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Heimat genießen - in Kevelaer
Von Kartoffeln, Milch und Morgennebel

Heimat genießen - in Kevelaer: Von Kartoffeln, Milch und Morgennebel
FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Kevelaer. Es sind die einfachen Dinge, die für Kartoffelkönigin Sarah Verhülsdonk das Leben schön machen. Wie der Geschmack der frischen Milch der eigenen Kühe zum Beispiel. Und ganz generell das Leben im Kontakt mit Erde, Tieren und Natur. Von Sina Zehrfeld

Sarah Verhülsdonk aus Kevelaer-Kaylaer, ihres Zeichens Rheinische Kartoffelkönigin, ist sich sehr sicher, dass die Kartoffeln der Region die mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit leckersten, gesündesten und vermutlich auch hübschesten sind, die es überhaupt gibt. Und völlig sicher ist sie sich, dass sie wirklich sehr, sehr lecker sind. Die Königin könnte sich jedenfalls reinlegen in Gutes aus Kartoffeln.

Ihr Lieblingsessen sind "Schmörkes mit Dip". Sie weiß Stampfkartoffeln zu schätzen und Kartoffelsalat, sie kann aber auch eine Mahlzeit aus Salzkartoffeln mit Soße bestreiten - sie liebt eigentlich alles mit Kartoffeln, sagt sie. Kurz: Als Botschafterin des hiesigen Gemüses ist sie schon die richtige. "Wir haben hier die perfekten Bedingungen für Kartoffeln", sagt sie: genug Niederschlag, gute Böden.

Die 20-Jährige Landwirtin ist auf dem Bauernhof der Eltern aufgewachsen, einem Milchviehbetrieb. Mit 16 Jahren hat sie sich für den Beruf entschieden und ist jetzt neben der Arbeit auf dem Hof dabei, staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin zu werden. Mit diesem Titel wird sie selbst eines Tages Lehrlinge ausbilden können. Zur Hofgemeinschaft gehören die Eltern Melitta und Hubert, Sarah Verhülsdonks jüngere Schwestern Lia (16) und Jule (12), die Großeltern Johannes und Maria sowie Großmutter Hannelore, vier Pferde, Hund Lotte, 150 Milchkühe und noch mal so viele Kälber.

Derzeit ist Sarah Verhülskonk aufgebrezelt mit Kleid, Diadem und Schärpe jedes Wochenende als Kartoffelkönigin unterwegs. Aber wenn sie an "Genuss" und "Heimat" denkt, dann hört sie nicht bei den Knollen auf. Heimat, das "schmeckt" bei ihr nach mehr. Nach gerade gemolkener Milch, nur gefiltert, ansonsten unbehandelt. "Das macht was aus", sagt sie, "das ist halt frisch." So was gibt es nicht im Supermarkt und ganz sicher nicht irgendwo in der Stadt.

Heimat sind für Sarah Verhülsdonk die Düfte vom gerade gehäckselten Mais, vom frisch gemähten Gras; dem Futter für die Kühe. Es ist der Geruch, "wenn es gerade geregnet hat". Und das vielleicht wichtigste: "Die frische Luft", sagt sie. Ihr Dasein zu genießen, dazu gehört für sie, ihre Verbundenheit mit ihrem Hof, ihrem Berufsstand zu empfinden, das Landleben richtig zu spüren. Etwa, wenn sie morgens um kurz nach fünf Uhr als erstes bei den Kälbern nach dem Rechten sieht, dann zu den Kühen herüber blickt, "und da ist dann der Wald mit dem Nebel, manchmal der Sonnaufgang, und der Himmel ist rot - das ist richtig schön". Sie mag den Kontakt mit den Tieren, zu ihren liebsten Arbeiten auf dem Hof gehört das Melken. Und das Treckerfahren auch: Gas geben auf dem Feld. Wer das nicht verstehen kann, "der soll mal hier herkommen, mindestens eine Woche, und mithelfen", lädt sie ein. "Es ist schlimm, dass manche nicht mehr wissen, dass die Milch nicht aus dem Supermarkt kommt, sondern von den Kühen."

Ohnehin hätten viele Menschen von der Landwirtschaft eine ganz falsche Vorstellung. "Man hat viel Arbeit", gibt sie zu. "Aber so harte Arbeit, wie es früher mal war, ist es gar nicht mehr." Zugegeben, der Tag fängt um fünf Uhr früh an, und erst gegen 19 oder 20 Uhr ist Feierabend. Aber dafür gebe es tagsüber auch Zeit für Muße. "Und ein Riesenvorteil ist, dass die Familie immer zusammen ist", führt sie aus.

Sie erlebt jeden Tag die Gemeinschaft von Generationen, die Zusammenarbeit mit den Geschwistern, und sie musste ihre Eltern nie ans Büro abgeben, sie hatte sie immer da. Das wünscht sie sich auch eines Tages für ihre eigenen Kinder. Sie könnte sich vorstellen - je nachdem, wie die Familie sich entwickelt - den elterlichen Hof zu übernehmen. Ihr gefällt, wie sie herumkommt als Kartoffelkönigin. Aber noch lieber kommt sie immer wieder zurück. "Zu Hause ist es am schönsten. Ich würde auch nie wegziehen wollen. Ich bleibe immer in Keylaer."

Quelle: RP
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