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Niederrhein/Benin
Aktion pro Humanität: Tagebuch aus Benin

Niederrhein/Benin. Ein kleiner Junge, etwa acht Jahre alt, steht in seinem Anzug aus buntem afrikanischen Stoff vor der verschlossenen Tür unseres OP-Containers. Seine Braunüle, der Venenzugang für die Infusion und die Narkose, liegt schon sauber verpflastert in seinem Arm. Er weint nicht, er steht einfach nur still da und wartet darauf, dass die Tür sich öffnet.

Dann kommt der Anästhesist des Teams, Dr. Wolfgang Paul, und holt den Jungen behutsam ins Innere des Containers.

Welche Gedanken müssen Menschen umtreiben, die noch in ihren Lehmhütten mit den Wellblechdächern, ohne Licht und mit der Kochstelle vor der ärmlichen Wohnstatt leben, wenn sich diese Tür in das sterile Innenleben aus Edelstahl und grellem Licht öffnet. Schon uns Technologie gewohnten Menschen bereitet diese Situation vor einer Operation ja schon mehr als Unbehagen.

Während die Operation läuft, werden die Maler im Röntgenraum fertig. Der neue beninische Radiologie-Assistent ist heute früh eingetroffen und arbeitet nun mit unserem Team um Dr. Angelika Mosch gemeinsam in der Röntgen-Sprechstunde.

Die Qualität der Röntgenbilder ist schon jetzt hundert Mal besser als die der traditionellen, noch in der Dunkelkammer entwickelten Bilder, die hier noch weit verbreitet sind.

Dann geht die Tür des OP-Containers wieder auf und Dr. Johannes Kohler tritt als Erster unter großem Applaus aus dem OP. Er berichtet, dass die Operation sehr gut verlaufen ist. Als dann Dr. Wolfgang Paul mit dem kleinen, noch schlafenden Jungen auf dem Arm aus dem Container kommt, um ihn in den Aufwachraum zu tragen, überwiegt die Ergriffenheit und viele im Team lassen auch ihren Freudentränen freien Lauf. Die Anspannung der letzten Tage weicht einem fast schon ehrfürchtigen Bewegtsein von den Geschehnissen.

Die postoperative Nachsorge des kleinen Michel übernehmen unsere Anästhesie-Schwester Odile und die Krankenschwester Anika.

Am Nachmittag dann ist Michel schon gut ansprechbar und auf die Frage: "Ca va?" ("Geht's?") sagt er mir mit einem angedeuteten, tapferen Lächeln: "Ca va bien" ("Es geht gut.").

Auch die zweite OP des Tages bei einem zwölfjährigen Jungen verläuft gut und ohne Komplikationen im chirurgischen Ablauf oder in der Anästhesie. Wieder begeisterter Applaus für das gesamte OP-Team. Die Eltern werden informiert und sind ebenfalls überglücklich.

Dann taufen wir alle gemeinsam unseren OP-Container auf den Namen "MOM", welcher der Spitzname seines Spenders, Bernd Zevens, ist.

Das entsprechende Schild zu diesem Taufakt, der in Anlehnung an eine Schiffstaufe ablief, wird in den nächsten Tagen angebracht.

Das Gefühl tiefer Dankbarkeit und Freude über die Geschehnisse der letzten Tage zeichnen diesen Tag in besonderer Weise aus. Über ein so herausragendes menschliches Miteinander, das so voller starkem Willen und engagiertem Handeln ist, gemeinsam ein Ziel für andere Menschen in deutlich schlechterer Lebenssituation zu erreichen, ist eine Lebens- und auch Glaubenserfahrung, die prägend ist.

Quelle: RP
 
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