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Kleve
60 Millionen Euro für Windkrafträder

Kleve. Im Gemeindehaus der evangelischen Kirche wurde über die alternative Energiegewinnung diskutiert. Von Peter Janssen

"Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten" (Altes Testament, Hosea, Kapitel 8, Vers 7).

Und in der Diskussionsrunde zum Thema "Windkraft in Gottes Natur" wurde ordentlich geerntet. Die evangelische Kirchengemeinde Kleve hatte zu der Veranstaltung ins Gemeindehaus geladen, um über den im Kranenburger Reichswald geplanten Windpark zu diskutieren. Dass das Thema Windkraftwerke im Wald ein hochemotionales ist, wurde im Gemeindehaus offensichtlich. Phasenweise extrem engagiert wurde in der Runde diskutiert - gelegentlich mit einer Kultur, die man spätestens mit Vollendung der Grundschule hinter sich gelassen haben sollte.

Als Experten hatte der Veranstalter Michael Leuthen, Vorsitzender des Fachausschusses für Umweltfragen im Kirchenkreis Kleve, gewinnen können. Der saß der PR-Strategin und Diplom-Geografin, Dr. Sandra Hook, aus dem Hause Abo Wind gegenüber. Abo Wind ist der Projektentwickler, der im Reichswald die zwölf Windkraftanlagen bauen will. Hook wird bei dem Unternehmen in der Rubrik "Politische Öffentlichkeitsarbeit" geführt. Vorsichtig formuliert, Leuthen tat sich nicht leicht, den Argumenten der PR-Profin etwas entgegenzusetzen.

Die Meinung der Gäste zum Thema Windkraft war nahezu einhellig. Windkraft als alternative Energieform wird nicht abgelehnt, der Standort im Wald hingegen schon. Einer, der dies anders sieht, war Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins. Dieser lässt derzeit keinen Termin aus, in dem das Wort Windkraft in Kombination mit Wald fällt. Dr. Sandra Hook betonte, dass die Einstellung zum Thema "Windkraft im Wald" nahezu überall die selbe sei. "Sobald Anlagen in der eigenen Umgebung in Planung sind, werden diese abgelehnt. Wir befürworten alle die Energiewende und dazu müssen eben auch alle einen Beitrag leisten", sagt die Diplom-Geografin.

Wenig überraschend stellte Hook fest, dass das Gebiet im Reichswald eins sei, was sich für die Errichtung von Windkraftanlagen eigne. Mit ihrem Hinweis, dass man die strengen Regularien einhalten müsse, um eine Genehmigung zu bekommen, dürften nur Wenige schwer beeindruckt gewesen sein.

An einer anderen Aussage hatten zahlreiche Veranstaltungsteilnehmern mehr Freude. Hook gab zu, dass 30 Prozent der begonnenen Projekte eines gemeinsam hätten, sie würden mangels Aussicht auf Erfolg wieder eingestampft.

Zu den Anlagen im Reichswald sagte sie, dass jedes der zwölf Windräder fünf Millionen Euro kosten würde. Demnach investiert Abo Wind zunächst 60 Millionen Euro. Zehn Jahre müssten sich die Anlagen drehen, bevor man Gewinne mache, so Hook.

Vehement stellte eine Niederländerin die Situation in ihrer Ortschaft Ven-Zelderheide dar. Bürger wollen wegziehen, die Schule müsse bald geschlossen werden, die Kindergärten seien rückläufig, ihr Dorf würde aussterben, so die Gegnerin der Windkraft.

Und dass noch so exzellente PR-Strategen sich auch nicht immer im Griff haben, bewies Dr. Sandra Hook, als sie der besorgten Niederländerin eher ungeschickt entgegnete: "Sie wissen aber schon, dass wir hier kein Atomkraftwerk bauen wollen?" Sicherlich keine kluge Antwort.

Quelle: RP
 
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