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Rp-Serie Netzwerk Gesundheit (8)
Weibliche Inkontinenz ist therapierbar

Rp-Serie Netzwerk Gesundheit (8): Weibliche Inkontinenz ist therapierbar
Frauenarzt Dr. Volker Hoffmann und Beckenboden-Trainerin Anna Szewczyk können Frauen, die unter Inkontinenz leiden, helfen. FOTO: Olaf Ostermann
Kevelaer. Frauenarzt Dr. Volker Hoffmann und Beckenboden-Trainerin Anna Szewczyk kennen eine Reihe von Methoden, um das Problem in den Griff zu bekommen. Die Erfolgsquote liege bei 80 bis 90 Prozent, betont der Gynäkologe. Von Monika Kriegel

GELDERNland Aus Scham sprechen die Frauen häufig mit niemandem darüber. Mitunter kostet es sogar Überwindung, sich einem Arzt anzuvertrauen. Gemeint ist die Harninkontinenz, der unkontrollierte Urinverlust. Viele Frauen - manchmal sogar schon junge nach der Geburt eines Kindes - leiden darunter. Eine Reihe von geeigneten Lösungen kennen Frauenarzt Dr. Volker Hoffmann und Beckenboden-Trainerin Anna Szewczyk. Die Hebamme und der Chefarzt der Gynäkologie wissen, dass die weibliche Dranginkontinenz in den meisten Fällen therapierbar ist.

Unterschiedliche Ursachen können zur Harninkontinenz führen, weiß der Gynäkologe: "Oft wird das Problem durch Schwangerschaften, Geburten, hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren oder Medikamente ausgelöst. Kommen die Patientinnen in die Sprechstunde, versuchen wir zunächst, über einen Fragebogen einzugrenzen, welche Symptome vorliegen. Verliert die Frau beim Husten oder Niesen, bei Anstrengung oder Stress unkontrolliert Urin?", so Dr. Hoffmann. "Nach der Anamnese entscheiden wir individuell mit der Patientin, welche Therapie die besten Erfolgschancen hat." Die Gynäkologie im Gelderner Krankenhaus verfüge über einen sogenannten computergestützten uro-dynamischen Messplatz für eine schmerzfreie Eingangsuntersuchung, in der Sensoren den Druck und das Volumen beim Wasserlassen ermitteln.

Wenn eine Blasenschwäche vorerst konservativ behoben werden soll, schlägt der Frauenarzt ein Beckenbodentraining vor. Hebamme Anna Szewczyk bietet seit ihrer Kassenzulassung regelmäßig Kurse in der Gelderland-Klinik an. "Wir besprechen die Anatomie des Beckenbodens, sensibilisieren die Wahrnehmung und Körperhaltung. Bei mir bekommen die Frauen Hausaufgaben auf. Denn nur durch regelmäßiges Training des Beckenbodens und die Integration der Übungen in den Alltag lassen sich spürbare Erfolge erzielen", beschreibt sie den Inhalt des achtwöchigen Trainings. Die Gebühr für den Kurs wird von den meisten Krankenkassen prozentual erstattet.

Sind konservative Methoden wie veränderte Verhaltensregeln, Beckenbodentraining oder Elektrostimulation nicht dauerhaft erfolgreich, bleibt oft nur die Operation. In Geldern operiert Chefarzt Dr. Hoffmann seit Jahresbeginn nach einem neuen Verfahren. Die CESA/VASA-Methode zeigt eine hohe Erfolgsquote bei ausgeprägter Bindegewebsschwäche, also wenn die Haltebänder im weiblichen Becken überdehnt oder sogar komplett gerissen sind. Während eines kurzen Eingriffs ersetzt der Chirurg die Haltebänder durch Implantate. "Das Material ist medizinisch vielfach erprobt und kam bislang vor allem in der Bauchchirurgie zum Einsatz", erklärt der Mediziner.

Nach einer OP verbessert sich die Lebensqualität der Patientin enorm. "Die Erfolgsquote bei Dranginkontinenz liegt bei 80 Prozent, bei Stressinkontinenz sogar bei 90 Prozent", weiß der Gynäkologe. Ein Klinikaufenthalt von etwa zwei Tagen sei angebracht. Natürlich empfehle er der Patientin im Anschluss an den Eingriff zur Stabilisierung ein Beckenbodentraining.

Anna Szewczyk: "Ich höre hinterher so viel Positives. Dass die Frauen sich besser fühlen, sich wieder aus dem Haus trauen und nicht ständig nach der nächsten Toilette Ausschau halten müssen. Eine fast 80-jährige Kursteilnehmerin erzählte mir einmal, dass sie sich jahrzehntelang mit ihrer Blasenschwäche arrangiert hatte. Meine Kursteilnehmerin hat hinterher bedauert, dass sie den Schritt zur Therapie nicht schon früher gewagt hat."

Quelle: RP
 
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