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Kalkar
Als Kalkar noch einen Bischof hatte

Kalkar: Als Kalkar noch einen Bischof hatte
Lioba Rochell, Hubert Umbach vom Verein der Freunde Kalkars und Pastor Alois van Doornick (v.l.) vor den ausgestellten Stadturkunden Kalkars, die derzeit im Städtischen Museum zu sehen sind. FOTO: Markus van Offern
Kalkar. Eine Ausstellung zeigt bis September die Entwicklung der Stadt während der vergangenen 775 Jahre. Damals hatte Kalkar die Stadtrechte zugesprochen bekommen. Auf die Besucher warten viele Geschichten rund um die Stadt. Von Maximilian Krone

Der historische Stadtkern Kalkars zeugt noch davon, welche Stellung die Stadt einst einnahm. Im Jahr 1230 wurde sie auf einem sumpfigen Gebiet gegründet, bereits zwölf Jahre später erhielt Calcar, wie es bis 1933 hieß, die Stadtrechte durch den Grafen von Kleve. Grund genug, diesem Ereignis eine Ausstellung zu widmen, dachten sich der Verein der Freunde Kalkars und das Städtische Museum.

Nach rund viermonatiger Planungsphase ist die Ausstellung seit dem vergangenen Sonntag auf zwei Etagen des Museums zu sehen. Den Besuchern bietet sich dort vor allem die Möglichkeit, in die Vergangenheit einzutauchen. Viele Original-Exponate - wie die Stadtrechtsurkunde - sind ausgestellt und lassen erahnen, dass die Stadt im Mittelalter eine bedeutende Rolle am Niederrhein gespielt hat. Davon zeugen auch einige Landkarten, die einer der bekanntesten Kartografen seiner Zeit erstellt hat. Auf den Karten Christiaan Sgrotens, seines Zeichens Kalkarer Bürger, ist die Stadt immer zu finden, im Gegensatz zu Düsseldorf oder Köln.

Laut Lioba Rochell vom Verein der Freunde Kalkars liegt das daran, dass Kalkar im Mittelalter eine wahre Blütezeit erlebte. "Es war eine Bürgerstadt, ein Zentrum der Tuchweberei und ein Obergerichtszentrum." Aus mehr als 20 Städten und Gemeinden kamen die Menschen damals in die Inselstadt zwischen Stadtgraben und Laybach, um in zweiter Instanz gegen Urteile ihrer Ortsgerichte vorzugehen.

Von der Bedeutung Kalkars zeugt auch die Tatsache, dass die Grafen und Herzöge von Kleve den Stadt-Status über Jahrhunderte immer wieder erneuerten. "Es besteht seit Beginn eine enge Verbindung zwischen den Herrschern in Kleve und der Stadt", sagt Lioba Rochell. Als etwa der Klever Herzog von Reeser Bürgern entführt und eingesperrt worden sei, sei es die Stadt Kalkar gewesen, die das Lösegeld zahlte. Nicht ganz uneigennützig, denn dieser zeigte sich erkenntlich und erweiterte die Privilegien der Kalkarer, was sich meist auf die zu zahlenden Steuern auswirkte. Im Museum ist also nicht nur eine trockene Stadt-Chronik zu sehen, vielmehr wird Geschichte durch viele kleine Kalkarer Geschichten lebendig.

Da in diesem Jahr aber nicht nur Kalkar ein Jubiläum feiert, sondern auch 500 Jahre Reformation gefeiert werden, haben die Organisatoren auch zu diesem Schwerpunkt einiges zusammengetragen - natürlich aus Sicht Kalkars. So finden sich unter anderem Zeugnisse, dass der Klever Herrscher ein eher liberales Verständnis von Religionsausübung hatte. "Er hat es geduldet, wenn man nicht katholisch war", sagt Rochell. Im Gegensatz zu vielen anderen Grafschaften und Herzogtümern, in denen die Maxime galt: Die Religion des Herrschers ist auch die der Untertanen. So verwundert es auch nicht, dass zahlreiche sogenannte Religionsflüchtlinge in Kalkar und Umgebung Unterschlupf fanden. Einer der bekanntesten dürfte ein Bürgermeister Amsterdams sein, der einst mit seiner Familie dorthin floh. "Es war der Versuch, eine Symbiose beider Religionen zu erzielen. Der Herzog trug zusammen mit Erasmus von Rotterdam somit maßgeblich zur Schaffung eines Mittelwegs zwischen den christlichen Blöcken, der "Via Media" bei. Und das, obwohl besonders die linksrheinischen Gebiete des Herzogtums vorwiegend katholisch geprägt waren. Entsprechend leicht fiel dem Papst die Entscheidung im Jahr 1445, einen Bischof von Kalkar zu ernennen - natürlich nicht einfach so. Kurz zuvor half der Herzog von Kleve dem geistlichen Oberhaupt bei der Besetzung des Bischofsstuhls in Köln.

Von den Thesen Luthers unberührt blieb die Region dennoch nicht. Davon zeugen auch viele Exponate in der zweiten Etage der Ausstellung. In den Archiven Kalkars fand sich etwa ein Antrag des Kartografen Sgroten, in dem er eine Kopie einer von ihm gefertigten Karte verlangt. An sich kein Problem. Der Katholik schrieb den Antrag jedoch auf einem Flugblatt Luthers - Sprengstoff für die damalige Zeit. Ob das reiner Zufall war, oder ob er Anhänger Luthers war, konnte aber nicht geklärt werden.

Es ist eine von vielen kleinen Geschichten, die die Ausstellung bereit hält. Für Geschichts- und Heimatinteressierte ist sie daher in jedem Fall empfehlenswert.

Öffnungszeiten: 10 bis 17 Uhr; montags 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Quelle: RP
 
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