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Kleve
Adler gehört zum Obelisken überm Amphitheater

Kleve. Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer kündigte an, den Vogel vielleicht nicht wieder aufzustellen. Von Matthias Grass

Die Stadt Kleve diskutiert, den Adler auf dem Obelisk oberhalb des Ceres-Tempelchens nicht wieder anzubringen. Er sei stärker beschädigt als zunächst gedacht, man ziehe in Erwägung, nur noch die goldene Kugel auf das steinerne Wegemal aufzusetzen, teilte Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer im Ausschuss für Kultur- und Stadtgestaltung mit, nachdem er die Bezeichnung "Reichsadler" zurückgezogen hatte.

Denn ein "Reichsadler" im dunklen Sinne der Geschichte ist dieses Wappentier nicht - schon gar nicht das zuletzt dort oben auf der steinernen Wegemarkte sitzende Nachkriegsmodell, das seinen im Zweiten Weltkrieg von der Kugel geschossenen Vorgänger ersetzte.

Tatsächlich krönt dieser Adler schon in der von Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. abgesegneten Entwurfszeichnung den von ihm gewünschten Obelisken - zu finden im Buch "Klevische Gartenlust" von Wilhelm Diedenhofen. Auch auf allen historischen Fotos, die es in Diedenhofens Buch und im Ausstellungskatalog "An den Wassern zu Cleve" aus der Jahrhundertwende gibt, breitet der Greifvogel seine Schwingen aus: schön zu sehen in der dunklen Silhouette gen hellem Himmel.

Auf dem im Dezember 1853 gezeichneten Plan heißt der Platz dann aber auch schon "Auf dem goldenen Knopf im Tiergarten zu Cleve", wie es in der Überschrift zur Konstruktionszeichnung heißt. Denn nicht der Obelisk und dessen Kugel sind der Grund, dass die Höhe überm Amphitheater "kupferner Knopf" heißt. Gustav von Velsen beschreibt das 1845 so: Die Anhöhe heißt kupferner Knopf, "weil die österreichische Verwaltungskommission zur Zeit des siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) während dessen Dauer Cleve von ihr und den Franzosen besetzt war, auf dem Vorsprung des Berges einen hölzernen Obelisken, auf dessen Spitze eine kupferne Kugel ruhte, hatte errichten lassen". Als von Velsen dies schrieb, waren von dem "Ur"-Obelisken aber nur noch die viereckigen Granitsteine, die die damalige Wegmarke trugen, übrig. Als dann der Park Mitte des 19. Jahrhunderts "runderneuert" wurde, verwarf Friedrich Wilhelm IV. den Plan, dort eine Säule aufzustellen - die übrigens auch schon einen Adler getragen hätte, wie auf der Planzeichnung des Ceres-Tempelchens zu ist (siehe "Klevische Gartenlust"). König Friedrich Wilhelm schrieb zu den Plänen: "Ein Obelisk nach gutem römischen Vorbild würde mir lieber seyn" (als die Säule).

1856 wurde der steinerne Obelisk aufgestellt, darauf der unabdingbare goldene Knopf und darauf schließlich der Adler mit erhobenen Schwingen, ebenfalls vergoldet. Ohne Adler war der Obelisk nur kurz in der Nachkriegszeit, nachdem der Vogel 1945 abgeschossen worden war. Der Adler steht auch nicht in direktem Zusammenhang mit der Erinnerungstafel an die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges: Die vom Steinmetz Caspar Joseph Grod ausgeführte Marmorplatte wurde 1874 angebracht.

Quelle: RP
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