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Kevelaer
Zukunft sichern: Voba schließt Filialen

Kevelaer: Zukunft sichern: Voba schließt Filialen
Johannes Janhsen und Wilfried Bosch (von links) vom Vorstand der Volksbank an der Niers gaben gestern die Bilanz-Zahlen bekannt. FOTO: GOTTFRIED EVERS
Kevelaer. Bei der gestrigen Bilanz-Pressekonferenz sprach der Vorstand der Volksbank an der Niers von einem sehr guten Geschäftsjahr. Um weiter Erträge zu erzielen, müsse jedoch gespart werden. Sechs Prozent Dividende angekündigt. Von Anja Settnik

Ein gutes, ja starkes Jahr in einem "herausfordernden Umfeld" nannte der Vorstand der Volksbank an der Niers gestern im Bilanz-Pressegespräch das Jahr 2014. Wilfried Bosch und Johannes Janhsen konnten erfreuliche Geschäftszahlen nachweisen, müssen jedoch, um den Kurs auch in den kommenden Jahren halten zu können, den Kunden eine Kröte zu schlucken geben. Mitte des kommenden Jahres werden sieben der bisher 27 Geschäftsstellen geschlossen. Denn der Großteil der Kunden wickelt die allermeisten Bankgeschäfte online ab. "Anders zu handeln wäre betriebswirtschaftlich nicht zu vertreten", sagt Wilfried Bosch in aller Deutlichkeit. Die Voba spare auf diese Weise jährlich vier Millionen Euro. Und könne zudem die nicht mehr benötigten Immobilien verkaufen.

Kessel als Ortsteil von Goch sowie sechs Ortschaften im Südkreis werden künftig ohne eigene Volksbank-Vertretung sein: Wetten, Kervenheim, Hartefeld, Pont, Wankum und Schaephuysen. Auch die Selbstbedienungs-Station in Lüllingen wird aufgegeben. Die Mitarbeiter wurden gestern Abend in einer Betriebsversammlung informiert. Alle, die ihre bisherige Filiale verlassen müssen, wechseln in eine nahe gelegene andere Niederlassung. "Uns ist wichtig, dass die Kunden ihre gewohnten Ansprechpartner behalten", betonte Janhsen. Es sei gewährleistet, dass jeder Kunde innerhalb von zehn Autominuten eine Geschäftsstelle erreichen könne und dort persönlich beraten werde. "Und wenn gewünscht, macht ein Mitarbeiter nach Terminabsprache sogar Hausbesuche."

Die Volksbank weiß, dass sie ihre Kunden mit Online-Produkten und SB-Automaten nicht allein lassen darf. Deshalb sollen künftig sogar spezielle Jugendberater eingesetzt werden - vielleicht auch, weil junge Leute mit Smartphone, Tablet und Co. vielleicht manchmal ein wenig zu unbeschwert umgehen und zu wenig auf Sicherheit achten. "Ebenso nehmen wir uns natürlich besonders der älteren Menschen an", versichert Bosch.

Bei der Frage, welche Filialen aufzugeben seien, hätten nur wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle gespielt, versichert Janhsen. "Wir haben uns genau angesehen, wie sehr die Automaten genutzt wurden und wie häufig Kunden in die Geschäftsstellen kamen." Dass der Südkreis von den Änderungen besonders betroffen ist, hänge damit zusammen, dass die Filialdichte dort besonders groß sei.

Historisch niedrige Zinsen haben laut Voba-Vorstand zur Folge, dass trotz guter Einlagenentwicklung und steigenden Investitionen bei Privatleuten und Firmen der Ertrag der Bank leicht zurückgehe. Zwar nur in geringem Maße, "aber wir müssen im Interesse unserer Kunden vorsorgen", sagt Bosch. Schließlich wolle man auch künftig wie in diesem Jahr sechs Prozent Dividende an die Mitglieder auszahlen. Von denen gibt es vermutlich Anfang Mai 50 000.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland und am Niederrhein ist gut und stimmt Geschäftsleute optimistisch: Sie investieren in ihre Unternehmen. Und die niedrigen Kreditzinsen machen für Privatleute den Erwerb einer Immobilie leichter. Die Bilanzsumme der Voba betrug 2013/2014 rund 2,15 Milliarden Euro, etwa 1,38 Milliarden Kredite wurden vergeben und 1,55 Milliarden Einlagen gezählt, davon 1,4 Milliarden beim eigenen Institut. Bedingt durch das gute Jahresergebnis kann die Voba ihre ohnehin starke Kapitaldecke um weitere neun Millionen Euro auf 153 Millionen Euro ausweiten. Alles zusammen seien die Erträge zwar "auskömmlich" (Bosch).

Um zukünftig weiter wachsen zu können und dabei Erträge zu erzielen, müsse jedoch gespart werden. Zum Beispiel an den wenig genutzten Filialen.

Quelle: RP
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