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Bedburg-Hau
20 Nationen auf einem Hof

Bedburg-Hau: 20 Nationen      auf einem Hof
Derzeit sind in fünf Wohnungen bereits 22 Flüchtlinge untergebracht. Sie kommen aus 20 unterschiedlichen Nationen. In den ehemaligen Stallungen an der Rückseite des Hofes werden nun weitere fünf Wohnungen errichtet. FOTO: Stade Klaus-Dieter
Bedburg-Hau. Das ehemalige Vereinsheim der Kaninchenzüchter entwickelt sich zur Unterkunft für 80 Flüchtlinge. In den ehemaligen Stallungen entstehen kleine, gemütliche Wohnungen. Klaus Reiners leitet die Einrichtung. Er hat große Pläne. Von Marc Cattelaens

Auch die kleine Landgemeinde Bedburg-Hau hat mit dem Zustrom von Flüchtlingen zu kämpfen. Aktuell arbeitet die Verwaltung daran, ihnen weitere Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen: Auf dem Loosenhof wurden fünf Wohnungen hergerichtet, fünf weitere sind derzeit im Bau. Anfang November soll alles fertig sein.

Nachdem der Kaninchenzuchtverein "Loosenhof" im Jahr 2015 seine letzte Ausstellung abgewickelt hatte und die vorhandenen Räumlichkeiten leer standen, erwarb der Landschaftsverband Rheinland das Gebäude. Innerhalb kürzester Zeit entstand im Vorderhaus Wohnraum für 22 Flüchtlinge. Die Menschen kommen aus 20 Nationen und leben auf ziemlich engem Raum zusammen. Afghanen, Syrer, Iraker, Bangladescher oder Chinesen wohnen Tür an Tür, manchmal auch in einem Zimmer. Jeweils 45 bis 60 Quadratmeter umfassen die Wohnungen.

Der Loosenhof an der Hauer Straße ist ein ehemaliger Bauernhof. Dort entstehen bis November Wohnungen für insgesamt 80 Flüchtlinge. FOTO: Klaus-Dieter Stade

Weitere Flüchtlinge sind der Gemeinde angekündigt worden. Für sie wird auf dem Loosenhof derzeit gebaut. Fünf weitere Wohnungen mit einer Größe zwischen 38 und 58 Quadratmetern entstehen in den ehemaligen Stallungen, hinzu kommen ein zentraler Waschraum und eine Heizungsanlage mit Solarthermie. Alle Familien profitieren von dem vorhandenen Hauswirtschaftsraum, der auch Kommunikationstreffpunkt ist. Es gibt eine WLan-Verbindung, das ist für die Menschen dort meist wichtiger als eine hochwertige Einrichtung. So können sie im Kontakt zu ihren Verwandten und Freunden in der Heimat bleiben.

Einen kleinen Rückschlag bei den Bauarbeiten gab es: Während des zweiten Bauabschnitts ereignete sich eine Rohbruch, der für hohe zusätzliche Kosten sorgte.

Wenn die neuen Wohnungen im November fertig sind, sollen auf dem Loosenhof insgesamt 80 Flüchtlinge leben. Stand heute sind in der Gemeinde Bedburg-Hau insgesamt 240 Flüchtlinge untergebracht, davon sind 120 als Asylbewerber registriert. Neben dem Loosenhof gibt es noch die Asylbewerberunterkunft auf der anderen Seite der Hauer Straße, drei große Häuser auf dem Klinikgelände, zusätzlich einige angemietete Wohnungen in der Gemeinde.

Klaus Reiners, der seit einigen Monaten der Integrationsbeauftragte der Gemeinde Bedburg-Hau ist, hält das Konzept für nachhaltig. "Wenn der Zustrom von Flüchtlingen mal nachlässt, könnten hier Studenten einziehen", sagt Reiners. Bis es soweit ist, hat er noch viel vor. Dabei wird er vom dem Ausländer-Inititativ-Kreis der Gemeinde (AIK) unterstützt. So soll in den nächsten Monaten ein Spielplatz mit vielen Geräten, einem Fußballplatz und einer Grillgelegenheit entstehen. Er soll direkt am Voltaire-Weg zwischen Kleve und Moyland liegen, der von vielen Wanderern und Fahrradfahrern genutzt wird. "Wir denken außerdem darüber nach, einen so genannten therapeutischen Garten einzurichten", sagt Klaus Reiners. Was bereits stattgefunden hat, sind Kochkurse des AIK mit den Flüchtlingen. Außerdem bieten die Ehrenamtlichen des AIK den Flüchtlingen ein Ausflugsprogramm an.

Die Dankbarkeit sei groß, betont Reiners. "Unsere Bewohner bringen sich sehr aktiv hier ein. Sie helfen mit, wo Hilfe gebraucht wird", sagt der Integrationsbeauftragte. In Integrationskursen lernen sie Wissenswertes über Deutschland, beispielsweise Fakten zur Geschichte, Kultur und Rechtsordnung. Im Mittelpunkt steht der Spracherwerb. "Wer in Deutschland lebt, soll Deutsch lernen. Das ist wichtig, um Arbeit zu finden, Anträge auszufüllen, die Kinder beim Lernen für die Schule unterstützen oder neue Menschen kennenzulernen", betont Reiners. Die Sprachbarriere sei für die fremden Menschen immer noch das größte Problem.

Bislang bleiben Einwohner und Flüchtlinge meist unter sich. Reiners größte Hoffnung ist, dass sich das schnell ändert. Er sagt: "Jeder ist eingeladen, auf einen Tee oder Kaffee hier vorbeizuschauen."

Quelle: RP
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