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Bürgermeister Günter Steins
98 Asylbewerber leben in Kranenburg

Bürgermeister Günter Steins: 98 Asylbewerber leben in Kranenburg
In der ehemaligen Schule in Nütterden sind bereits Flüchtlinge eingezogen. FOTO: Gottfried Evers
Kranenburg. Unterbringung bislang in Mietwohnungen und städtischen Unterkünften. Ein neues Flüchtlingswohnheim für maximal 30 Personen soll Mitte 2016 fertig sein. Der Verwaltungschef hofft, dass es zu keinen Gewalttaten von "außen" kommen wird.

Täglich werden die Medien von den Themen "Flüchtlinge und Asylanten" beherrscht. In vielen Kommunen spitzt sich die Lage zu: Es wird händeringend nach Unterkünften gesucht. RP-Mitarbeiter Werner Stalder sprach mit Bürgermeister Günter Steins über die Situation in Kranenburg.

Wie hat sich die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge verändert?

Günter Steins Wie in allen Kommunen ist auch in Kranenburg die Zahl angestiegen. Im November 2014 betrug die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge 49. Aktuell werden 98 Asylbewerber betreut.

Gibt es genügend Unterkünfte ?

Steins Die Entwicklung der Zuweisungen war zumindest in den letzten Monaten tendenziell absehbar. Aktuell werden auch wir von der großen Zahl von Zuweisungen überrascht. Die Gemeinde hat eigene Unterkünfte in Kranenburg an der Tiggelstraße, im ehemaligen Bahnhof und in Nütterden in der alten Schule. Dazu kommen privat angemietete Wohnungen, insbesondere für Flüchtlingsfamilien mit Kindern. Weiterer Wohnraum für Flüchtlingsfamilien wird noch dringend benötigt. Wer noch Wohnraum zu vermieten hat, kann sich gerne an den Ordnungsamtsleiter Willi Fleskes, Telefon 02826 7930, wenden.

Günter Steins, Bürgermeister von Kranenburg. FOTO: privat

Wann wird das Flüchtlingsheim für wie viele Leute eröffnet?

Steins Geplant ist die Fertigstellung bis Mitte nächsten Jahres. In dem Wohnheim können maximal 30 Personen untergebracht werden.

Aus welchen Ländern kommen die Flüchtlinge oder die Asylanten?

Steins Die Asylbewerber kommen aus 23 Ländern.

Gibt es bei der Gemeinde Kranenburg einen angestellten Ansprechpartner ?

Steins Die Gemeinde Kranenburg hat eine Mitarbeiterin für die Betreuung eingestellt. Viele Flüchtlinge möchten sich so schnell wie möglich integrieren, die Sprache erlernen, einen Arbeitsplatz finden. Gerade anfangs ist für die Flüchtlinge "Hilfe zur Selbsthilfe" wichtig.

Was ist für Sie die wichtigste Voraussetzung für die Integration von Flüchtlingen?

Steins In erster Linie der Erwerb einer Sprachkompetenz der deutschen Sprache. Dazu kommt der Ausbildungsstand. Es gibt nach meiner Erfahrung Flüchtlinge, die über eine fundierte Ausbildung in technischen Berufen verfügen und lieber heute als morgen in den Arbeitsprozess integriert werden möchten.

In manchen Gemeinden gibt es erste Konflikte der Bewohner untereinander und zugleich Gewalt gegen Schutzbedürftige von außen?

Steins Wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, steigt das Konfliktpotential. Bisher hatten wir keine ernsteren Zwischenfälle zu verzeichnen und haben es geschafft, die Bedürfnisse angemessen zu berücksichtigen. Gewalt von außen gab es bisher ebenfalls nicht, und ich hoffe doch sehr, dass das auch so bleiben wird.

Es gibt Kritik darüber, dass das Land das Flüchtlingsproblem auf dem Rücken der Kommunen austrägt. Wie ist Ihre Erfahrung?

Steins Noch kommen wir mit den Flüchtlingszahlen zurecht, aber die Lage wird auch bei uns in Kranenburg langsam kritisch! Für mich stellen sich derzeit zwei Problemfelder: Erstens das zu lange dauernde Anerkennungsverfahren. Hier könnte ein pragmatisches Einwanderungsgesetz in Verbindung mit einer vertretbaren Bestimmung der "sicheren Herkunftsländer" für eine Entlastung der Anerkennungsverfahren sorgen. Wer als ausgebildete Fachkraft aus den ehemaligen jugoslawischen Staaten kommt, sollte nicht als Asylbewerber, sondern eher als Einwanderer gesehen werden. Zweitens müsste die Erstunterbringung auf Länderebene besser organisiert und die Finanzausstattung der Kommunen zur Schaffung von menschenwürdigen Unterkünften verbessert werden.

Was sagen Sie zu dem so genannten "Runden Tisch" in Kranenburg?

Steins Der "Runde Tisch" in Kranenburg ist eine ausgezeichnete Einrichtung. Es geht ja nicht immer nur um die finanzielle Unterstützung. Die sozialen Kontakte, das persönliche Kümmern, ein wenig Zuneigung, jemand, der einfach nur zuhört, Organisation von Sprachunterricht, Zusammenfügen von Interessensgemeinschaften, Vermittlung von Sportangeboten: all das könnte eine Kommune allein nicht leisten. Insofern danke ich allen, die an dem "Runden Tisch" ehrenamtlich mitarbeiten.

Quelle: RP
 
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