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Kreis Kleve
Awo: Viele schwangere Flüchtlinge

Kreis Kleve: Awo: Viele schwangere Flüchtlinge
Das Team der Beratungsstelle (von links): Nicole Saat (Diplom-Sozialpädagogin und Leitung) , Milena Wehren (Sozialpädagogin), Irene Au (Verwaltungskraft), Theo Bours (Sozialpädagoge) und Andrea Twele (Sozialpädagogin). FOTO: awo
Kreis Kleve. Insgesamt 681 Menschen hat die Beratungsstelle für Schwangerschaft und Familienplanung 2015 beraten. In den Schulen leistet die Arbeiterwohlfahrt Aufklärungsunterricht. Immer mehr Flüchtlinge suchen die Beraterinnen auf. Von Saskia Nothofer

Die Beratungsstelle für Schwangerschaft und Familienplanung der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Kreisverband Kleve, hat ähnlich regen Zulauf wie im vorigen Jahr. "Wir haben im vergangenen Jahr über 1000 Gespräche geführt", sagte Nicole Saat, Leiterin der Beratungsstelle, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2015. Insgesamt 681 Frauen haben demnach die Beratung im vergangenen Jahr wahrgenommen.

433 Personen wurden zu den Themen Schwangerschaft, Geburt, Familienplanung, Verhütung, Sexualität oder Partnerschaft beraten. Die übrigen 248 (2014: 252) Frauen dachten über einen Schwangerschaftsabbruch nach. Die am stärksten vertretene Gruppe war zwischen 27 und 34 Jahre alt. Der häufigste Grund, den die Frauen angaben, war die finanzielle Situation, einhergehend mit der eigenen Lebenssituation. "Obwohl diese Frauen alt genug für ein Kind sind, sind sie extrem mit anderen Problemen belastet. So tritt der Gedanke des Abbruchs auf", erklärte Saat. Der Anteil der ungewollt minderjährig Schwangeren dagegen ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Gab es im Jahr 2007 noch 34 Fälle, waren es 2015 nur fünf.

Einen deutliche Anstieg verzeichnet die Beratungsstelle bei der Anzahl der Flüchtlinge, die Rat bei der Awo suchen. "Es kommen einige hochtraumatisierte, schwangere Flüchtlingsfrauen zu uns", sagte die Leiterin. "Teilweise allein, teilweise aber auch mit Kleinstkindern." Bisher hätten die Gespräche ohne Dolmetscher geführt werden können. Saat und ihre Kolleginnen gehen aber davon aus, dass sich dies bald ändern könnte. Für das laufende Jahr erwarten sie zudem, dass sich die Zahl der geflüchteten Frauen in der Beratungsstelle noch weit mehr erhöhen wird.

Ein weiteres wichtiges Angebot der Awo ist die Aufklärung an Schulen. Mit sexualpädagogischen Projekten, die sowohl in Grund- als auch weiterführenden Schulen durchgeführt wurden, erreichte die Awo-Beratungsstelle 2015 rund 1500 Jugendliche und Kinder. Insgesamt sorgten die Sozialpädagogen für über 100 solcher Schulveranstaltungen. Mit einem medialen Programm vermitteln sie dabei Basiswissen wie etwa: Was ist ein Einsprung? Wie funktioniert das mit der Periode? Wie verwende ich ein Kondom richtig? Zudem gibt es Fragestunden, in denen - Jungen und Mädchen getrennt - individuelle Fragen zu den Themen Liebe, Sexualität, Verhütung und Pubertät stellen können. "Meist haben die jungen Menschen bei uns nicht so viele Hemmungen, da wir nur ein Mal kommen, quasi fremd sind", sagte Milena Wehren, Sozialpädagogin bei der Awo.

Mit ihrer Arbeit wollen die Frauen auch verhindern, dass die Kinder und Jugendlichen sich auf Informationen aus dem Internet verlassen. "Suchen sie alles bei Google, kann es gefährlich werden. Oft gibt sie dort nur Halbwissen", sagte Andrea Twele, ebenfalls Sozialpädagogin bei der Awo. Das Internet bearbeite zudem keine individuellen Fälle, ergänzte Saat. Aus diesem Grund ist auch die Beratungsstelle online präsent. Montags und donnerstags jeweils von 19 bis 20 Uhr wird ein Chat angeboten, in dem jeder anonym seine ganz persönlichen Fragen stellen kann.

Die Berater in der Beratungsstelle der Awo informieren auch über das Thema "vertrauliche Geburt". Diese ermöglicht es Frauen, ihr Kind anonym und in einem medizinisch geschützten Umfeld zur Welt zu bringen und es anschließend zur Adoption freizugeben. Zudem hat die Awo Zugriff auf den Topf der Bundesstiftung "Mutter und Kind", die finanzielle Hilfe bietet. "Schon über 30 Frauen im Kreis konnten davon profitieren", sagte Saat.

Die Awo-Beratungsstelle ist für den gesamten Kreis Kleve zuständig. Individuelle Terminabsprachen sind möglich, die Beratung ist kostenlos und auf Wunsch auch anonym. Erreichbar ist sie unter Telefon 02821 8993949 oder per E-Mail an beratung@awo-kreiskleve.de.

Quelle: RP
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