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Kreis Kleve
Tour zum Chemie-Labor auf dem Land

Kreis Kleve: Tour zum Chemie-Labor auf dem Land
FOTO: Stade Klaus-Dieter
Kreis Kleve. Auch in diesem Sommer besucht die Kreis Klever Wirtschaftsförderung, begleitet von Journalisten, fünf Tage lang Unternehmen einer Branche. Diesmal liegt der Fokus auf Chemie und Kunststoff. Zum Auftakt Stopp in Uedem. Von Anja Settnik

Eine Wildblumenwiese vor einem Bauernhaus mit Backsteinfassade - wo der Niederrhein so aussieht, denkt man eher nicht an Chemie und Pflanzenschutzmittel. Doch um diesen Teil der Landwirtschaft geht es bei der Firma BioChem Agrar, Niederlassung Agroplan im Außenbereich von Uedem. Dort war gestern der Auftakt zur fünftägigen "Sommertour" der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve, die sich diesmal der Themen Chemie und Kunststoff widmet. Die Branche ist im Kreis gut vertreten, im Bewusstsein der Bürger jedoch nicht sehr präsent, merkt Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers an. Nicht zuletzt das zu ändern ist Ziel der Aktion.

Landwirtschaft, Logistik, Ernährungswirtschaft, Ausbildung und Gesundheitswirtschaft waren Themen der Sommertouren vergangener Jahre. "Wir wollen den Fokus auf immer wieder andere Branchen lenken und zum Ausdruck bringen, wo intensiv ausgebildet wird und wem die Zuwächse bei den Beschäftigtenzahlen in besonderem Maße zu verdanken sind", erklärt Kuypers. Wobei Agroplan da gewissermaßen ein Ausreißer ist, denn ausgebildet wird nicht. Weil, wie Niederlassungsleiter Ulrich Janssen sagt, "wir vom Know-How des Unternehmens leben". Die Mehrzahl der Mitarbeiter sind Akademiker, alle erfahrene Profis in Sachen Landwirtschaft oder Labor. Arbeitsplätze allerdings sind zur Freude auch von Bürgermeister Rainer Weber durchaus entstanden: Innerhalb weniger Jahre wurden aus sechs Mitarbeitern 15, zudem hat das heimische Handwerk Aufträge in Höhe von rund zwei Millionen für den Komplett-Umbau des Firmengebäudes bekommen.

Früher war's ein Bauernhof, der Hof Bünnert, eine nicht mehr genutzte Immobilie, nach der der Gocher Ulrich Janssen lange gesucht hatte. Vorher war er mit dem damals noch selbstständigen Unternehmen Agroplan in Nierswalde zu Hause, doch das dortige Gebäude konnte mit der Entwicklung nicht Schritt halten. Insbesondere, seit Agroplan zur Gruppe Chem Agrar gehört, die ihren Hauptsitz im Raum Leipzig hat. Das Unternehmen ist unabhängiger Dienstleister im Bereich der Zulassung, Registrierung und Prüfung von Pflanzenschutzmitteln. Auf Feldern in der Umgebung, zum Großteil von Landwirten gepachtet, werden Versuchsreihen durchgeführt, die Aufschluss darüber geben sollen, wie sich das eingesetzte Mittel gegenüber der Kultur verhält, was es mit dem Boden, der Luft oder vielleicht sogar mit dem Grundwasser macht. "Wir testen sowohl neue, noch nicht zugelassene Stoffe, als auch alte, die weiter eingesetzt werden sollen", sagt der technische Koordinator Dr. Karl-Wilhelm Maßmann. Die Labortests werden nicht am Niederrhein, sondern an anderen Standorten des Unternehmens gemacht. Kunden sind die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln, Aufträge gibt's aber auch von Behörden oder Kammern. Die Politik in Land und Bund gibt dazu die Regeln vor.

Die getesteten Chemikalien in ihrer Wirksamkeit und Vertretbarkeit zu bewerten ist nicht Sache von Agroplan. "Wir liefern Daten, die gemeinsam mit den Erkenntnissen anderer Labore in die Entscheidung für oder gegen die Zulassung einfließen", erklärt Maßmann. Wenn es zum Beispiel um Glyphosat geht und andere Mittel, die inzwischen in Verruf geraten sind, sind die Uedemer Fachleute "nur" diejenigen, die ihre Testergebnisse weiterleiten - ohne Interpretation, hingegen schon mal mit einem Kommentar versehen. "Wenn in diesem Jahr zum Beispiel die Krautfäule stark ist, müssen die Behörden schon wissen, dass wir es hier mit wochenlangem Starkregen zu tun hatten", so der Fachmann.

Vorwiegend in Uedem und Weeze bewirtschaften die Mitarbeiter des Unternehmens zahlreiche kleine Parzellen, auf denen pro Jahr etwa 300 Versuche (meist als Teil von europäischen Studien) durchgeführt werden. Pufferzonen separieren die Flächen von denen der übrigen Landwirtschaft. Angebaut werden Getreide, Mais, Zuckerrüben und Obst, in anderen Regionen auch Wein oder Hopfen. Selbst Bienen und Regenwürmer helfen in einigen Gegenden bei den Feld-Studien.

Quelle: RP
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