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Kevelaer
Wachwechsel im Revier

Kevelaer: Wachwechsel im Revier
FOTO: Seybert Gerhard
Kevelaer. Thomas Jäger ist Nachfolger von Kevelaers Wachleiter Johann van Rennings. Der geht in Ruhestand und erklärt, was das Besondere und Interessante an den Polizeiaufgaben in der Marienstadt und Weeze ist. Von Bianca Mokwa

Im Priesterhaus hat Thomas Jäger sich schon vorgestellt und eine Kerze mit auf den Weg bekommen. "Die werde ich auf der Wache auch in Ehren halten", sagt der 52-Jährige. Er ist der neue Leiter der Wache in Kevelaer. Offiziell geht sein Dienst erst am 1. August los. Aber schon jetzt hat er am Schreibtisch Platz genommen.

Sein Vorgänger Johann van Rennings geht mit 62 Jahren in Ruhestand. "Polizeibeamte gehen fünf Jahre früher in Pension als andere Beamte", erklärt van Rennings. Das sei aufgrund des belastenderen Dienstes so entstanden. Allerdings betont er, habe er Glück gehabt, Riesenglück, in Kevelaer Dienst machen zu dürfen. "Polizisten werden im ländlichen Kreis Kleve ganz anders angesehen, als in großen Städten", erklärt der angehende Ruheständler. Zum Beispiel werde man gegrüßt, wenn man im Streifenwagen unterwegs ist. In Ballungsgebieten eher undenkbar.

Seine Dienstuniform hat van Rennings schon abgegeben, auch der Ausstand liegt hinter ihm. Ob Wehmut dabei ist? "Nein, ich denke, jetzt ist der richtige Zeitpunkt", sagt van Rennings. Er habe nicht nur Familie, sondern viele Hobbys und vor allem ein Holzhaus, das auf die Renovierung wartet. In seiner verbleibenden Freizeit ist er auf dem Segelflugplatz in Goch anzutreffen. "Bei mir vor der Haustür", sagt sein Nachfolger.

Jäger wohnt in Kessel. 13 Jahre war er Dienstgruppenleiter in Geldern, zuletzt Leiter des Bezirksdienstes. Seit 1980 ist er bei der Polizei. "Das war schon der Traumberuf", sagt Jäger. Auf die Stelle in Kevelaer hat sich der Polizeihauptkommissar bewusst beworben. "Eigenverantwortlich eine Wache führen zu dürfen. Darauf freue ich mich", sagt Jäger. Johann van Rennings kann ihm aus erster Hand berichten, wie das so ist, in der Marienstadt, und was die Besonderheiten sind. "Die Wallfahrt ist tatsächlich eine Herausforderung, aber eine sehr angenehme", sagt van Rennings.

Die Herausforderung bestehe darin, dass sehr viele Leute ziemlich zur gleichen Zeit ankommen. Meistens ist das kein Problem. "Wir hatten aber auch schon mal junge Tamilen, die sich nicht wie Pilger benommen haben", erinnert sich van Rennings. Dazu kommen die Überraschungsbesuche der irischen Landfahrer. In Jahren, in denen die mit bis zu 80 Gespannen anreisten, fielen sie in der Stadt auf. Und die Karnevalszüge. "Das war immer ein Anlass, um sich gut vorzubereiten", sagt van Rennings. Schließlich hatte sich Twisteden als nicht ganz unproblematischer Sammelpunkt für Jugendliche erwiesen. "Sowohl die Stadt Kevelaer, als auch der Veranstalter, haben aber sehr gut daran gearbeitet", sagt der scheidende Wachleiter und betont die gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.

"Netzwerkarbeit", sagt Jäger und nickt. Neben seinem Schreibtisch liegt ein Stadtplan von Kevelaer. "Ich möchte mir alles genau ansehen", sagt der Neue. Für die Kevelaerer und Weezer Bürger Sicherheit zu gewährleisten, das sei sein Ziel. Es geht unter anderem um Verkehrs- und Veranstaltungssicherheit. Gerade jetzt in den Sommermonaten knubbeln sich die ereignisreichen Veranstaltungen. Dazu gehört nicht nur die Tamilenwallfahrt, sondern auch das Parookaville-Festival und Q-Base am Weezer Flughafen.

"Man macht sich so seine Gedanken, wer Nachfolger werden könnte", sagt van Rennings, bereits in Zivil gekleidet. Wichtig war ihm nicht nur die fachliche Seite, sondern, "dass er auch mit den Kollegen gut klarkommt". Jäger ist Vorgesetzter von 26 Dienstbeamten. "Für mich waren die Mitarbeiter immer wichtiger als meine eigene Person", betont van Rennings, wie er das in seinen bisherigen Aufgabenfeldern gehandhabt hat. Über seinen Nachfolger habe er schon positive Rückmeldung von den Kollegen bekommen. Nun kann er beruhigt in den Ruhestand gehen. Aber eines gibt er seinem Nachfolger noch mit: "Du weißt noch gar nicht, wir gut das hier wird."

Quelle: RP
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