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Kevelaer
Viel Kritik an den Voba-Schließungen

Kevelaer. Im nächsten Jahr sollen auch die Filialen in Wetten, Kervenheim, Hartefeld, Pont und Wankum dicht gemacht werden. Als Ersatz wird es auch keine Selbstbedienungs-Terminals geben. Von S. Latzel und S. Zehrfeld

Für die Ortschaften ist die Entscheidung der Volksbank an der Niers ein harter Schlag. "Für uns geht wieder ein Stück Selbstständigkeit verloren", sagt Friedrich Dahl, Ortsbürgermeister von Hartefeld, wo die Geschäftsstelle dichtgemacht wird. "Erst verlieren wir unsere Läden, jetzt noch die Bank", beklagt er: "Alles verlagert sich raus aus den Ortschaften. Ob man einkaufen will oder Bankgeschäfte tätigen muss, man muss mobil sein, man muss nach Geldern fahren."

Das kann für ältere Leute ein richtiges Problem sein, aber auch für die jüngeren werde der Heimatort einfach unattraktiver, argumentiert er. "Da werden wir in Hartefeld, so traurig das ist, nur noch ein Schlaf-Dorf."

Zwischen Enttäuschung, Ärger und Tatendrang schwankt Rolf Pennings, Ortsbürgermeister des ebenfalls betroffenen Ortes Pont. "Ich bin überrascht, dass von guten Gewinnen gesprochen wird, und dann werden Einrichtungen geschlossen, die für uns immens wichtig sind", stellt er fest. In den Orten fehle es ohnehin schon an vielem, jetzt könnten gerade die Älteren sich nicht einmal mehr mit Bargeld versorgen: "Ich finde das sehr schlimm", sagt Pennings. "Ich bin damit noch nicht fertig, ich lasse das nicht so einfach stehen."

Er habe bei der Bank Protest eingelegt, stehe in Kontakt mit Unternehmen und will auch Bürger zum Widerstand bewegen. Die Entscheidung der Volksbank sei "nicht nachzuvollziehen".

Auch die Selbstbedienungsterminals im Ort Lüllingen, deren Verbleib die Einwohner sich vor Jahren noch mit Vehemenz erkämpft haben, werden abgebaut. Das sei nicht nur ein großer Verlust für Lüllingen, sondern stoße manchen auch vor den Kopf, meint Ortsbürgermeister Kurt Münster: "Viele Selbstständige hier sind auch Mitglieder der Volksbank", gibt er zu bedenken. "Für das Image der Bank ist das nicht förderlich."

Sicher könne man gegen das Argument wirtschaftlicher Zwänge schlecht anreden. Aber traurig sei es trotzdem.

Kritik kommt auch von Kevelaers Bürgermeister Axel Stibi, der wie alle betroffenen Verwaltungs-Chefs vorher von der Volksbank informiert worden war. "Die Schließung der Filialen in den Ortschaften Kervenheim und Wetten ist höchst bedauerlich, weil damit eindeutig die Kundennähe bei Bankgeschäften, die bisher durch den persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch gepflegt wird, verloren geht."

Die Schließung der Filialen sei ein weiteres trauriges Beispiel dafür, wie schwer es die Orte beim Erhalt der dörflichen Infrastruktur hätten. "An den betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen kommt man jedoch leider nicht vorbei. Die Entwicklung bestärkt mich in der Überzeugung, dass es wichtig und richtig ist, sich konsequent dafür einzusetzen, dass insbesondere auch die kleineren Ortschaften ausreichende Entwicklungsperspektiven haben müssen."

Von Seiten der Volksbank heißt es, dass die Entscheidung zur Neuorganisation der Filialstruktur nicht leicht gefallen sei. Ihr seien umfassende Analysen und Beratungen vorausgegangen. Anfang Mai soll es Infos für die Vertreter der Anteilseigner in den betroffenen Orten geben.

Wenn die Filialen geschlossen werden, wird es dort auch keine Selbstbedienungsgeräte als Ersatz geben. "Diese Terminals sind in der Wartung und Anschaffung unheimlich kostspielig", erläutert Voba-Sprecher Christian Hälker. Zudem habe sich gezeigt, dass größere Geldsummen eher in der City abgehoben würden. Wer in der Stadt einkaufen wolle, hole sich nicht erst 200 Euro Bargeld in Hartefeld ab.

Quelle: RP
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