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Bedburg-Hau
Auf Suche nach der Kunst der Bewegung

Bedburg-Hau. "Aparición" heißt das Projekt der mexikanischen Choreographin Alma Quintana und des deutschen Künstlers Lutz Baumann, das ab heute vier tage im ArToll im Haus 6 der LVR-Klinik Bedburg-Hau zu sehen ist. Eröffnung heute. Von Matthias Grass

Eine goldene Folie bedeckt den Boden, knistert unter den Füßen, hüllt den Raum in ein warmes Licht. Auf der Wand erscheinen zwei Körper, Tänzer, die sich im Duett bewegen. Es ist die Projektion vom Film einer Performance, die das Duett irgendwann auf eben jener knisternden Folie tanzte. Wie eine Pantomime - lediglich das Knistern des Untergrunds gibt den Takt der Aktion an. Still, wenn die Tänzer ruhen oder sich langsam bewegen, rasselnd, wenn das Tempo anzieht.

Die Tänzerin Alma Quintana und der Künstler Lutz Baumann setzen ihr 2012 begonnenes Projekt "Aparición" im ArToll-Kunstlabor fort und präsentieren dort eine spannende Begegnung von Tanz und Klang, von Bildender Kunst und dem Erlebnis, Teil der Kunst zu werden, wenn sich die Lichtprojektionen Baumanns regelrecht "einbrennen". Vom 20. bis 23. Juni präsentieren sie ihre Arbeit, die die komplette erste Etage von Haus 6 in der LVR-Klinik in ein Stück Kunst verwandelt. Eröffnet wird das Gesamtkunstwerk am Samstag, 20. Juni, 16 Uhr. Weitere Aktionen sind Sonntag, 21. Juni, Montag, 22. Juni, und Dienstag, 23. Juni, jeweils 12 bis 18 Uhr. (Auch die Tanzperformance wird an diesen Tagen wiederholt).

Vom ersten Raum der Installation aus zieht die Choreographin Alma Quintana mit ihrer Solo-Performance ins Werk, in die Räume. Wie in der Projektion steht hier auch der liegende, ruhende Körper am Beginn der Aktion, dann erforscht sie tanzend die Bewegung, befasst sich mit den wie Knochen dort liegenden Holzstücken aus einem brasilianischen Fluss, verhüllt sich zeitweise unter wallendem Tuch und setzt die Musikstücke der Komponistin Vera Matenaar in körperliche Bewegung um. "Ich werde meinen Köper und seine Aktionen gegen die toten Hölzer setzen", sagt Quintana.

Was ist ein Körper - und wie verändert sich ein Körper in der Bewegung, was lässt sich aus diesem Körper formen? Das sind die Fragen, mit denen sich das Duo Baumann/Quintana seit einigen Jahren auseinandersetzt - sie als Choreographin, er als bildender Künstler. "Um zu Aussagen über den Körper zu gelangen, wurde und wird von den beiden Künstlern experimentiert, wie Bewegung durch die Wirkung des Körpers wahrgenommen wird. Sie hinterfragen, was ist es, was sich bewegt?", sagt Carla Gottwein vom ArToll-Kunstlabor.

Und nicht nur Dinge, die sich bewegen, bewegen sich, zeigt Baumann in seiner LED-Licht-Foto-Installation. Unter scharfem Flackerlicht fangen seine Bilder von den wie Knochen aussehenden Holzstücken an, zu vibrieren. Und sie sollen im Auge bleiben, auch wenn man längst den letzten Raum verlassen hat, in dem sie präsentiert werden. "Man wird es nicht lange dort aushalten, in diesem Licht. Aber die Bilder prägen sich für eine gewisse Zeit in die Netzhaut der Augen, bleiben flimmernd im Blickfeld", sagt Baumann. Das ist dann gewissermaßen die Erinnerung vom bewegten Bild, das faktisch stillsteht.

Baumann hatte auch die Fundhölzer raumhoch gestapelt. Der Stapel wiederum ist nur als "Erinnerung" zu sehen, als Print auf einem raumhohen Banner. Körperlich sind die Hölzer nur Teil anderer Einrichtungen oder des Tanzes da.

Quelle: RP
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