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Kevelaer
Uedemer Hochwald könnte Weltkulturerbe werden

Uedemer Hochwald könnte Weltkulturerbe werden
Die Römer sollen in der Region 13 größere Manöverlager errichtet haben. FOTO: Privat
Kevelaer. Bei der Unesco liegt ein Antrag vor, die Region als Teil des Niedergermanischen Limes dem Welterbe zuzurechnen. Archäologen finden Funde im Hochwald geradezu "sensationell". Auch Weeze hofft, davon touristisch zu profitieren. Von Anja Settnik

Für die Niederrheiner, die dort joggen oder ihre Hunde ausführen, ist die Bedeutung des Hochwalds sowieso kaum mehr zu toppen. Andere Menschen, Touristen zumal, könnten jedoch hellhörig werden, wenn dem Antrag stattgegeben wird: Der Uedemer Hochwald könnte Teil des Welterbes werden, weil durch ihn ein Teil des Niedergermanischen Limes verläuft. 13 unterschiedlich große Manöverlager soll es in dem Gebiet gegeben haben. Wer weiß, wonach er Ausschau halten muss, kann die Lagerwälle und Torformen noch erkennen. Steve Bödecker als Spezialist für Bodendenkmäler beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) zeigte jetzt, was Fachleute im Hochwald erforscht haben.

Fundplätze römischer Spuren gibt es in der Region auch in Kalkar und Bedburg-Hau und natürlich in Xanten, dessen Amphitheater und "Castra vetera" auch Laien bekannt sind.

Liste: Das sind die Welterbestätten in Deutschland FOTO: Spaceport9 /Shutterstock.com

Und auch Weeze verspricht sich von der römischen Vergangenheit durchaus einiges für die Gegenwart. "Alles, was die Umgebung in den Fokus rückt, ist immer zu begrüßen", sagt Khalid Rashid von der Gemeinde Weeze. Der Limes sei auf niederländischer Seite bereits ein großes Thema, wenn jetzt auch das direkt angrenzende Uedem zum Weltkulturerbe werde, profitiere davon sicher auch Weeze. "Uns würde freuen, wenn es zu dieser Auszeichnung kommen würde", sagt Rashid.

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und die Niederlande beschreiten den Weg bis zur Anerkennung als Unesco-Welterbe gemeinsam. Bereits vor einigen Monaten versicherte das NRW-Wirtschaftsministerium, es unterstütze den Antrag, den Niedergermanischen Limes als sechste Welterbestätte des Landes anerkennen zu lassen. Die Grenzen des Römischen Imperiums, um die es geht, werden bisher schon vom Hadrians- und Antoninuswall in Großbritannien markiert, außerdem vom Obergermanisch-Rätischen Limes im Südwesten Deutschlands. Die rheinischen Fundstellen könnten die Lücke schließen.

Die römische Provinz Niedergermanien verlief von Rheinland-Pfalz bis an die holländische Nordseeküste bei Katwijk. Entlang des antiken Rheins verlief der Limes auf 385 Kilometern Länge und sicherte Rom gegenüber dem feindlichen Germanien. Schon der Fluss selbst war natürlich für feindliche Truppen ein Hindernis, so dass die Legionslager und Kastelle auch ohne hohe Wälle gut gesichert waren. 19 Kommunen im Land können auf Fundplätze des römischen Militärs verweisen. "Die Entdeckung der Übungslager in Uedem stellten eine kleine Sensation dar", sagt Bödecker. Vom Flugzeug aus wurden per Laserscanner die typischen Wallanlagen sogar im Waldgebiet erfasst und als Relief dargestellt. In den Lagern wurden Strategien eingeübt, wobei es es insbesondere um "Tricks, Täuschung und Überrumpelung ging", wie Bödecker sagt. Wichtig war, dass es Wasser gab und Schutzräume, in denen die Soldaten sich erholen konnten.

"Wir gehen davon aus, dass es meist ein großes und mehrere kleinere Lager in der Nähe gab; das große Lager diente den Legionen, die kleineren den bezahlten Hilfstruppen", erklärt der Archäologe. Seine größte Ausdehnung hatte das Römische Reich im ersten Jahrhundert nach Christus. Damals sollen am niedergermanischen Limes etwa 15.000 Legionäre und 20.000 Söldner stationiert gewesen sein.

"Sie lagerten in drangvoller Enge", sagt Bödecker. Er zeigt dabei auf dem Waldboden, wie nach heutigem Stand der Forschung die Soldaten dicht bei dicht gelegen haben müssen.

Zum Glück hatte der Archäologe Zeichnungen, Pläne und Luftbilder zum Hochwald-Spaziergang mitgebracht, denn alle Teilnehmer gaben zu, dass sie ohne diese Hilfsmittel recht hilflos gewesen wären. Ein Hügelgräberfeld zu erkennen, ist für Laien kaum möglich.

Quelle: RP
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