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Weeze/Ysselsteyn
Von der Sinnlosigkeit des Krieges

Weeze/Ysselsteyn: Von der Sinnlosigkeit des Krieges
FOTO: Wellenbrecher
Weeze/Ysselsteyn. 20 Jugendliche aus dem Kreis Kleve erforschten in Ysselsteyn die Geschichten der Kriegstoten. Einer stieß auf das Grab seines Urgroßvaters. Von Sebastian Latzel

Der Krieg ist 72 Jahre her, die Kämpfe von damals sind weit weg. Doch in Ysselsteyn ist der Schrecken wieder ganz nah. Dicht an dicht stehen die Kreuze auf dem zweitgrößten Soldatenfriedhof in den Niederlanden, sie reichen bis an den Horizont. Es ist kaum möglich, sie zu zählen.

Wer zum ersten Mal auf die Anlage in Ysselsteyn tritt, dem stockt unwillkürlich der Atem. Fast 32.000 Soldaten sind hier begraben, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen. Viele bei Kämpfen hier direkt in der Nähe des niederländischen Ortes, der gleich hinter der Grenze, unweit von Weeze liegt.

Und der Anblick hinterließ auch bei Jugendlichen aus dem Kreis Kleve einen tiefen Eindruck. Das spürten die Betreuer vom Weezer Wellenbrecher ganz deutlich, berichten sie. Erstmals bot das Jugendzentrum eine mehrtägige Fahrt nach Ysselsteyn ein. Dort gibt es eine Begegnungsstätte mitten auf der Anlage. Kulturfahrt nannte sich das Angebot, an dem 20 Jugendliche aus der Region und sechs Betreuer teilnahmen.

Die Gruppe wurde in geräumigen Blockhäusern untergebracht, die in einem Halbkreis um eine schöne Feuerstelle angeordnet waren. Es gab ein großes Hauptgebäude mit Seminarräumen, aber auch einen Freizeitraum mit Kicker, einen Fußballplatz, Beachvolleyballfeld und Tischtennisplatten.

Umgeben von mehr als 30.000 Kreuzen auf 30 Hektar verdeutlichte Marius, Freiwilliger des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, den Jugendlichen die Sinnlosigkeit und Brutalität des Krieges zunächst in einem Kurzvortrag auf der Gedenkstätte.

Anschließend beschäftigten sich die Jugendlichen in kleinen Gruppen zusammen mit den niederländischen Gastgebern von Ysselsteyn mit Einzelschicksalen. So erhielten die Kreuze eine noch größere Intensität, mahnten für die Zukunft.

Sechs Menschen, von denen das Leben bis zu ihrem Kriegs-Tod nachgezeichnet war, lernten die Jugendlichen so an den Gräbern kennen. Da wurde beispielsweise ein 16-Jähriger Junge vorgestellt, der erst seine Ausbildung zum Metzger abbrach, weil er Tiere nicht töten mochte, und anschließend zum Vorgänger des Technischen Hilfswerkes wechselte, um dort in Notsituationen zu helfen. Er fiel als völlig unerfahrener Kindersoldat in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Seine Eltern erfuhren von dem Kriegseinsatz erst nach seinem Tod.

Von einer Frau wurde berichtet, die sich der medizinischen Hilfe verschrieben hatte und auf dem Heimweg ihren Tod fand. Ebenso wurde auch ein deutscher ranghoher Soldat vorgestellt, der der nationalsozialistischen Ideologie gefolgt und Mitglied der Waffen-SS war. In mehreren Ländern hatte er gekämpft und war Teil der Vernichtungsmaschinerie des NS-Regimes.

Für einen Jugendlichen aus Weeze wurde der Aufenthalt auch zu einer Art Reise in die eigene Vergangenheit. Als die Gruppe sich das Buch ansah, in dem die Namen der Toten verzeichnet sind, fand sich dort der Name des Urgroßvaters des Jungen. Später fand die Gruppe das Grab auf dem riesigen Friedhof - auf dem Kreuz stand tatsächlich der Name des Urgroßvaters.

Seine Großmutter hatte ihm erzählt, dass sein Urgroßvater vermutlich unweit von Ysselsteyn gefallen war, erinnerte sich der Junge. Hier hatte er nun den Beweis dafür. "Weitere Recherchen werden nun angestellt", so der Weezer Wellenbrecher.

Neben der Beschäftigung mit dem Thema Krieg gab es ein gemeinschaftliches Freizeitprogramm. Das Wochenende wurde mit einer Kamera begleitet, so dass ein Film entstanden ist. Dieser wird den Teilnehmern der Jugendkulturfahrt nach den Herbstferien bei einem Nachtreffen gezeigt.

Die Jugendkulturfahrt des Weezer Wellenbrechers wurde durch ein Interreg-Förderprogramm ermöglicht, das von der Europäischen Union und der Gemeinde Weeze kofinanziert wird.

Quelle: RP
 
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