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Kleve
Alles Wirt gut!

Kleve: Alles Wirt gut!
Hier ist auch im Materborner "Ratskrug" der schönste Platz (v. l.): Der neue Gastronom Volker Lenz und seine Frau Yvonne stoßen mit Erich Gietmann auf eine neue Ära an. Mehr als drei Jahrzehnte führte Gietmann die traditionsreiche Gaststätte im Herzen des Klever Ortsteils. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Der Materborner "Ratskrug" hat einen neuen Gastronom. Volker Lenz wird Nachfolger von Erich Gietmann. Ein Mann, der sich hinter Theken und im Kleverland auskennt. Von Peter Janssen

In der Gastronomie gibt es etliche Wege, die zielgerichtet in die Insolvenz führen. Mit unfähigem Personal hinter der Theke geht's besonders schnell. Dem Materborner "Ratskrug", eines der führenden Lokale in Kleve, droht kein Aus aus finanziellen Gründen. Der Abriss stand bevor. Wirt Erich Gietmann ist 75 Jahre und nicht mehr im vollen Besitz seiner Kräfte. Das Knie ist kaputt. Er verkaufte das Lokal, der neue Eigentümer wollte Wohnblocks daraus machen.

Kleves Unternehmer Bernd "Mom" Zenevens rettete die an Tradition reiche Gaststätte (die RP berichtete). Dann suchte "Mom" einen Pächter, der erstens von der Branche etwas versteht, sich der Bedeutung des Hauses bewusst ist und nicht nach ersten Problemen lieber wieder Taxi fährt. Der Mann ist gefunden: Volker Lenz (49) aus Nütterden wird zusammen mit seiner Frau Yvonne (40) den "Ratskrug" führen. Lenz kennt sich in Lokalen und zudem mit historischen bestens aus. Führt er doch bereits die Gaststätte "Zu den Forellenteichen" in Nütterden. Die stammt aus dem Jahr 1736, der Ratskrug wurde um 1900 errichtet. "Unser Objekte werden immer jünger", sagt Lenz.

Er habe in der Rheinischen Post gelesen, dass Bernd Zevens einen Mann für den Ratskrug suche, so Volker Lenz. Er fühlte sich angesprochen und erhielt den Zuschlag. Die Planungen sehen vor, dass er das Objekt zunächst für zehn Jahre pachtet. Ungewöhnlich lang für eine Branche, in der es sehr spezielle Vorstellungen von Kontinuität gibt. Start wird der 1. April sein. Für die Bewirtschaftung der Materborner Mehrzweckhalle ist er dann auch verantwortlich.

Der 49-Jährige will beide Gaststätten nebeneinander führen. "Wir haben in Nütterden eine ähnliche Kundschaft und wissen, worauf die Wert legt. Vereine, Kegelclubs, Familienfeste - das Konzept entspricht dem des Ratskrugs. Mit meiner Frau, die gelernte Restaurantmeisterin ist, und gutem Personal, ist es möglich, beide Objekte zu betreiben, ohne dass die Qualität sinkt", sagt Lenz. Die Schnittmenge ist zweifellos groß: rustikal die Einrichtung, gut-bürgerlich die Küche. Der 49-Jährige ist gelernter Koch und hat zuvor einige Jahre in der Restaurant-Branche in Freiburg gearbeitet, bevor er 1991 an den Niederrhein kam. Seitdem führt er das historische Haus in Nütterden, das ihm auch gehört.

Die zahlreichen Materborner Vereine dürften mit der neuen Entwicklung nach dem ersten Schock zufrieden sein. Das gesellschaftliche Leben in dem 12.000-Einwohner-Stadtteil geht weiter. Auch Erich Gietmann ist glücklich, dass nicht die Abrissbirne durch sein Lebenswerk pendelt. "Ich hatte Angst, dass dies alles hier zu Ende ist", sagt Gietmann. Der 75-Jährige wohnt um die Ecke und wird Lenz in der Anfangsphase unterstützen. 32 Jahre stand er hinter der Theke, in Zukunft steht er davor. "Ich bleibe in den Vereinen, werde auch weiterhin im MGV Materborn singen." Eine Möglichkeit, sich von dem langjährigen Wirt zu verabschieden, wird es geben. Der genaue Termin steht jedoch noch nicht fest.

Die Sorge, dass mit dem neuen Wirt auch neue Preise auf den Karten stehen, kann Lenz den Gästen nehmen. "Die bleiben. Natürlich werden wir auch andere Gerichte anbieten", sagt er. Am liebsten hätte er, dass seine Kundschaft nichts vermisst. Höchstens Erich Gietmann.

Quelle: RP
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