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Kevelaer
Weiter Debatte um die Sonntagsöffnung

Kevelaer: Weiter Debatte um die Sonntagsöffnung
Kevelaer. Bei einem Infoabend der Stadt im Bühnenhaus machten die Händler ihrem Ärger über die Regelung Luft. Sie wiesen auf Kevelaers Sonderstellung hin. Die Stadt führte aus, dass ihr kaum Spielraum bleibe. Von Sebastian Latzel

Passender hätte der Artikel der Rheinischen Post nicht erscheinen können. "Angriff auf die Sonntagsruhe" hieß die Schlagzeile auf der RP-Titelseite, die Christoph Kepser (Antenne Niederrhein) zu Beginn des Abends in die Höhe hielt und die immer wieder in der Diskussion des Abends aufgegriffen wurde. Einen "Angriff auf die Sonntagsruhe" sehen nämlich vor allem die Einzelhändler in Kevelaer in den vergangenen Monaten. Wie berichtet, gab es nach Beschwerden einer Initiativen die Anweisung aus Düsseldorf, dass die Kommune strenger auf die Einhaltung der Öffnungszeiten am Sonntag achten muss. "Wir haben da Druck von oben bekommen", stellte Bürgermeister Dominik Pichler noch einmal klar. Die Stadt hatte daraufhin die Händler angeschrieben, Bußgelder angedroht und diese auch verhängt. Das sorgte für Unmut. Man habe nicht anders gekonnt, so Pichler, der aber auch anmerkte, dass vielleicht eine Infoveranstaltung wie diese sinnvoller gewesen wäre, um die Händler zu informieren. Die Situation sei jetzt, dass viele Geschäfte, die sonntags geöffnet hatten, geschlossen sind. Davon sei die Stadt nicht begeistert, man sei aber an die Gesetze gebunden.

In der regen Diskussion wurde immer wieder deutlich, dass die Situation seltsame Blüten treibt. So berichtete Katharina Peters vom "Teefreund" davon, dass sie jetzt von ihren 120 Teesorten nur noch eine verkaufen dürfe, weil es sich da um "Kevelaerer Gute-Laune-Tee" handelt. "Wenn ich den Kunden das erkläre, schütteln die nur verständnislos den Kopf, und sie fühlen sich schlecht behandelt. Ich merke bereits, dass weniger Kunden kommen." Tobias Kocken von der gleichnamigen Galerie würde das Land am liebsten fragen, was er denn wann genau verkaufen dürfe. Wenn er sonntags einen Kerzenleuchter anbiete, der für einen Marienaltar gedacht ist, sei das erlaubt, weil es sich um eine Devotionalie handle. "Wenn sich jemand aber den Kerzenständer für das Wohnzimmer kauft, dürfte ich den eigentlich nicht abgeben. Wie soll ich herausfinden, wozu der Kunde einen Artikel kauft?", fragte er.

Im Bühnenhaus wurde angeregt über die Sonntagsöffnung diskutiert, auch über die Titelseite in der RP (links). FOTO: Seybert / Screenshot

Achim Zirwes (Einzelhandelsverband) regte an, dass Kocken doch eine Liste mit allen 1 000 Artikeln zur Aufsichtsbehörde schicken sollte. Die sollten dann festlegen, was verkauft werden dürfe. Auch Zirwes wies auf die besondere Situation von Kevelaer hin. Wenn Pilger zu Fuß kommen, müssten diese auch die Möglichkeit haben, unter Umständen neue Schuhe für den Rückweg zu kaufen. Anders sehe das aus, wenn jemand sonntags ins Geschäft gehe und High Heels kaufe. Das habe dann wohl nichts mit Pilgern zu tun.

Gabriele Polders, Vorsitzende des Verkehrsvereins, wies darauf hin, dass Kevelaer mit keinem anderen Ort in NRW zu vergleichen sei. "Wir öffnen am Sonntag, damit die Leute, die hierhin kommen, Sonntag haben", sagte sie. Der Kommerz stehe bei den Besuchern am Sonntag nicht im Vordergrund. Die Leute kämen, um zu beten, um eine Kerze anzuzünden. Dann sei der Händler auch als Ansprechpartner für den Kunden gefragt. "Ich lade die Leute aus Düsseldorf ein, zu uns nach Kevelaer zu kommen und zu erleben, was hier bei der Wallfahrt passiert", sagte sie unter dem Applaus der Gäste im Konzert- und Bühnenhaus. Wallfahrt und Wirtschaft hätten sich gemeinsam entwickelt. "Wir Händler haben uns immer als jemanden gesehen, der für die Besucher da ist." Inzwischen werde es für manche Unternehmen eng, sie klagten über rund 30 Prozent Umsatzeinbußen. Immer wieder wurde die Forderung laut, das Ladenöffnungsgesetz zu ändern. Margret Voßeler erläuterte, dass es dazu derzeit keine Initiative gebe: "Der Sonntag ist ein hohes Gut. Aber Kevelaer ist ein besonderer Ort. Ich finde wichtig, dass es Ausnahmeregelungen gibt, aber wollen wir auch, dass immer alle geöffnet haben?", fragte die CDU-Landtagsabgeordnete.

Quelle: RP
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