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Kevelaer
Vom Lampenfieber beim Einschenken

Kevelaer: Vom Lampenfieber beim Einschenken
Der Auszubildende Dennis Perau bedient im Straelener Hof Gudrun Marcarth-Winschuh, die seine Lehrerin am Berufskolleg in Kleve ist. Der 21-Jährige steckt mitten in seiner Abschlussprüfung zum Restaurantfachmann. FOTO: gerhard seybert
Kevelaer. Diese Woche werden die Fachkräfte im Hotel-und Gaststättengewerbe geprüft. Ein Blick hinter die Kulissen und das Herz der Prüflinge. Freie Ausbildungsplätze gibt es in der Branche übrigens genug, Weiterbildungsmöglichkeiten auch. Von Bianca Mokwa

Der Brotkorb zittert leicht, als Dennis Perau ihn auf die frisch gestärkte Tischdecke abstellt. Das liegt nicht am Gewicht des Körbchens, sondern an dem Gewicht, das unsichtbar auf seinen Schultern lastet. Der 21-Jährige steckt mitten in seiner Abschlussprüfung zum Restaurantfachmann. Eine Prüfungsaufgabe hat er schon hinter sich, das Tranchieren eines Lammrückens. Das klappte bis zu dem Moment gut, bis der Prüfer von ihm wissen wollte, warum er nicht ein Tranchiermesser genommen hätte, sondern ein Messer zum Auslösen.

In der Region Kleve stellten sich zwölf angehende Restaurantfachleute am Montag den Aufgaben ihrer Prüfer, am Mittwoch waren es zwölf für das Hotelgewerbe und heute sind die Fachkräfte im Gastgewerbe dran. Gudrun Marcath-Winschuh kennt sie fast alle, denn sie ist Lehrerin am Berufskolleg in Kleve. Wer im Gastgewerbe beruflich durchstarten möchte, der sollte vorher ein Praktikum machen, betont sie. Die Abbrecherquote bei den Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe ist mit 50 Prozent ziemlich hoch. Nicht immer sind Freund oder Freundin damit einverstanden, dass die Arbeitszeiten auch am Wochenende und in den Abendstunden sind. "Der Freundeskreis ändert sich", stellt die Lehrerin fest. Wer im Hotel- oder Gastgewerbe arbeitet, sucht und findet oft Freunde aus dem gleichen Bereich, so dass alle zur gleichen Zeit Freizeit haben. An Freizeit ist bei Dennis Perau gerade nicht zu denken. Er musste einen Tisch für zwei Personen eindecken.

Die IHK-Prüfung findet im Straelener Hof statt. Jeder Prüfling hat einen zwei Personen Tisch zu bedienen. Die Gäste sind eigens dafür eingeladen, und natürlich sitzen auch einige Prüfer darunter. Die Vorspeise ist Spargel-Garnelensalat mit Frühlingslauchvinaigrette. Dazu empfiehlt Dennis Perau einen Bordeaux, einen Entre-Deux-Mers Château Valade Jahrgang 2013. "Das fachgerechte Öffnen der Weinflasche, das wollen wir noch sehen", sagt die Berufsschullehrerin und an diesem Tag auch Prüferin. Der Korken muss also raus, auch wenn seine Lehrerin keinen Wein trinken möchte, weil sie noch Auto fahren muss. Beim Einschenken hält er einen Arm hinter den Rücken. Auch wenn es spießig aussieht, "das macht man so, das ist korrekt", sagt seine Lehrerin.

Die Durchfallquote sei relativ gering, sagt Gudrun Marcath-Winschuh. Das liegt daran, dass diejenigen, die die Ausbildung durchziehen, auch wirklich wollen. Aktuell gebe es noch genug freie Ausbildungsplätze, die Lehrerin spricht sogar von einem Fachkräftemangel. Denn Restaurantfach ist mehr, als ein paar Teller zum Tisch tragen können. Das wurde spätestens beim Tranchieren deutlich. Für Dennis Perau ist nach dem Servieren des Desserts der Prüfungstag noch nicht zu Ende. Er hat noch ein Kundengespräch. Hauptaufgabe der Prüfung war die Erstellung eines Konzepts für ein Paar, das nach der Hochzeit eine Feier im Restaurant ausrichten möchte. Vor ihm sitzen Claus Quasten (Arbeitgeber eines Integrationshotels im Allgäu) und Guiseppe Ramirez (Arbeitnehmer im Gocher Hotel Landhaus Nierswalde). Kinder seien auch dabei, natürlich auch Veganer und sogar Leute mit Lactoseintoleranz unter den Gästen, geben ihm die Prüfer vor. Dennis muss überlegen, wie der sein Menü auf die zusätzlichen Anforderungen anpasst. Auch die Größe der Tanzfläche ist Thema.

Nach einer Viertelstunde ist für den Auszubildenden der Gelderner Lindenstuben die Prüfung vorbei. Und bestanden. Für ihn geht es nach bestandener Prüfung als Restaurantfachmann im Gelderner Ratskeller weiter. Er hängt noch eine Ausbildung als Hotelfachmann dran. Weiterbildung, das sei das Thema überhaupt und es gebe eine Fülle von Möglichkeiten, bestätigt seine Lehrerin. Mitschülerin Karina Kurda hat ebenfalls bestanden. Sie zieht es nach der Ausbildung im Hotel Rilano Cleve nach München. Im Leonardo Royal Hotel wird sie nach ihrer Weiterbildung als Barkeeperin anfangen. Eine Weiterbildung im Bereich Barmanagement hat sie schon absolviert. Während sie sich darauf freut, den Menschen die Geschichte zu erzählen, die hinter den Namen der Cocktails stecken, steht die nächste Generation schon in den Startlöchern und wird im nächsten Jahr ihre Prüfung ablegen. Eines haben alle gemeinsam, die Freude am Arbeiten mit Menschen.

Quelle: RP
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