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Kevelaer
Tod in Sporthalle - Notarzt fehlgeleitet

Kevelaer: Tod in Sporthalle - Notarzt fehlgeleitet
In der "Sporthalle An der Landwehr" brach ein Badminton-Spieler zusammen. Erst nach mehr als 20 Minuten trafen Notarzt und Rettungswagen ein. Die Ärzte konnte den Mann nicht mehr retten - der Anfang 50-Jährige verstarb. FOTO: MVO
Kevelaer. In einer Badminton-Gruppe in der Sporthalle an der Landwehr in Geldern kollabiert ein Spieler - Herzstillstand. Der Rettungswagen landet versehentlich in Walbeck. Als er endlich an der richtigen Adresse ist, ist der Sportler tot. Von Sina Zehrfeld

Das Unglück geschah am Montagabend. Um 18 Uhr beginnt das Training der Badminton-Gruppe des Vereins GSV Geldern in der "Sporthalle An der Landwehr", ein gutes Dutzend Hobbysportler sind dabei. Um etwa 18.25 Uhr bricht einer von ihnen, ein Mann gerade Anfang 50, auf dem Feld zusammen. Vereinskameraden wählen den Notruf. Einige laufen ins Freie, um den Rettungswagen einzuweisen. Drei Mitspieler starten Erste-Hilfe-Maßnahmen. Sie finden keinen Herzschlag mehr und wechseln sich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung ab - mehr als 20 Minuten lang. So lange dauert es, bis Notarzt und Rettungswagen eintreffen. Denn die irren derweil durch Walbeck.

Einer der Ersthelfer war Akke Wilmes. "Keiner will dabei sein, wenn so etwas passiert", sagt er am nächsten Tag betroffen. Zumal alle Bemühungen vergebens waren. Als die Rettungskräfte kamen, starteten sie noch einen Reanimationsversuch und stellten dann den Tod fest.

Das Problem: Sie waren zur "Sporthalle an der Landwehr" gerufen worden. In der Leitstelle wurde "An der Landwehr" als Einsatzort eingegeben, und mit dieser Information im internen Navigationssystem wurden Notarzt- und Rettungsfahrzeug losgeschickt.

Die Straße "An der Landwehr" gibt es wirklich, allerdings in Walbeck. Die Sporthalle in der Innenstadt trägt ihren Namen nur wegen ihrer Lage am "Sevelener Landwehrbach". Die Adresse lautet tatsächlich "Vernumer Straße 5".

Das Problem des irreführenden Namens ist eigentlich bekannt. Sportler von außerhalb landen deshalb bisweilen in Walbeck. Und in der Halle hängt über einem Notfalltelefon im Regieraum ein Hinweis auf die korrekte Adresse.

Allerdings lief am Montag niemand zu einem Festnetzapparat - die Zeugen des Geschehens griffen zum Handy.

Es bleibt ungewiss, ob der Hobbysportler hätte gerettet werden können, wenn der Arzt schneller da gewesen wäre. "Er hatte sofort keinen Puls mehr. Und wir haben den Puls auch nicht wiederherstellen können", beschreibt Ersthelfer Wilmes die Situation.

Auf jeden Fall aber soll es so eine dramatische Fehlleitung nie wieder geben. "Wir werden Änderungen an unserem Einsatzsystem vornehmen", kündigte die Sprecherin des Kreises Kleve, Ruth Keuken, auf Anfrage der RP an. "Die Maßnahmen werden unverzüglich ergriffen." Dem Rettungsdienst sei die Problematik nicht bekannt gewesen: "Diese Schwierigkeit ist zum ersten Mal aufgetreten."

Dietmar Hartenstein, Vorsitzender des GSV Geldern, warnt nach dem traurigen Fall vor überschießenden Emotionen. "Es waren unglückliche Umstände", sagt er. "Jetzt einen Schuldigen zu suchen, wäre mit Sicherheit der falsche Weg."

Die Vereinsfreunde des Toten hatten sich schon am Montagabend darüber beraten, unter ihnen Karl Brauers. "Am meisten können wir im Sinne des Verstorbenen tun, wenn wir versuchen, die Mängel zu beseitigen, damit so etwas nicht noch mal vorkommt", sagt Hartenstein.

In vielen Sporthallen und an anderen öffentlichen Orten sind Defibrillatoren deponiert, die im Fall eines Herzinfarktes auch von Laien gehandhabt werden können. In der Turnhalle an der Landwehr gibt es ein solches Gerät aber nicht.

Quelle: RP