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Kleve-Griethausen
18.000 Euro für Eisenbahnbrücke

Kleve-Griethausen: 18.000 Euro für Eisenbahnbrücke
Eine Dampflokomotive auf der Eisenbahnbrücke Griethausen, Bild eines unbekannten Künstlers entstanden etwa um das Jahr 1870, fünf Jahre nach der Eröffnung. FOTO: F.J. Killewald
Kleve-Griethausen. Berliner Auktionshaus bietet das Bauwerk mit dem etwa 33.340 Quadratmeter großen Grundstück am 1. April bundesweit an. Die Eisenbahnfreunde Goch-Kleve sind seit 1996 im Besitz der unter Denkmalschutz stehenden Brücke. Von Jürgen Loosen

Die Nachricht klingt wie ein Aprilscherz, ist aber keiner: Am 1. April versteigert die Auktionshaus Karhausen AG in Berlin die Griethausener Eisenbahnbrücke in einer privaten Grundstücksauktion. Das Grundstück ist ungefähr 33.340 Quadratmeter groß, das Mindestgebot liegt bei 18.000 Euro (zuzüglich Courtage). Das Auktionshaus ist für die Versteigerung außergewöhnlicher Immobilien, darunter bundesweit 600 Bahnhöfe, Schlösser und Wälder, bekannt.

Das imposante und seit 1984 unter Denkmalschutz gestellte Bauwerk in Griethausen, dessen 150. Geburtstag am 1. Mai 2015 mit einem großen Volksfest gefeiert wurde, ist die älteste noch erhaltene Eisenbahnbrücke im deutschen Abschnitt des Rheins und führt über den Altrhein. Das Denkmal ist im Besitz des Vereins Eisenbahnfreunde Goch-Kleve, der am 5. Juli 1996 einen notariellen Vertrag mit der Deutschen Bahn AG geschlossen hat und die Brücke erwarb. Seither scheiterten alle Wiederbelebungs-Versuche am fehlenden Geld. Weder die Idee einer historischen Dampflokomotive mit Speisewagen noch das Anlegen eines Radweges konnten verwirklicht werden. Die Eisenbahnfreunde waren "nur" für die Instandhaltung zuständig. Der Vorsitzende Ulrich Düsterhöft aus Suderwick erklärt zum Plan der Versteigerung: "Wir haben auf einer Mitgliederversammlung beschlossen, uns von dem Objekt Brücke Griethausen zu trennen und uns auf die Stärkung der Modellbahninteressen zu konzentrieren". Mit ausschlaggebend sei auch die hohe Altersstruktur des momentan 30 Mitglieder starken Klubs.

Das Brückenbauwerk mit einer Spannweite von 100 Metern wurde zwischen 1863 und 1865 errichtet. Der Hersteller Gutehoffnungshütte in Oberhausen-Sterkrade verbaute 41.120 Pfund Schmiedeeisen, 416 Pfund Guss-Eisen und 111 Pfund Blei, die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft als Auftraggeber zahlte 36.774 Taler. Das Bauwerk ist insgesamt 484 Meter lang und besteht aus dem Brückenkörper mit ungefähr 104 Metern Länge und 20 Vorfluterbrücken. Die polizeiliche Abnahme war am 24. März 1865, ab dem 19. April rollte der Güterverkehr, zwei Tage später war die Jungfernfahrt des Personenverkehrs auf der Strecke Zevenaar-Elten-Kleve. Die offizielle Eröffnung war, ohne jede Feierlichkeit, am 1. Mai 1865. Das Ende ereilte die Brücke im vorigen Jahrhundert: Der Personenverkehr wurde 1960, der Güterverkehr zu den Ölwerken Spyck wurde 1987 eingestellt. Seither wird die Stahlkonstruktion regelmäßig auf ihre Sicherheit überprüft, angeblich rostet der seinerzeit benutzte Stahl in 100 Jahren nur um einen Millimeter.

"Dieses ganz besondere Objekt wartet auf einen kreativen Investor", erklärte der Auktionator Matthias Knake gegenüber unserer Zeitung. "Es sind vielfältige Nutzungen denkbar, eine Draisinenbahn, eine Gastronomie in alten Speisewagen der Bahn auf der Brücke oder eine Nutzung als Filmkulisse", so Knake weiter. "Aber alle Maßnahmen müssen mit dem Denkmalschutz und der Bauaufsichtsbehörde vorher abgestimmt werden". Mit Brückenbauwerken hat das Auktionshaus Erfahrungen gesammelt. Im Jahr 2010 wurde die Dömitzer Eisenbahnbrücke in Niedersachsen und im Jahr 2014 wurde die Primtalbrücke Rottweil/Baden-Württemberg erfolgreich versteigert. In der zweitägigen Frühjahrs-Auktion am 1. und 2. April werden 70 Immobilien aus ganz Deutschland angeboten. In NRW sind neben der Eisenbahnbrücke auch Mietshäuser in Duisburg und Steinheim sowie ein Gewerbegrundstück in Lippstadt im Angebot. Die Auktion findet in Berlin statt, Interessenten können sich als Telefonbieter registrieren lassen oder einen schriftlichen Auftrag für die Versteigerung erteilen.

Exposé und Katalog erhalten Interessenten beim Auktionshaus unter der Telefonnummer 030-8904856 oder www.karhausen-ag.de. Auch Besichtigungstermine seien möglich, so das Auktionshaus.

Quelle: RP
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