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Kalkar
Ausstellung im Stadtmuseum zeigt Kalkar im Zweiten Weltkrieg

Kalkar. Mit der Schau "(Über-)Leben in Kalkar" wirft der Verein der Freunde Kalkars bis zum November einen Blick auf die Zeit von 1939 bis 1955 in der Nicolaistadt. Von Ludwig Krause

"Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen." Eine simple Botschaft, die zehntausendfach auf die Dächer Kalkars niedergeregnet ist. "In einer Auflage von bis zu 80 000 Stück sind die Flugblätter von den Alliierten aus Flugzeugen abgeworfen worden", sagt Hubert Umbach vom Verein der Freunde Kalkars. Im Flug öffneten sich die Schnüre der umwickelten Pakete, der Wind trieb sie über die Ortschaften der Nicolaistadt. Wer mit einem der Zettel erwischt wurde, dem drohten härteste Strafen. "Das Sammeln von Feindpropaganda war bei Todesstrafe verboten", sagt Umbach. Willi Wolters hat sie dennoch gesammelt. Entgegen aller Anweisungen hat er sie nicht verbrannt oder auf der Latrine zweckentfremdet - er bewahrte sie bis zu seinem Tode auf.

37 Blätter seiner Sammlung sind in der Ausstellung "(Über-)Leben in Kalkar" zu sehen, die am Wochenende Vernissage gefeiert hat und bis zum 15. November im Museum Kalkar zu sehen ist. Sie sind Ausgangspunkt der Schau, die sich über drei Etagen erstreckt und mit Fundstücken, Haushaltsgegenständen und Andenken aller Art Einblick in die Lebensumstände Kalkars zwischen 1939 und 1955 gibt. "Wir wollten keine Kriegsberichterstattung zeigen, sondern wie es Kalkarern ergangen ist", sagt Karl-Ludwig van Dornick, Vorsitzender des Vereins der Freunde Kalkars. Zivilisten, die in der Heimat geblieben waren, aber auch Soldaten, die Kalkar verlassen mussten, um an allen denkbaren Fronten zu kämpfen.

Unter der Federführung eines Arbeitskreises ist eine Ausstellung entstanden, die maßgeblich von Kalkarern mitgestaltet wurde. Über die Presse rief man Bürger auf, sich mit Exponaten zu beteiligen. "Die Resonanz war überwältigend", sagt Hubert Umbach. So sind Stücke zu sehen, die 70 Jahre lang aufbewahrt wurden und jetzt zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt werden können. Alltagsgegenstände aus einer Zeit, in der es keinen Alltag gab. Ein Spielzeugkarussell, das aus einem alten Grammophon gefertigt wurde. Ein Kleid, das eine Frau aus dem Stoff des Wehrmachtsmantels ihres Ehemanns nähte. Dabei werden die Ereignisse in Kalkar durch einen Zeitstrahl in den Kontext der Weltgeschichte setzt. "Diese Ausstellung erlaubt keinen Eildurchgang", sagt Karl-Ludwig van Dornick. Zu viel gibt es zu entdecken.

Sie ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Zur Schau ist ein Begleitheft erschienen.

Quelle: RP
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