieben.

Quelle: RP
 
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