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Kevelaer
Vier Preise und ein bisschen Wahlkampf

Kevelaer: Vier Preise und ein bisschen Wahlkampf
FDP-Mann Christian Lindner ist als Redner immer eine Bank. Politisch bissig, unterhaltsam, aber Wahlkampf durfte natürlich auch nicht fehlen. FOTO: Seybert Gerhard
Kevelaer. Im festlichen Rahmen wurden die Auszeichnungen des Marketingpreises Kevelaer übergeben. FDP-Chef Christian Lindner kam etwas zu spät und gab dafür anschließend als Gastredner im Konzert- und Bühnenhaus richtig Gas. Von Sebastian Latzel

Die Verspätung von Christian Lindner setzte den Bürgermeister unter Druck. "Wenn er noch später kommt, wird das hier eine lange Rede", sagte Dominik Pichler zur Begrüßung beim Marketing-Preis. Er nutzte die Zeit dann auch gleich, um noch einmal deutlich die Regelung bei den Öffnungszeiten am Sonntag zu geißeln. Die Regeln seien verschärft worden, etliche offene Tage gekippt worden. Das sorge in den Kommunen für Verunsicherung, hier müssten gerichtsfeste Regeln her, forderte Pichler vom Land.

Den Ball nahm Christian Lindner sofort auf, der zu der Zeit eingetroffen war: "Damit das klar ist: Ich fange hier nicht an mit der Kritik an der SPD. Das waren Sie", sagte der FDP-Chef. Offenbar hatte auch er davon gehört, dass der Bürgermeister im Vorfeld ironisch angedroht hatte, Lindner das Mikro abzudrehen, wenn er Wahlkampf machen würde. Natürlich drehte Pichler das Mikro nicht ab. Und natürlich machte Lindner auch Wahlkampf. Kostproben gefällig? Man solle doch die Post verkaufen und das Geld in den Breitbandausbau stecken, forderte Lindner und warnte: "Geben Sie das Geld nicht in die klebrigen Finger von Frau Nahles." Aktuell sei nicht mehr der Sozialismus die Bedrohung des Wohlstandes, sondern der Bürokratismus - trotz Sarah Wagenknecht. Die Maut sei nur beschlossen worden zur "Gesichtswahrung einer Regionalpartei".

Wirtschaftsförderer Hans-Josef Bruns (l.) und Bürgermeister Dominik Pichler (r.) mit den Preisträgern auf der Bühne im Konzert- und Bühnenhaus. FOTO: Gerhard Seybert

Am gefährlichsten sei es aus seiner Sicht, wenn es nach den Wahlen weitergehe wie bisher: Kontinuität ist die größte Gefahr. Aber Lindner setzte solche Sätze so unterhaltsam, dass es fast Züge von politisch-bissigem Kabarett hatte. Etwa als er davon erzählte, wie er erstmals auf dem Karnevalswagen mitgefahren war und zielgenau ein Bonbon in die Menge geworfen hatte. "Niemand hat das Bonbon aufgehoben", berichtete er. Daraufhin habe er einen ganzen Karton genommen und einem Jecken über dem Kopf ausgeschüttet. "Auch jetzt hat nicht ein einziger eine Kamelle aufgehoben, aber es gab jede Menge Applaus - so arbeitet momentan die Groko."

Als echter Profi nahm Lindner dann auch seine eigene Partei auf die Schippe. Als es einmal nur ganz spärlichen Applaus gab, konterte er gleich. "Das war wohl die FDP-Ratsfraktion von Kevelaer."

Lindner ist bei einer solchen Veranstaltung eine Bank. Geschickt nahm er die anwesende Mittelschicht mit. Die Unternehmen vor Ort, die sich dem Wandel stellen und mit Mann und Maus haften, die seien das Rückgrat der Wirtschaft. Bevor die Politik bei neuen Abgaben den Mittelstand ins Visier nehme, sollte man auf Google, Apple oder Amazon schauen, die viel Geld verdienen, aber nichts für die Infrastruktur hier in Deutschland tun. Sätze, für die er im vollen Haus immer wieder Beifall erntete.

Linder warnte: Die größte Gefahr für die Wirtschaft sei die Angst, die lähmt. Das habe man in der USA gesehen. Man müsse mutig sein und auch die eigenen Stärken zu schätzen wissen. Das eben sei ein Problem der Deutschen: Bei einer Umfrage unter Menschen aus 180 Nationen, in welchem Land sie leben wollten, landete Deutschland auf Platz eins. Bei der Umfrage unter Deutschen aber nur auf Platz zwölf. Ziel sei, diese Angst zu bekämpfen.

Beispiel für Firmen, die sich der Herausforderung stellen, wurden an dem Abend geehrt. In vier Kategorien gab es den Marketing-Preis. Im Bereich Unternehmensgründung wurde das Unternehmen Kaffeehimmel & Co ausgezeichnet, bei Agrobusiness der Möllenhof, im Bereich Handel und Dienstleistung das Unternehmen Walther Faltsystem. Einen Sonderpreis gab es für den Ort Achterhoek, der beim Dorfwettbewerb bis ins Bundesfinale gekommen ist.

Quelle: RP
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