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Kevelaer
Zurück in die DDR

Kevelaer: Zurück in die DDR
Die Schauspieler waren Schüler der Theater- und Musik-AG der Städtischen Realschule und der Gesamtschule Kevelaer-Weeze. FOTO: Seybert
Kevelaer. Mit mehr als 80 Mitwirkenden und einer fantastischen Gesamtgestaltung begeisterten die Schüler mit ihrer Präsentation der "Sonnenallee". Musikvideoartig präsentierte Songs und ein erstklassiges Orchester rundeten das Erlebnis ab.

Die 70er Jahre in der DDR. Eine Zeit des Umbruchs und des Wandels. Ein Wind, der alles verändern sollte, lag über dem Osten, und eine neue Generation begehrte gegen die engen Vorschriften der Obrigkeit auf. All das mit einem sehr menschlichen Fokus war der Kern von Thomas Brussigs Roman "Am kürzeren Ende der Sonnenallee", welches in seinem Erscheinungsjahr auch schlicht betitelt als "Sonnenallee" von Leander Haußmann in die deutschen Kinos kam. Die Theater- und Musik-AG der Städtischen Realschule und der Gesamtschule Kevelaer-Weeze zeigte nun am Mittwoch und Donnerstagabend ein darauf basierendes musikalisches Bühnenstück unter dem gleichen Namen.

Da ging es um Micha (Miguel Perez), seinen Kumpel Mario (Sophie Aymans), Miriam (Carolina Hüskens), in die sich Micha verliebte und die ganze Clique der jungen Wilden, die wortwörtlich die Grenzen der DDR ausgetestet und über den Sinn ihres Lebens in dem sozialistischen Staat nachgedacht haben.

Dabei gab es allein mehr als 20 Darsteller auf der Bühne. Und das war nur die Spitze des Mega-Projekts. "Wir hatten fünf verschiedene Gruppen für Kostümbild, Bühnenbild, Tanz, Schauspiel sowie Chor und Orchester", erklärte Gesamtschuldirektor Michael Cuypers, der auch die musikalische Gesamtleitung hatte. "Dabei war das Projekt eine besondere Herausforderung, weil wir uns durch den Abbau der Realschule beim gleichzeitigen Aufbau der Gesamtschule momentan in einer Übergangssituation befinden. Die Lehrer waren größtenteils von der Gesamtschule und die Schüler von der Realschule." Doch aus dieser Besonderheit erwuchsen auf der Bühne keine Probleme - ganz im Gegenteil sogar. Einzig die Tatsache, dass einige der Schülerdarsteller zu leise sprachen und keine Mikrofone hatten, sorgte an einigen Stellen dafür, dass manche Dialoge nicht gut zu verstehen waren.

Ansonsten erstrahlte unter der Regie von Saskia Reinkens die Geschichte der Sonnenallee regelrecht. Kurze Theatersegmente wurden immer wieder abgelöst von musikvideoartigen Liedeinspielungen von Titeln wie "We are the World", "Alles nur geklaut", oder auch "Wolke 4". Dabei kann man die visuelle Darstellung nur als inspiriert beschreiben: Ob Tänzerinnen mit Engelsflügeln oder schwarz-rot-gelben Kostümen über die Bühne tanzten, oder schon einmal eine komplette Weltkugel umhergeschwungen wurde, die anschließend von den Zuschauern weitergegeben wurde. Vor dem Beginn des Stückes bekam auch jeder Besucher einen kopierten Ausweis der DDR, denn auch der Saal selbst war geschmückt wie die Sonnenallee. Mit Graffiti und einem Grenzhäuschen direkt vor dem Hauptausgang. Das Bühnenbild war ebenso dynamisch aufgebaut und wurde mit Hilfe einiger Requisiten für bestimmte Szenerien passend umgewandelt. Von der Requisite, über die Darsteller, besonders Miguel Perez und Sophie Aymans, bis hin zur Gesamtgestaltung war dieser Besuch auf der Sonnenallee einfach beeindruckend.

VON CHRISTOPH KELLERBACH

Quelle: RP
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