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Kevelaer
Weihbischof sorgt sich um die Beteiligung bei Kirchenwahlen

Kevelaer. Das Ende der Fusionen sei erreicht, hat Weihbischof Winfried Theising, wie berichtet, bei der Kreisdekanatsversammlung in Kevelaer erklärt. Doch während bei den Struktur-Veränderungen offenbar Ruhe eingekehrt ist, bereitet dem Bischof eine andere Sache große Sorge: "Die Beteiligung bei den Kirchenvorstandswahlen nimmt immer mehr ab", sagte Theising mit Blick auf die Wahlen, die Anfang November anstehen. Von Sebastian Latzel

In den vergangenen Jahren hätten immer weniger Gläubige ihre Stimme abgegeben. "Da hilft es dann auch nicht, zu sagen, 50 Prozent der Gottesdienstbesucher gehen zur Wahl, wenn gleichzeitig immer weniger die Messen besuchen." Wenn teilweise unter fünf Prozent der Gemeindemitglieder zur Urne gehen, stelle sich die Frage: "Ist das überhaupt noch eine Wahl?" Was sei das auf für ein Signal an die Kandidaten, wenn kaum einer seine Stimme abgebe? "Auch hier müssen wir vielleicht irgendwann neue Wege einschlagen", stellte der Weihbischof fest. Wahlen seien zwar wichtige Elemente demokratischer Meinungsfindung, machten aber nur Sinn, "wenn das aktive und passive Wahlrecht so wahrgenommen wird, dass sich die Gewählten getragen und legitimiert fühlen".

Neben dem Blick auf die Strukturen müsse man auf die Inhalte schauen. Eine Hilfe könnten die lokalen Pastoralpläne sein. Nicht jede Pfarrei müsse noch alles anbieten. Eine Gemeinde könne eben Schwerpunkte in der Jugendarbeit setzen, andere vielleicht eben bei den Senioren. In der regen Diskussion mit dem Bischof brachten die Verantwortlichen aus den Gemeinden zum Ausdruck, dass ihnen vor allem Sorge mache, dass die Kirche den Nachwuchs immer weniger erreiche. Der Bischof sagte, auch er kenne kein Patentrezept, erlebe aber bei der Firmung immer wieder, dass junge Menschen durchaus bereits seien, auch in der Kirche Aufgaben zu übernehmen. "Aber sie dürfen dann nicht so überfrachtet werden, dass sie gleich den Eindruck haben, das wird mir alles zu viel." Ein weiteres Problem in der Jugendarbeit sei der Unterricht bis in den Nachmittag. Da bleibe immer weniger Zeit für die klassische Jugendarbeit von früher.

Deutliche Kritik kam aus der Versammlung auch an den Predigten. Die würden Jugendliche oft nicht ansprechen, teilweise seien sie sogar langweilig. "Natürlich gehört Predigen zur Priesterausbildung", stellte der Weihbischof fest, "gut zu predigen ist allerdings auch eine Gabe, die der eine oder andere unterschiedlich beherrscht."

Mit einer kleinen Anekdote machte er zum Schluss deutlich, dass man manchmal nur überraschen müsse, um die Menschen im Kirchenschiff aufzuwecken. Nach der Fußwallfahrt der Gaesdonck im Sommer nach Kevelaer hätten bei großer Hitze mehrere hundert Schüler und Lehrer total übermüdet in den Kirchenbänken gesessen. Nachdem der Bischof allerdings gesagt hatte, "Keine Sorge, ich werde nur eine halbe Stunde predigen", waren alle schlagartig hellwach.

Quelle: RP
 
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