| 00.00 Uhr

Kleve/Rees
Arbeiten lernen für das Berufsleben

Kleve/Rees: Arbeiten lernen für das Berufsleben
Das "Einsatzkommando" der Förderschule muss auf dem Gelände des Kindergartens an der Kasinostraße kräftig zupacken. Es gilt nicht nur, die Betonröhren des Kriechtunnels auszugraben. Auch ein Klettergerüst muss abgebaut werden. FOTO: Schule
Kleve/Rees. Das genossenschaftliche Schülereinsatzkommando in Kleve ist das einzige in NRW, das an einer Förderschule organisiert ist. Es ist von Rees in die Kreisstadt gezogen und bietet Arbeiten, die Schüler ans Berufsleben heran führen. Von Matthias Grass

Beim Kindergarten an der Klever Kasinostraße wartete harte Arbeitet auf das "Schülereinsatzkommando" der Förderschule. Das Klettergerüst der Mäuse- und Igelgruppe war marode. Außerdem sollten der Kriechtunnel und die Betonrandsteine aus der Erde geholt werden. Dann musste alles fein säuberlich getrennt und abtransportiert werden. Paul und seine Mitarbeiter hatten alle Hände voll zu tun: Gerüst abbauen, Erde abtragen, die Betonröhre vom Tunnel ausbuddeln und nicht zuletzt alles stapeln und abtransportieren.

Das Schülereinsatzkommando ist eine eingetragene Schülergenossenschaft, die zunächst an der Anne-Frank-Schule in Rees gegründet wurde und jetzt nach der Schließung der Schule im Juli am Förderzentrum Grunewald in Emmerich und deren Teilstandort in Kleve (ehem. Ringschule) verlegt wurde. Zur Genossenschaft gehört das Schulcafé, das täglich im Förderzentrum Emmerich und Kleve alle Schüler und Lehrer mit belegten Brötchen, Sandwiches und Getränken in den Pausen versorgt, es gibt einen Partyservice, der Fingerfood-Buffets außer Haus für kleine und größere Gesellschaften liefert, Bügelfix mangelt in Emmerich vorwiegend Tisch- und Bettwäsche. Haus und Hof übernimmt Gartenarbeiten in Kleve und Umgebung. Der Schülerladen bietet einen Einkaufsservice für Senioren in der Nachbarschaft der Schulen in Emmerich und Kleve an.

Gemeinsam mit der Volksbank Emmerich-Rees, die das Projekt in Rees schon tatkärftig unterstützte, wurde nach der Schulschließung in Rees entschieden, das Projekt in Emmerich und Kleve fortzusetzen, erklärt Sonderschulrektorin Judith Greven. Das Einsatzkommando ist das einzige in NRW, das von einer Förderschule organisiert wird. Die Kleverin koordinierte den Übergang des Schülereinsatzkommandos von Rees nach Emmerich und Kleve. Im Auftrag des Schulleitungsteams um Regina Henke (Emmerich) und Angelika Nikolaus (Kleve) hält sie den Kontakt zu Holger Zitter, Vorstand der Volksbank Emmerich-Rees und ist gemeinsam mit Schülern und Lehrern im Vorstand und Aufsichtsrat des Schülereinsatzkommandos.

"Unsere Schüler sollen das Arbeitsleben kennenlernen. Sie können hier von der Planung über die Koordination der Arbeiten bis zur Fertigstellung ein komplettes Projekt betreuen", sagt sie. In Kleve und Emmerich an der Förderschule stehen rund 80 Schüler für die verschiedenen Aufgaben der Genossenschaft bereit. Das sind vor allem Jungen und Mädchen von der 8. Klasse an aufwärts, erklärt Greven.

"Wir sind eine Übungsfirma, machen also keine professionelle Arbeit wie ein Handwerksbetrieb. Wir können und wollen diesen Betrieben natürlich keine Konkurrenz machen. Das läuft eher unter Nachbarschaftshilfe und Lernen unter realen Arbeitsbedingungen - zumal die Schüler auch kein Geld bekommen", sagt Judith Greven. Dennoch muss die Arbeit bezahlt werden: Die Schülergenossenschaft gibt vorher zu jedem Auftrag ein Angebot ab. Denn auch das zählt zur Übung. Das Geld fließt an die Genossenschaft. "Die Schüler müssen ja auch so kalkulieren, dass der Betrieb läuft und nicht pleite geht", erklärt die Sonderpädagogin. Dazu müssen die Jungen und Mädchen Dreisatz rechnen können und wie später draußen bei der Arbeit auch lernen, das Hebelgesetz anzuwenden.

Unterstützt werden die Schüler von Fachkräften der Schule. So auch beim Kasino-Kindergarten: Guido Herrenbrück, Sonderschullehrer, und Elmar Säde, Handwerksmeister am Förderzentrum in Kleve, weisen die Jugendlichen in die einzelnen Arbeitsschritte ein. Gartenarbeit und Renovierungstätigkeiten sind den Jugendlichen aus der Schule und vom Schulgelände bekannt. Letztlich bereitet die Arbeit auf das Arbeitsleben vor. "Am Ende steht für alle Schüler der Genossenschaft das Erlebnis, aus eigener Kraft etwas geschafft und für die Gemeinschaft getan zu haben. Das motiviert Schüler und Lehrer", erklärt Greven.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kleve/Rees: Arbeiten lernen für das Berufsleben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.