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Hilfe im Unwetter
Wenn das Wasser schneller ist als die Pumpen

Unwetter in NRW: Wenn das Wasser schneller ist als die Pumpen
Feuerwehrmann Philipp Köhler war beim Unwetter in Kevelaer im Einsat. FOTO: Feuerwehr Kevelaer
Düsseldorf/Kevelaer. 30 Anrufe gingen bei der Feuerwehr in Kevelaer am Mittwochabend um 19.30 Uhr ein. Da hatte das Unwetter gerade begonnen. Die ersten Keller in der Innenstadt waren bereits vollgelaufen. Seitdem sind die Rettungskräfte im Einsatz. Ein Feuerwehrwann berichtet.  Von Christina Rentmeister

Die Lage im Überblick:

 

Drei Stunden hat Feuerwehrmann Philipp Köhler geschlafen, als er am frühen Donnerstagmorgen im nächsten überschwemmten Keller steht. Die Nacht war einfach zu kurz, das Unwetter in Kevelaer zu heftig, die Einsätze zu viele, um sie in ein paar Stunden abzuarbeiten.

Also stehen Köhler und seine Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr auch 17 Stunden nach dem ersten Alarm – am Mittwochabend um 19.30 Uhr –  noch im Wasser und sorgen dafür, dass zumindest die meisten Keller in der Stadt wieder einigermaßen trocken werden.

Freiwillige Feuerwehr ist pausenlos im Einsatz

"Im Moment geht jeder in der Truppe über seine Grenzen. Manche haben gar nicht geschlafen. Jeder muss selbst einschätzen, wann er eine Pause braucht", sagt Köhler. Er selbst ist um vier Uhr für ein paar Stunden nach Hause gefahren, um etwas Schlaf zu bekommen. "Irgendwann ist man so erschöpft, dass man ohne Probleme schlafen kann. Das ist anders, wenn eine Person zu Schaden gekommen ist oder es ein Feuer gab", sagt der Feuerwehrmann.

Diesmal habe er nur viel Wasser gesehen, sagt Köhler. So viel Wasser, dass so mancher Keller nicht leer gepumpt werden konnte. "In einem Keller habe ich vier Stunden lang Wasser rausgepumpt, und er lief immer wieder voll", sagt Köhler. In diesen Fällen hätten sie  aufgeben müssen. "Das regelt sich dann erst, wenn die Kanäle nicht mehr zu voll sind und das Wasser in die Keller drücken", sagt der 33-Jährige. Das den Bewohnern mitzuteilen sei genauso schwierig, wie ihnen zu sagen, dass ihr Keller noch warten muss. "Das sind schon doofe Momente, wenn man jemanden zurücklassen muss, weil es einem anderen schlechter geht", sagt Köhler. Allerdings seien zu Beginn des Unwetters am Mittwochabend 30 Anrufe gleichzeitig eingegangen. Da müsse die Feuerwehr priorisieren, was zuerst gemacht werden muss und was warten kann.

Überschwemmte Keller müssen für Schweine-Rettung warten

Nicht warten konnte eine Herde Schweine, die zu ertrinken drohte: "In Kevelaer sind alle Regenrückhaltebecken übergelaufen. Das war selbst mit den Pumpen von uns und vom THW nicht zu verhindern. In einem Fall ist das Wasser auf eine Weide gelaufen, von der die Kollegen dann die Schweine retten mussten", sagt Köhler. Dafür hätte dann ein Keller warten müssen.

"Viele Leute sind verärgert, wenn wir erst später kommen. Sie erwarten von der Freiwilligen Feuerwehr sofortige Hilfe. Aber wir sind alle berufstätig und müssen erstmal vom Job kommen", sagt der Feuerwehrmann. Er selbst arbeitet im Schichtdienst und hat momentan freie Tage. Daher konnte er als einer der ersten im Einsatz sein.

"Meine freien Tage waren auch anders geplant. Ich habe ein Kind und meine Frau ist hochschwanger. Da habe ich dann schon ein schlechtes Gewissen, dass ich stundenlang im Einsatz und nicht bei ihnen bin", sagt Köhler. Gleichzeitig müsste den Menschen geholfen werden. Nach dem Unwetter dauere es wohl noch ein paar Stunden, bis alle Einsätze abgearbeitet seien. Danach sei dann auch wieder an Schlaf zu denken.

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