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Kleve
450 Zuschauer beklatschen hochkarätiges Konzert

Kleve. Der zweite Konzertsonntag des Klevischen Klaviersommers lud mit milderen Temperaturen ein und zum Glück blieb Regen aus. Pianist Tobias Bredohl wurde so von rund 450 Zuhörern erwartet, von denen sich die Hälfte nach Frage von Moderator Hans Linnartz als niederländische Besucher zeigte. Von Barbara Mühlenhoff

Bredohl begann mit Schuberts "12 Deutsche Tänze", Werke aus der Feder eines Komponisten, der aus dem klassischen Klavierspiel kommt und die Tänze mit einfacher, edler Fassade versah. Bredohl präsentierte diese zyklisch, als Einheit mit vielen Facetten, als Miniaturen mit einer schönen und positiven Volkstümlichkeit. Er spielte mit einem zupackenden Anschlag und lyrischer Verletzbarkeit, die Schuberts Romantik genau so ausmacht. Dabei begrub er nicht die zarten Linien unter romantisierender Gefühlsduselei, sondern gab ihnen klare Konturen.

Es folgten Schumanns Nachtstücke op. 23, sehnsüchtig-verhangene Visionen, für die der Komponist selbst in seinem Tagebuch vermerkte, er schreibe an einer "Leichenphantasie"; ein Titel, der glücklicherweise zur Drucklegung wegfiel. Dennoch verarbeitete er entsprechende Assoziationen: in der ersten Nummer einen Trauermarsch, während in der zweiten zum "Nächtlichen Gelage" markant polternde Akkordfolgen sowohl mit lyrischen, als auch lebhaft drängenden Passagen in rascher Folge abwechselten.

Das dritte Stück "Curiose Gesellschaft" entpuppte sich als Walzer mit einigen überraschend eingefügten Episoden. Wie ein Lied ohne Worte kam der Schluss-Satz daher, knapp und schlicht gehalten.

Nach der Pause folgten Brahms sechzehn Walzer op. 39, die der Komponist zunächst für Klavier zu vier Händen schrieb, dann aber selbst für zwei Hände umarbeitete. In ihnen hörte man - als Nachklang von Bahms' Wiener Aufenthalt - Anklänge von Schuberts Ländler, dazu Zigeunermusik und den Schwung der Wiener Walzer in einem typisch Brahmsschen Spannungsverhältnis zwischen Orientierung an der Tradition und deren Hinterfragung und Überschreitung.

Für die abschließende Nr. 2 "Äußerst rasch und mit Bravour" aus Schumanns Novelletten ließ Bredohl die sich windenden Girlanden nicht in reiner Virtuosenmanier abperlen, sondern holte ein Höchstmaß an Unrast und Spannung aus diesen Figuren.

Die "Träumerei" als Zugabe verleitete die Zuhörer zu stehenden Ovationen als Dank für ein hochkarätiges Konzert.

Die Untermalung durch spielende Kinder gehörte ebenso dazu wie die Geräusche der nahen Straße. Passend zum Flair des Klaviersommers wurden Stühle von der Sonne in den Schatten gerückt, Picknickdecken hingelegt und es "applaudierten" auch die mitgebrachten Hunde. Insgesamt gefiel die Werkauswahl für den Anlass ebenso wie die unprätentiöse und dabei innig-musikalische Art von Tobias Bredohl ungemein. Und nicht nur für die Zuhörer, auch für den Pianisten war das Spiel unter freiem Himmel ein besonderes Erlebnis: Anders als im Konzertsaal blendete da mal die Sonne und konnte zur Musik der Blick in die Natur schweifen.

Quelle: RP
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