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Kalkar
450.000 Euro für 3500 Meter Radweg

Kalkar: 450.000 Euro für 3500 Meter Radweg
Ortseingang von Kalkar - links der bestehende Radweg an der Bundesstraße 57, rechts die Trasse für den Alleenradweg. FOTO: Gottfried Evers
Kalkar. NRW zahlt 75 Prozent der Kosten für ein Teilstück des niederrheinischen "Alleenradwegs" in Kalkar, das über die alte Bahntrasse führt. Zwischen Xanten und Kleve sind schon einige Abschnitte fertig. Das Projekt ist durchaus umstritten. Von Anja Settnik

Ein Zug fährt auf dieser Strecke schon lange nicht mehr. Weil stillgelegte Bahntrassen Stadtplanern oft ein Dorn im Auge sind, kam schon vor Jahren die Idee eines von Xanten nach Kleve reichenden "Alleenradwegs" auf. Im Bereich Xanten /Marienbaum ist er bereits realisiert, jetzt steht ein Stück auf Kalkarer Stadtgebiet vor der Umsetzung. Am Bahndamm zwischen Bramenhof und Tiller Straße haben umfangreiche Rodungsarbeiten stattgefunden. "Auf der 3,5 Kilometer langen Strecke soll zum Sommer ein Teilstück des Alleenradwegs realisiert werden", sagt Baudezernent Frank Sundermann.

Ein Teilstück wird die Strecke wohl auch bleiben, denn sowohl südlich (auf Kalkarer Stadtgebiet) als auch nördlich (im Bereich Bedburg-Hau) gibt es keine Fortsetzung. Denn die Gemeinde Bedburg-Hau hatte sich von dem Projekt aus Kostengründen und weil man die vorhandene Infrastruktur für ausreichend hielt schon vor Jahren verabschiedet. Kalkar selbst verzichtete auf den südlichen Anschluss Richtung Xanten, weil in wenigen Metern Abstand, nämlich entlang der Bundesstraße 57, ohnehin ein Radweg verläuft. Der fast acht Kilometer lange Abschnitt von Xanten nach Marienbaum wurde im Oktober 2011 eröffnet, kurze Zeit später folgte die Sanierung einer Brücke. "Gerade diese Brücken und Stützmauern, die für einen neuen Radweg instandzusetzen wären, machen die Sache teuer", erklärt Sundermann. Allein das Teilstück Richtung Till kostet (ohne den Ankauf des Bahngeländes) 450 000 Euro, von denen 75 Prozent das Land übernimmt.

In Kleve wurde das erste Stück des Radwegs vom Wohnmobilstellplatz bis zur Brücke am Klever Ring im Sommer 2012 fertiggestellt und ein Jahr später bis zur Wiesenstraße verlängert. In der Ortslage Kalkar war der Ausbau von der Bahntrasse bis zur Tiller Straße ursprünglich bis Frühjahr 2013 vorgesehen, wurde jedoch verschoben - im jetzigen Doppelhaushalt, kürzlich ohne den Stellenplan verabschiedet, steht er drin. "Die grundlegende Entscheidung zu dem Projekt lag ja lange vor unserer Zeit. Damals hatte die CDU noch die Mehrheit im Kalkarer Rat. Dass wir dem Bau des Radwegs trotz gestiegener Kosten jetzt zugestimmt haben, liegt daran, dass die Planungskosten schon höher waren als der Eigenbeitrag zum Bau, den wir leisten müssen. Jetzt noch auszusteigen, wäre mathematisch unsinnig", sagt Lutz Kühnen, Fraktionschef des Forum. Er weist darauf hin, dass auch die Landesförderung letztendlich über Steuern vom Bürger zu bezahlen sei.

Nicht glücklich ist auch Walter Schwaya (SPD), der den Kämmerer noch über die große Anzahl wartungsintensiver Landwirtschaftswege klagen hört. "Und jetzt leisten wir uns noch eine Straße mehr, die der Bauhof pflegen muss." Natürlich sei der Weg für Radfahrer eine willkommene "Ortsschnelldurchfahrt". Touristisch wäre eine Strecke entlang des Monreberg sicher schöner gewesen, wegen der Hanglage sei diese Wegführung jedoch nicht machbar, sagt Schwaya. Zumal die alte Bahntrasse mit ihrem Schotter, auf den "nur" eine Asphaltdecke aufgebracht werden muss, ja vorhanden sei.

Die Schülerinnen Hannah und Viktoria finden es jedenfalls gut, künftig auf geradem Weg Richtung Fachmarktzentrum zu kommen. Dass hier und da Straßen queren, gefällt ihnen weniger. Auch die Anwohner sind hin und her gerissen. Die Bahntrasse war zwar nicht sehr gepflegt, bot aber guten Sichtschutz", sagt einer. Mancher Garten ist jetzt deutlich weniger geschützt als vorher. "Unser Hund wird die ganze Zeit bellen, wenn da immer Leute entlang radeln", fürchtet eine junge Mutter. Immerhin hat sie die Hoffnung auf eine Verbesserung: Wenn der neue Radweg die Bundesstraße 57 in Höhe Altkalkar quert, müsste dort unbedingt eine Geschwindigkeitsreduzierung hin, meint sie. Sonst seien die Radler erheblich gefährdet.

Quelle: RP
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