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Niederrhein
Aus Einsatz in Ghana wird Hilfsprojekt

Niederrhein: Aus Einsatz in Ghana wird Hilfsprojekt
Corinna Scharffe (3.v.l.) arbeitete an einer Schule in Ghana. Sie hat jetzt ein Projekt mitinitiiert, damit die Jugendlichen nach dem Abschluss hier eine weiterführende Schule besuchen können. FOTO: privat
Niederrhein. Corinna Scharffe (21) aus Rees ist in vorderster Reihe beim Aufbau eines Hilfsprojektes dabei, das die Bildungschancen junger Leute in Ghana verbessern soll. Angefangen hatte alles mit einem Jahr im Freiwilligendienst. Von Julia Latzel

Nach dem Abitur im Freiwilligendienst im Ausland zu arbeiten ist keine Seltenheit mehr. So entschloss sich auch die heute 21-jährige Corinna Scharffe 2013, ein Jahr als Freiwillige nach Ghana zu gehen. Ungewöhnlich ist, wie sie auch über ein Jahr nach ihrer Rückkehr noch Kontakt zu den Menschen vor Ort hat und sich in vielfältiger Weise weiterhin engagiert. Zusammen mit anderen hat sie ein Hilfsprojekt ins Leben gerufen: einen Bildungsfonds, der jungen Menschen zu guten Ausbildungen verhelfen soll. "Ghana ist zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden. Das könnte ich nicht einfach aufgeben. Sich von Deutschland aus in Ghana zu engagieren ist nicht unbedingt das Einfachste, aber mir ist es den Aufwand auf jeden Fall wert", erklärt sie.

Ende August 2013 ist Corinna mit drei anderen Freiwilligen nach Jasikan gereist und war dort in einer Mittelschule als Lehrerin tätig. Zu ihren Aufgaben zählten Hausbesuche bei Schülern, bei denen sie die Eltern motivierte, Geld für die Ausbildung ihrer Kinder zu sparen.

"Die Leute dort haben keinen großen Bezug zu Bildung. Sie sehen keine Wichtigkeit darin, zur Schule zu gehen und einen Abschluss zu machen. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass es nahezu keine Vorbilder gibt", berichtet Corinna. Das Problem reicht so weit, dass zur Zeit ihres Freiwilligenjahres an zwölf von 32 Schulen in ihrem Bezirk kein einziger Schüler den Abschluss schaffte, der mit der mittleren Reife vergleichbar ist.

Mittlerweile studiert Corinna Psychologie in Marburg und hat viel mit dem Studium zu tun. Aber zu ihren "Mitfreiwilligen" und zu einigen Menschen in Ghana, beispielsweise ehemaligen Schülern oder ihrem Projektleiter, hat sie immer noch Kontakt. Das funktioniere über Whatsapp und Facebook relativ unkompliziert, sagt sie.

Auch zum Bistum Münster, über das Corinna zu ihrer Stelle in Ghana kam, hält sie Verbindung. Sie engagiert sich in der Ehemaligen- und Werbearbeit und ist wichtige Ansprechpartnerin für die neuen Freiwilligen, die in das gleiche Projekt gehen wie sie damals. Vor kurzem war der Projektleiter aus Ghana für einen Monat zu Besuch in Deutschland. "Das findet alle paar Jahre zum Austausch und zur Evaluation statt. Wir ehemaligen Freiwilligen haben den gesamten Aufenthalt organisiert und begleitet."

Mit ihm zusammen haben die Freiwilligen ein neues Hilfsprojekt ins Leben gerufen. "Es gibt mittlerweile immer mehr Schüler, die die mittlere Reife schaffen, aber dann keine Möglichkeit haben, die Oberschule zu besuchen, weil ihnen das Geld fehlt. In Ghana ist allerdings ohne einen Abschluss an der Oberschule eine Ausbildung nicht möglich", erklärt Corinna den Hintergrund der Initiative. "Deshalb haben wir in Kooperation mit dem Gymnasium Aspel in Rees einen Bildungsfonds aufgebaut, in dem Geld für solche Fälle angelegt wird."

Sie hat vor Ort in Deutschland die Planung übernommen und zusammen mit dem Projektleiter bereits eine erste Spende des Gymnasiums in Empfang genommen. Wichtig sei, dass das Projekt als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt ist, betont sie. "Wir gehen daher sehr vorsichtig vor und stellen das Geld erst dann zur Verfügung, wenn wir den Einzelfall genau geprüft haben."

Das Vorhaben steht im Moment noch in den Anfängen. Die ersten Schüler werden voraussichtlich im nächsten Jahr durch das Geld des Bildungsfonds unterstützt.

Die Erfahrungen ihres Freiwilligendienstes haben bei Corinna Spuren hinterlassen: "Ich habe einen offeneren Blick für andere Kulturen bekommen und bin kritischer meinen eigenen Sichtweisen gegenüber, wenn es um Rassismus und Stereotypisierung geht." Auch ihre Sicht auf Afrika hat sich gewandelt: "Afrika wird von vielen als Land angesehen, dabei ist es ein Kontinent mit vielen verschiedenen Ländern und Kulturen. Themen wie Ebola und IS werden oft auf ganz Afrika bezogen. In Ghana gab es aber keinen einzigen Fall von Ebola, und auch der IS ist dort nicht aktiv."

Quelle: RP
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