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Kleve
14 Pianisten in 60 Minuten

Kleve. Der furiose Auftakt des Internationalen Musiksommers Campus Cleve. Von Verenda Krauledat

Dass der Internationale Musiksommer Campus Cleve breiten Anklang in der Region findet, zeigte der gut gefüllte Hörsaal der Hochschule Rhein-Waal beim diesjährigen Eröffnungskonzert. Zum zehnten Mal jährt sich das großformatige Klavierfestival, das einen Meisterkurs für junge Pianisten auf der Wasserburg Rindern mit einem wahren Konzertmarathon verbindet: 112 Konzerte finden dieses Jahr bis zum 6. August an zahlreichen Orten in Deutschland und den Niederlanden statt, wieder zehn mehr als 2016.

Auch das Programm des Eröffnungskonzerts war gut gefüllt. 14 junge Pianistinnen und Pianisten zwischen 13 und 20 Jahren präsentierten ihr Können auf den Tasten - dennoch dauerte das Konzert nur eine knappe Stunde. In einem beständigen Kommen und Gehen rauschten die Sonatensätze, Etüden und Fantasien nur so vorüber. Bisweilen hätte man sich mehr Zeit gewünscht, um den einzelnen Musikern zuhören, sich noch länger in ihr Spiel vertiefen zu können. Wie gewohnt stammten die Pianisten aus den verschiedensten Nationen: Neben den Hauptländern Deutschland und Holland (ein Anliegen des Festivals ist es, die Beziehungen zwischen Musikstudenten aus den beiden Nachbarländern zu intensivieren) gab es unter anderem Teilnehmer aus Belgien, Spanien, China und Japan.

Die Polinnen Dominika Rak, Maria Wojtaszek und Aleksandra Kozlowska glänzten mit Werken von Frédéric Chopin, ließen einen Walzer, eine Etüde und ein Nocturne stürmisch wirbeln oder geheimnisvoll leuchten. Sasha Hak (England) spielte einen glasklar perlenden Scarlatti, Luca Grianti (Italien) beeindruckte mit einer der berüchtigt schweren Etüden des Klaviervirtuosen Chopin.

Auch die vierzehnjährige Carmen Geutjes, die bereits im letzten Jahr herausragte, hatte eine Chopin-Etüde (c-Moll op. 10 Nr. 12) ausgewählt. In ihrer linken Hand ließ sie düstere Kaskaden tosen, während sie mit der rechten die Melodie klar herausarbeitete. Ähnlich rauschhafte Klänge ließ der Niederländer Daniel Vissers in einem Präludium von Sergej Rachmaninow aufleben. Clara Strobel, Tochter des Festivalgründers und Ideengebers Boguslaw Strobel, brillierte mit Prokofjews gespenstisch-faszinierender "Suggestion diabolique".

Ganz andere Klangwelten erkundeten die Kleverin Tessa Boschkor und Zhuotao Huang (China) mit je einem Satz aus einer Beethoven- und einer Mozart-Sonate. Boschkors Beethoven gelang solide und schnörkellos, Huangs Mozart hatte die richtige Mischung aus strenger Präzision und zartem Nachgeben.

Jedes Jahr aufs Neue erstaunt das professionelle Niveau, die Bühnenpräsenz und musikalische Reife der jungen Pianisten.

Quelle: RP
 
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