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Kevelaer
Uhus leben und jagen in Kevelaer

Kevelaer: Uhus leben und jagen in Kevelaer
Im Geäst eines Baumes in Kevelaer hat unser Fotograf das Uhupaar entdeckt. FOTO: Evers Gottfried
Kevelaer. In der Marienstadt hat es sich ein Pärchen der großen Eulenart gemütlich gemacht. Wilhelm Schnabel erklärt, dass das für die Tiere eine Notlösung ist. Anscheinend fühlen sich die beiden aber wohl, es gibt Nachwuchs. Von Bianca Mokwa

Eigentlich sind sie viel lieber in Steinbrüchen oder an Felswänden zu Hause. Aber mitten in Kevelaer hat sich ein Uhupaar niedergelassen. Wilhelm und Ulrike Schnabel von der Auffangstation für Greifvögel und Eulen in Weeze wissen schon längst von den ungewöhnlichen Besuchern. "Teilweise sind diese Vögel beringt von der Vogelwarte. Aber das ist nicht notwendig, wir kennen die auch so", sagt Wilhelm Schnabel. Ornithologen haben die Entwicklung in der Kevelaerer Innenstadt auch längst im Blick.

Die Flucht der Wildtiere, die man zunächst im Wald und auf abgelegenen Äckern vermutet, ist längst bekannt. Das gibt es auch in Kevelaer. "Auch Füchse", sagt Wilhelm Schnabel. "In jeder Stadt gibt es Füchse. Es gibt immer treu sorgende Bürger, die ihren Müll nicht wegräumen, und der Fuchs frisst dann die Pommes, die daneben liegen", sagt Schnabel mit mahnendem Unterton. "Wilde Mülldeponien locken alles Mögliche an, erst das Ungeziefer, dann die Räuber."

Auf Müll hat es das Uhupärchen nicht abgesehen. "Mäuse, Ratten, Igel", zählt Wilhelm Schnabel auf, was unter anderem alles auf der Speisekarte der Uhus steht. "Eulen und Greifvögel sind Minimalisten", sagt er. "Jedes Stück Eiweiß ist teuer erkauft." Das heißt, geflogen wird nur, wenn es sein muss. Deswegen wird vielen Kevelaerern die Anwesenheit des Uhupärchens vermutlich gar nicht aufgefallen sein. Zum einen sind es dämmerungsaktive Tiere, zum anderen suchen sie die Deckung, wollen ihre Ruhe und sollen sie auch bekommen. "Der Uhu ist eine besonders geschützte Tierart", sagt Wilhelm Schnabel.

Allerdings lässt sich ihre Anwesenheit nicht immer leugnen, vor allem nicht in der Balzzeit. "Die sind sehr laut beim Balzen, auch schon mal morgens um drei", sagt Wilhelm Schnabel. Laut und deutlich schallt dann ein "Uhu-Ruf" durch die Morgendämmerung. "Sie können ihren Namen nicht verleugnen", sagt Schnabel. Die Balz ist nötig, um die Vermehrung einzuleiten, auch wenn Uhus treu sind, was ihren Partner angeht. Übrigens ist das Uhu-Weibchen mit dreieinhalb Kilo größer und schwerer als das zwei Kilo schwere Männchen.

Das Uhupärchen in Kevelaer hat schon Junge bekommen. In der Regel sind es zwei bis vier. "Genügend" seien es beim Kevelaerer Paar. In sechs Wochen schaffen es die Jungvögel von 45 Gramm auf dreieinhalb Kilo. Allerdings bedeutet das keine größere Uhu-Population in Kevelaer. "Uhus brauchen ein relativ großes Revier von etwa 1000 Hektar", erklärt der Weezer. Für zwei Uhupärchen ist da kein Platz. "Die Jungen werden vertrieben und müssen sich neue Reviere suchen", nennt Wilfried Schnabel die logische Konsequenz. Allerdings bleiben sie sehr lange bei den Altvögeln, etwa bis zum Herbst. Dann werden sie in die Selbstständigkeit entlassen. Mit ihrem hervorragendem Gehör und Sehvermögen, der 270-Grad-Kopfdrehung und der Möglichkeit, absolut geräuschlos zu jagen, sind sie aber bestens für ein Leben in der Natur, und wenn es sein muss in der Stadt, gerüstet.

Ob es gut oder schlecht ist, dass Wildtiere in der Stadt auftauchen? Wilfried Schnabel muss nicht lange überlegen. "Sobald ein Fuchs auf einer Terrasse auftaucht, gibt es Leute, die ihn füttern. Tiere verlieren dadurch ihre natürliche Scheu, und außerdem ist das nicht praxisorientiert", warnt er. "Das ist wie das Füttern verwildeter Haustauben." Deswegen lautet sein dringender Appell: Wildtiere einfach in Ruhe lassen, die mit Flügeln genauso wie die Vierbeiner.

Quelle: RP
 
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