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Rolf Lohmann
"Wir haben uns alle lieb, das ist zu wenig"

Rolf Lohmann: "Wir haben uns alle lieb, das ist zu wenig"
FOTO: Thomas Binn (binn)
Kevelaer. Zum Barmherzigkeitssonntag kommt Weihbischof Ulrich Boom aus Würzburg nach Kevelaer. Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann lässt das bisherige "Jahr der Barmherzigkeit" Revue passieren. 2016 wird es die zweite Friedenswallfahrt geben.

Es ist fast Halbzeit beim "Jahr der Barmherzigkeit", das der Papst ausgerufen hat. Wie lautet Ihr erstes Fazit?

Lohmann Die politische und gesellschaftliche Großwetterlage macht es nötig, das Thema im Blick zu behalten.

Sonntag, 3. April, ist passenderweise der Barmherzigkeitssonntag. Weihbischof Ulrich Boom kommt zum Pontifikalamt nach Kevelaer. Warum?

Lohmann Er ist der Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz für das Heilige Jahr. Für mich ist sein Besuch eine Premiere.

Wie wird denn das Heilige Jahr der Barmherzigkeit in Kevelaer angenommen? Immerhin hat die Basilika eine eigene Pforte.

Lohmann Es wird sehr gut angenommen. Allein 30.000 Zettel mit dem Gebet zum Jahr der Barmherzigkeit sind schon weg. Wir haben gerade neue bestellt.

Sie sprachen auch von der politischen und gesellschaftlichen Großwetterlage.

Lohmann Das Thema Barmherzigkeit ist aktuell wie nie zuvor, angesichts der Flüchtlingsströme und der Zeit des Terrors, die wir aktuell erleben.

Die Rufe nach einer Kriegserklärung angesichts des Terrors werden lauter. Heißt das, Christen sehen das anders?

Lohmann Sie haben vollkommen recht. Wir haben uns allein am Evangelium zu orientieren. In der Bibel steht: "Selig sind die Friedfertigen." Ich gebe zu, das ist nicht ganz einfach ins Politische umzumünzen. Aber haben jemals Gewalt und Gegengewalt in der Geschichte zu etwas geführt? Wir als Christen müssen dafür sorgen, dass die Friedensbotschaft alle Menschen erreicht.

Warum?

Lohmann Umso mehr Leute diese Botschaft erreicht, umso besser muss es im Miteinander laufen. Umso mehr sich die Menschen davon entfernen, desto dramatischer wird es.

Was denken Sie, wenn Sie in diesen Tagen von den Angriffen auf Christen in Pakistan hören? Macht Ihnen das keine Angst, das Evangelium zu verkünden?

Lohmann Natürlich macht mir das ein mulmiges Gefühl, aber es fordert mich auch heraus, die Botschaft der Barmherzigkeit in die Welt zu tragen. Wir Christen brauchen Mut, das Evangelium genau jetzt zu bezeugen, zu leben, die Menschen damit zu konfrontieren.

Was bedeutet denn nun für Sie persönlich Barmherzigkeit?

Lohmann Barmherzigkeit darf nicht falsch verstanden werden als ein simples "Wir haben uns alle lieb". Das ist zu wenig. Es heißt eben nicht verkürzt: Jeder macht, was er will. Es geht darum, einen neuen Weg zu gehen. Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gehören zusammen und fordert auch Konsequenzen im Leben. Barmherzigkeit bedeutet aber vor allem auch, Menschen nicht in Kategorien zu stecken, sondern den einzelnen Menschen zu sehen.

Was bedeutet das angesichts des Terrors?

Lohmann Ich halte nichts von Stammtischparolen und davon, den Islam insgesamt zu verteufeln. Wir wollen in Kevelaer Akzente setzen. Die Friedensbotschaft, die war auch Intention der ersten interreligiösen Wallfahrt im vergangenen Jahr.

Wird es dieses Jahr wieder eine geben?

Lohmann Ja, der Termin steht schon fest. Die interreligiöse Friedenswallfahrt mit Vertretern verschiedener Religionen, auch des Islams und Judentums, findet wieder am 28. August statt, dem Tag, als Martin Luther King seine berühmte Rede hielt.

Wann endet das vom Papst ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit?

Lohmann Es endet am Christkönigsfest, am 20. November. Dann wird die Pforte der Barmherzigkeit in Kevelaer wieder geschlossen. Das ist aber nur symbolisch. Mit der Barmherzigkeit an sich muss es ja weitergehen.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

Quelle: RP
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