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Kleve/Ameland
Ameland bleibt Ameland

Kleve/Ameland: Ameland bleibt Ameland
Wie auf dieser Aufnahme der Kolpingjugend kennen vielen Reisegruppen aus dem Kleverland die niederländische Nordseeinsel. FOTO: Simon Schinken
Kleve/Ameland. In einer turbulenten Sitzung hat sich der Rat der Insel gegen die Pläne eines Investors entschieden, ein Wellness-Resort auf Ameland zu eröffnen. Gegner hatten befürchtet, die Insel könne zu einem neuen Sylt werden. Von Ludwig Krause und Helmut Vehreschild

Die Entscheidung ist gefallen: Es kommt keine Hotel- und Wellnessanlage auf das Gelände des ehemaligen Tropenschwimmbads Aqua Plaza auf Ameland. Der Gemeinderat stimmte am Montagabend gegen den Bebauungsplan, der das Projekt möglich gemacht hätte. Ein Sieg für die Gegner der Anlage, die befürchtet hatten, dass Ameland seinen idyllischen Charme verlieren, zu einer Art neuem Sylt werden könnte. Auch im Kleverland wurde die Entscheidung auf der niederländischen Nordseeinsel aufmerksam verfolgt - schließlich wird Ameland auch von vielen lokalen Jugend- und Reisegruppen genutzt. Zuletzt schien unklar, ob für diese auf einer "Wellness-Insel" noch Platz sein würde.

So unterschiedlich die Projekte auch sein mögen: Wer das hin und her der Planungen zu dem Komplex im Örtchen Nes verfolgt, bei dem werden Erinnerungen an die Querelen um den Minoritenplatz in Kleve wach. Die Pläne des Investors auf Ameland bestanden seit 2012, immer wieder wurden sie an die Forderungen des Rates angepasst. Nach fünf Jahren schienen alle Hürden aus dem Weg geräumt - es kam allerdings anders.

Dem "Persbureau Ameland" zufolge müssen sich am Montagabend turbulente Szenen in der Ratssitzung abgespielt haben. Kein Wunder, war auf der Insel doch ein heftiger Streit um das Projekt ausgebrochen. Schon zu Beginn des Tagesordnungspunktes musste die Sitzung wegen Zwischenrufen aus dem Publikum unterbrochen werden. Selbst Ermahnungen des Bürgermeisters konnte die erbosten Bürger nicht zur Ruhe bringen. Die Entscheidung der Ratsleute konnten die Zwischenrufe allerdings nicht mehr beeinflussen - die war da nämlich schon längst getroffen.

Wie umstritten das Thema auf der Insel ist, zeigte dann auch das Ergebnis der Abstimmung: Sechs Ratsleute sprachen sich gegen die Pläne aus, vier dafür, es gab eine Enthaltung. Bemerkenswert: Die Entscheidung fand in einer Sitzung statt, in der zwei Ratsmitglieder erst einmal vereidigt werden mussten, weil sie neu in dem Gremium sind.

Die Stimmung nach der Entscheidung war genauso geteilt wie zuvor: Der Beigeordnete Peter Pot zeigte sich tief enttäuscht. "Das ist ein harter Schlag für die Glaubwürdigkeit der Verwaltung", sagte er dem "Persbureau Ameland". Obwohl der Plan alle Voraussetzungen des Rates erfüllt habe, lehne dieser ihn ab. Entsprechend fassungslos reagierten auch die Vertreter des Investors.

Ganz anders ist die Gemütslage natürlich bei den Gegnern des Projektes. Frank Hulsebos, der gemeinsam mit 22 Ameländern vor mehr als zwei Jahren über Facebook "Voice of Ameland" gegründet hatte, war begeistert: "Die Mehrheit hat ihr Herz sprechen lassen. Wir sind froh und glücklich, dass wir das geschafft haben." Hulsebos freut sich, dass es mittlerweile im Gemeinderrat eine neue Ameland-Generation gibt: "Die Jüngeren haben die Politik entdeckt. Sie treten für unsere Insel ein." Trotz des hektischen Abends hätte sich Bürgermeister Albert de Hoop während der Diskussion neutral verhalten. "So muss Demokratie sein", sagt Frank Hulsebos, der sich nach der Entscheidung gemeinsam mit einigen Mitstreitern im Hotel Nobel in Ballum noch einige Bierchen gegönnt hat. "Das war letztlich nicht überraschend", sagt Verwaltungschef Albert de Hoop, der davon ausgeht, dass es keine Hotel- und Wellnessanlage geben wird: "Das Projekt ist gestorben."

Quelle: RP
 
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