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Kranenburg
Aus der Geschichte lernen

Kranenburg: Aus der Geschichte lernen
Bürgermeister Günter Steins, Herman Wijnhoven, Marco Cillessens, Heinz Pawelke und Piet Janssen (von links) bei der Eröffnung der Ausstellung "Operation Market Garden" im Foyer des Rathauses Kranenburg. FOTO: Gottfried Evers
Kranenburg. Ausstellung und Gedenkveranstaltung zur "Operation Market-Garden" im Foyer des Kranenburger Rathauses. Von Antje Thimm

"Es ist ein Irrglaube, dass sich die Verbrechen, die im Zeichen des Nationalsozialismus begangen wurden, nicht wiederholen können. Wir müssen die Geschichte in die Zukunft transportieren und im Bewusstsein der Vergangenheit die Gegenwart begreifen", so die einleitenden Worte des Kranenburger Bürgermeisters Günter Steins zur Eröffnung der Ausstellung "Operation Market Garden" im Foyer des Rathauses Kranenburg.

"Market-Garden" - so lautete der Deckname für den Versuch der Alliierten im September 1944, mit drei Luftlande-Divisionen in das Grenzgebiet Niederlande/Deutschland einzudringen, um den amerikanischen und britischen Truppen den Vorstoß ins Deutsche Reich zu erleichtern. Die Operation war nur teilweise erfolgreich, da die Deutschen insbesondere bei Arnheim starken Widerstand leisteten.

In diesen Septembertagen des Jahres 1944 geschah in Kranenburg etwas, das die dort lebenden Menschen in schockierender Weise direkt mit den Schrecken des Krieges konfrontierte: zwei amerikanische Soldaten wurden von einem deutschen Soldaten, Ludwig Klüttgen, festgenommen und willkürlich erschossen. Marianne Broeckmann, damals 18 Jahre alt, musste dies mit ansehen und trägt an der Erinnerung daran bis heute schwer. Sie wird ihr Erlebnis erzählen am 18. September, wenn vor dem Rathaus in Kranenburg ein Plakette mit zwei Namen enthüllt wird - den Namen der beiden ermordeten amerikanischen Soldaten.

Das Foto wurde am 11. Februar 1945 aufgenommen, als die anglo-amerikanischen Truppen auf den Rhein vorrückten. FOTO: G. Evers

Diese waren bis vor kurzem unbekannt, jedoch ist es der niederländischen Stiftung "Airborne Vrienden" in Zusammenarbeit mit dem Heimatschutzverein Kranenburg gelungen die Namen zu finden, mithilfe der DPAA ("Defense prisoners of war/ missing in action Accounting Agency"), einer amerikanischen Gesellschaft, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Namen von in Kriegen vermissten Menschen ausfindig zu machen. Nicht nur das, auch eine der Familien in den USA konnte kontaktiert werden, und Vertreter dieser Familie werden zur Enthüllung der Plakette nach Kranenburg kommen.

Marco Cillessen von der Stichting Groesbeek Airborne Vrienden berichtet von seinem Telefongespräch mit dem Enkel eines der Umgekommenen. Dieser war bis heute immer im Glauben gewesen, der Großvater sei beim Absturz eines Transportflugzeugs an der Front ums Leben gekommen. "Ich war sehr vorsichtig, dem Enkel nach und nach zu erklären, was in Kranenburg wirklich geschah", sagt Cillessen. Die Familie sei sehr betroffen, werde aber an der Gedenkfeier am Sonntag, 18. September, teilnehmen.

"Die Namen sollen wirklich erst am 18. September bekannt gegeben werden", erklärt Markus Schlegel vom Schulverwaltungs- und Kulturamt Kranenburg. "Wir hoffen auf ein reges Interesse der Bevölkerung an dieser Gedenkveranstaltung", betont Bürgermeister Günter Steins, "besonders junge Leute sollten diese Geschichte hören, damit die Geschehnisse von damals im Bewusstsein bleiben und so verhindert wird, dass sich Ähnliches wiederholt."

Seit vielen Jahren findet immer am Sonntag nach dem 17. September eine Kranzniederlegung vor dem Kranenburger Rathaus an der Stelle statt, an der die beiden amerikanischen Soldaten ermordet wurden. Dort steht eine von Dieter Levetzow geschaffene Stele mit der Inschrift "Hass tötet, Liebe versöhnt". Zu dem jährlichen Gedenktag kommen immer Niederländer und Deutsche zusammen, um den Schrecken des Krieges auf beiden Seiten der Grenze zu gedenken. "Eine gewachsene Freundschaft", wie der Bürgermeister betont, was auch in der gemeinsamen Vorbereitung der bevorstehenden Enthüllung der Namensplakette zum Ausdruck kommt.

Die Exponate der Ausstellung schließlich, die bis zum 10. Oktober zu sehen ist, berühren in besonderer Weise. Es sind dies Gegenstände des alltäglichen Lebens, rostige Löffel, verbeulte Feldflaschen, einzelne Gürtelschnallen, Dinge, die übrig blieben, wo Menschen Krieg führten und gestorben sind. Herman Wjnhoven aus Groesbeek hat diese Sachen, die aus privaten Sammlungen stammen, zur Verfügung gestellt. Zur Ausstellung gehört neuerdings auch ein Foto eines der erschossenen Soldaten. Die Familie aus Amerika hat dieses Foto vorab nach Kranenburg geschickt. Am 18. September um 15 Uhr ist es soweit, die unbekannten Toten bekommen einen Namen, und die Zeitzeugin Marianne Broeckmann wird ihre Geschichte noch einmal erzählen, damit es jeder weiß und keiner vergisst.

Quelle: RP
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