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Kleve
Ära Schmidthausen geht in Kleve zu Ende

Kleve: Ära Schmidthausen geht in Kleve zu Ende
Josef und Elsa Schmidthausen in der Werkstatt des Ateliers für Schmuckdesign an der Kavarinerstraße. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Am 30. Juni schließt Josef Schmidthausen sein Schmuckgeschäft an der Kavarinerstraße ab. Für ihn und seine Frau beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt, Kleve verliert jedoch einen bedeutenden Designer. Von Julia Lörcks

Wenn Josef Schmidthausen (66) am 30. Juni die Tür seines Design-Studios an der Kavarinerstraße abschließt, dann endet in Kleve eine Ära. Die Stadt verliert einen Designer, der zur Marke geworden ist. Schließlich steht Schmidthausen für Schmuck, der sich von der breiten Masse abhebt. Und er steht für Kunst - für Kunst am Körper und in Kleve. Man erinnere sich zum Beispiel an die Feier zum 750-jährigen Bestehen der Stadt im Jahr 1992.

"Damals gab es einen Hochzeitszug und unsere Mitarbeiterin präsentierte ein Brautkleid, Faden für Faden aus Platin, eine halbe Million Mark wert", sagt Elsa Schmidthausen (64). Wenn man sie und ihren Mann reden hört, dann weiß man: Das war nicht nur Beruf, sondern Berufung. "Ich habe nie die Lust daran verloren, schöne Dinge zu machen", sagt Josef Schmidthausen.

Rückblick: Im Jahr 1966, also genau vor 50 Jahren, begann der gebürtige Klever Josef Schmidthausen seine Lehre beim renommierten Goldschmied Wilhelm Polders in Kevelaer. Drei Jahre später schloss er diese als Jahresbester ab. Doch damit nicht genug. 1971 folgte ein Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim, das er drei Jahre später als Diplom-Designer beendete. Währenddessen legte er eine Prüfung als Diamantgutachter und Edelsteinkundler ab.

Josef Schmidthausen in jungen Jahren. FOTO: Schmidthausen

Seine Meisterprüfung im Goldschmiedehandwerk absolvierte Schmidthausen ebenfalls in dieser Zeit. Es folgten Jahre der Berufserfahrung in Berlin und Birkenfeld, ehe er am 28. Oktober 1978 am Brücktor 6 in Kleve sein "Atelier für Schmuckdesign mit Galerie für Kunst und Handwerk" eröffnete. "Ein etwas sperriger Name", sagt Elsa Schmidthausen heute. Der Erfolg blieb damals dennoch nicht aus. Schon zwei Jahre später ging es in größere Räume an der Kavarinerstraße.

Sein Erfolgsmodell? Schmidthausen setzt auf Platin, das damals wertvollste Edelmetall, und bietet überwiegend Schmuckkreationen aus eigener Hand und aus ausgesuchten europäischen Manufakturen an. "Schmuck, mit dem Sie (sich) abheben", so heißt der Slogan des Geschäfts. "En vogue", so beschreibt es der Designer, der auch Mitglied der Platin-Gilde ist. Belohnt wurde dieses Bestreben mit Auszeichnungen. So schaffte es Schmidthausen dreimal in die Top-100-Liste des Magazins Schmuck-Design, das 400 Schmuckgeschäfte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Lichtenstein für "Exzellente Schmuckkultur" würdigt.

Damit ist Ende Juni Schluss. "Für uns beginnt ein neuer Lebensabschnitt, wir wollen reisen, die freie Zeit als Luxus genießen, ohne die Zeitgeißel Geschäft," sagt Elsa Schmidthausen - auch wenn es den beiden nicht leicht gemacht wird. Denn das Erste, was sie in diesen Tagen von ihren Kunden hören, ist: "Das kann doch nicht wahr sein." Das Zweite: "Aber ihr habt es euch verdient." Doch vielleicht geht Schmidthausen auch gar nicht so ganz. So gibt es Verhandlungen mit einem Nachfolger. "Spruchreif ist das jedoch noch nicht", sagt Josef Schmidthausen, der zudem darüber nachdenkt, einzelne Arbeiten auf Anfrage anzubieten.

Quelle: RP
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