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Weeze
Training am Airport für den Ernstfall

Weeze: Training am Airport für den Ernstfall
Auch Riesenschnauzer Yara trainierte mit. FOTO: Markus van Offern
Weeze. ISAR übte am Wochenende in Weeze und nutzte die Zeit auch, um neue Mitglieder für Hilfseinsätze an das Team heranzuführen. Das Gelände am Flughafen ist ideal, um Einsätze in Krisengebieten zu simulieren. Von Monika Kriegel

Das Trümmerfeld an der "Old Queen Road" am Weezer Flughafen bietet ein Bild der Zerstörung. Zusammengeschobene, meterhohe Betonstücke, Schutt, dazwischen zerstörte Pkw und kleinere Lücken. Dies Szenario scheint "Yara" nicht zu wahrzunehmen. Auf Zuruf von Susanne Martin-Schmitt fixiert sich die dreijährige Riesenschnauzer-Hündin nur noch auf die Suche nach dem roten Dummy, ihrem Spielzeug. Was täglich spielerisch geübt wird, habe bereits im Ernstfall in Katastrophengebieten Menschenleben gerettet, so die Hundeführerin vom Bodensee. Hund und Mensch gehören zur ISAR-Germany-Rettungseinheit.

Über 150 ISAR-Helfer mit unterschiedlichen Fertigkeiten verfüge die gemeinnützige Organisation inzwischen, erklärte Geschäftsführer Michael Lesmeister. Und es werden immer mehr. An Wochenenden wie diesen auf dem Übungsgelände in Weeze treffen sich rund 100 Männer und Frauen aus ganz Deutschland, ja sogar aus der Schweiz, um sich gemeinsam auf den nicht planbaren Ernstfall irgendwo auf der Welt einzustellen. Etwa die Hälfte von ihnen absolvierte als Neulinge den Grundausbildungslehrgang, kurz GAL. "Ein Riesenaufwand mit Interessenten und Ausbildern", so der Geschäftsführer, der betonte: "Wir sind zu 100 Prozent spendenfinanziert, haben hohe Kosten, aber maximale Flexibilität." Die Teams treffen innerhalb der ersten Stunden nach dem Katastrophenfall ein. Deshalb gehe es in der 70- und 100-stündigen GAL um grundlegendes Basiswissen wie Aufbau eines Lagers, Hygiene, Bergung von Verletzten, aber auch um den Umgang mit Behörden und das Wissen um kulturelle Eigenheiten.

Weil alle auf engstem Raum - wie im riesigen Schlafsaal demonstriert - übernachten, und jeder sich auf den anderen verlassen muss, duzt man sich. Dominik Behet aus Weeze gehört zu den wenigen mit "Heimvorteil", Wohnort Weeze. Der 27-Jährige hat Geschichte und Spanisch auf Lehramt studiert. Im Ernstfall gehört er zum Einsatzmanagement, deren Basis von aus Duisburg agiert. "Das muss alles sehr schnell entschieden werden. Die Teams werden sofort zusammengerufen. Jeder entscheidet unmittelbar mit dem Anruf: Ja, ich bin dabei oder sorry, geht nicht. Das funktioniert nur nach vorheriger Absprache mit Arbeitgeber und Familien. Infos sind wichtig. Wir halten in Duisburg Kontakt zu den Leuten und deren Angehörige daheim auf dem Laufenden." Freiwillige Hilfe ist ihm nicht fremd: Er rückt mit der Feuerwehr Weeze aus und gehört zu einer überörtlichen Sondereinheit.

Die Aspiranten für die Grundausbildung kamen aus allen Himmelsrichtungen: Eine Hebamme aus Frankfurt, Krankenschwester Claudia aus Velbert, der 32-jährige Martin, der in der Notaufnahme am Oberhausener Krankenhaus arbeitet. Auch André, Hundeführer aus dem Kreis Olpe, möchte mit seinem Rettungshund, einem Labrador, dazu beitragen, in akuter Lebensbedrohung verschüttete Menschen zu finden. Darauf können solche Übungswochenenden natürlich nur theoretisch vorbereiten.

Das Grauen und die Realität lassen sich nicht planen. Michael Lesmeister erzählt von Einsätzen, an denen sich die Helfer 14 Tage nicht duschen konnten. Oder der Lage in Nepal, als das Equipment - mit 16 Tonnen Material, so viel wie zwei Lkw, nicht aus dem Zoll kam. "Jeder hat einen eigenen Rucksack dabei für die ersten Tage", weiß Hundeführerin Frederike Henze, dass auch für die Verpflegung der vierbeinigen Helfer alles mitgeführt werden muss. Wer nach zweiwöchiger Soforthilfe wieder zurück kommt, sei zunächst einmal körperlich ausgepumpt, so Lesmeister. "Dann weiß man auch die einfachen Dinge wieder zu schätzen wie fließendes Wasser und warme Duschen."

Quelle: RP
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