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Kleve
Acht Quadratmeter für einen Flüchtling

Kleve: Acht Quadratmeter für einen Flüchtling
In der ehemaligen Hauptschule Materbon sind derzeit 55 Flüchtlinge untergebracht. Die Stadt wird jetzt Standards festlegen, unter welchen Bedingungen sie dort betreut werden. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Stadt Kleve will Standards für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen festschreiben. Asylbewerber sollen weiterhin dezentral untergebracht werden. Auch an Heimen wie an der Stadionstraße wird festgehalten. Von Matthias Grass

Derzeit sind es sechs Quadratmeter Fläche, die einem Flüchtling in einer Klever Sammelunterkunft zustehen. Eine rechnerische Zahl: Thomas Mutz vom Gebäudemanagement der Stadt Kleve (GSK) hatte einfach die maximal mögliche Belegung durch die Nutzfläche geteilt und diese Zahl gestern den Mitgliedern des Sozialausschusses mitgeteilt. Ausschussvorsitzende Susanne Siebert (Grüne) möchte dagegen acht Quadratmeter für eine Person in den Katalog der Standards schreiben, nach dem sich künftig die Unterbringung von Flüchtlingen richten soll. Kämmerer Willibrord Haas will bis zur heutigen Ratssitzung um 17 Uhr im Kolpinghaus klären, welche Auswirkung das auf die Flüchtlings-Situation hat.

Die Anzahl der Quadratmeter pro Person in einer Sammelunterkunft (wie in Materborn oder an der Stadionstraße) ist nur eine der Richtlinien für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen, die die Stadt nach einem Antrag von CDU und Grünen formulieren und künftig einhalten will. Für Sammelunterkünfte stehen in dem Katalog eine regelmäßige Ungezieferbekämpfung ebenso, wie ein internationaler Fernsehanschluss. Die Durchführung von Schönheitsreparaturen mit gestelltem Material und unter Anleitung in Eigenleistung gehört auch dazu. Wohnungen, in denen Flüchtlinge in einer Wohngemeinschaft leben, werden zehn Quadratmeter pro Person festgeschrieben, es müssen Herd, Spüle und ein Kühlschrank für vier Personen vorhanden sein. Für Flüchtlings-Familien, die in dezentral angemieteten Wohnungen untergebracht sind, gelten die selben Voraussetzungen wie für Hartz-IV-Empfänger. Für die soziale Betreuung sieht die Stadt ein Zweisäulenmodell mit hauptamtlicher und ehrenamtlicher Betreuung vor, so Fachbereichsleiterin Sonja Northing. Die hauptamtliche sozialpädagogische Betreuung von Asylbewerbern und Flüchtlingen hat die Stadt an den Caritas-Verband gegeben. Die Stundenzahl dafür wurde im Nachtragshaushalt nochmals erhöht. Zusätzlich versieht die Firma "Perspektive Personal" Hausmeisterdienste - sowohl handwerklich als auch sozial. Insgesamt werden für die soziale Betreuung 560 Stunden im Jahr finanziert. Schulpflichtige Kinder werden in Seiteneinsteigerklassen betreut, die Volkshochschule hilft unter anderem bei der Schulung von ehrenamtlichen Kräften. Die Ehrenamtler gelten als weitere wichtige Säule, nicht zuletzt beim "Runden Tisch". "Da eine auskömmliche Landes- bzw. Bundeserstattung fehlt, können die Bemühungen der Stadt nicht weiter ausgebaut werden", sagte Haas gestern. Einstimmig empfahlen die Ausschussmitglieder dem Rat, heute die Standards zu verabschieden.

Ebenfalls einstimmig wurde empfohlen, dass künftig Flüchtlinge in Kleve dezentral untergebracht werden sollen. Hier schränkte Haas allerdings ein, dass man mittelfristig angesichts der steigenden Zuweisungen nicht auf die Sammelunterkunft Stadionstraße werde verzichten können.

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Northing teilte schließlich mit, dass der Fachbereich alle Daten und Fakten zu den Flüchtlingsfragen in Kleve auf www.kleve.de öffentlich gemacht habe. Mit Blick auf Vorschläge seitens des Hauses der Begegnung sagte sie, dass man eine Einrichtung von Heimräten angesichts der hohen Fluktuation ablehne.

Quelle: RP
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