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Kalkar
Rat "distanziert" sich von "Ehrung" für Hitler

Fast vergessene "Hitler-Skandale"
Fast vergessene "Hitler-Skandale" FOTO: AP
Kalkar. Kommunalpolitik und Verwaltung der Stadt Kalkar hoffen, dass nun in aller Eindeutigkeit und für alle Zeit geklärt ist, wie Kalkar zum nationalsozialistischen Diktator Adolf Hitler steht: In seiner jüngsten Sitzung verlas Jochem Reinkens (SPD) eine Erklärung, der sich alle Ratsvertreter mit Ausnahme des Grünen Willibald Kunisch anschlossen.

Mehrheitsfähig war die Formulierung, man "distanziere" sich "in aller Form vom Beschluss von 1933" – damals hatte der Kalkarer Rat, wie es zahlreiche andere Städte auch getan hatten, Adolf Hitler zum Ehrenbürger erklärt. "Gerade in einer Zeit zunehmender Fremdenfeindlichkeit und von Übergriffen auf Asylsuchende" sei es den Lokalpolitikern ein Anliegen, sich eindeutig zu positionieren.

Kunisch hatte einen eigenen Text entworfen, der jedoch die Formulierung "Aberkennung der Ehrenbürgerrechte" enthielt. Was jedoch rechtlich durch Tod erlischt, kann man nicht aberkennen, fand der Großteil der übrigen Ratskollegen, weshalb der Text von Reinkens Gegenstand der Abstimmung wurde – eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen (Grüne).

Aufgekommen war das Thema, als der parteilose Kalkarer Bürger Wilfried van Haag darauf aufmerksam machte, dass Hitler 70 Jahre nach dem Ende der Nazi-Schreckensherrschaft noch als ehemaliger Ehrenbürger auf der Internetseite der Stadt verzeichnet ist. Medien – auch im benachbarten Ausland – hatten berichtet und die Lokalpolitiker so in Zugzwang gebracht.

 

 

(nik)