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Kalkar
Bachs Arie war der Höhepunkt

Kalkar. Kantor Jan Szopinski findet für die Reihe der Geistlichen Abendmusik in der St. Nicolai-Kirche Kalkar immer wieder musikalische Perlen; dass das die Musikliebhaber der Umgebung wissen, zeigte auch am Sonntag wieder der volle Besuchsraum. Der besondere Reiz des Abends lag zum einen an dem Programm von Vivaldi bis Pärt, zum anderen an der der Besetzung mit dem Kammerorchester St. Nicolai und Werken ausschließlich für die Stimmlage Alt, gesungen von Monika Kolasa-Hladikova. An der Orgel begleitete Anja Speh, die Leitung übernahm Szopinski selbst. Von Barbara Mühlenhoff

Hört man den Namen Antonio Vivaldi, so denkt man in erster Linie an seine zahlreichen Instrumentalkonzerte. In Kalkar kam dagegen sein "Stabat Mater" zu Gehör. Die von Vivaldi als Textvorlage benutzte Hymnenversion ist für den "Schmerzensfreitag" in der Passionswoche vor dem Palmsonntag bestimmt. In dem Klagegesang der Mutter Jesu unter dem Kreuz, das technisch für die Sängerin eher weniger anspruchsvoll, dafür umso intensiver ist, verschmolzen Stimme und Streicher zu einem homogenen Gesamtklang. Aufgrund des gemäßigten Tempos der Sätze gelang es, die einzelnen Phrasen musikalisch schön auszugestalten und zu formen. Kolasa-Hladikova verfügt über einen satten, erdigen Altklang mit Vibrato-Timbre, mit der sie die Perspektive der leidenden, aber dabei noch von Liebe durchglühten Mutter die unterschiedliche Emotionen dynamisch ruhig durchlebte. Der Trost, vom den sie sang, bestand darin, dass die Liebe zu einem Menschen stärker sein kann als die Trauer um dessen Tod, bekräftigt nach berückendem Mollklang.

Es folgte eine instrumentale Sinfonia in h-Moll für Streicher von Vivaldi und ein Höhepunkt jeder Passionszeit: die Arie "Erbarme dich" aus Bachs Matthäus-Passion. Szopinski interpretierte diese in langsamem Tempo (wie einst Karl Richter), die Musiker und die Altistin gestalteten die Eindringlichkeit der Komposition voll aus. Als Stimmungsgemälde gelang Jean Sibelius' "Impromptu", ein dichtes, pulsierendes Streicherwerk. Jan Szopinskis "Hostias" gefiel sehr gut mit zum Text stimmigen Tonartenwechsel und gefälliger Ausarbeitung.

Bei dem Kammerorchester St. Nicolai war die Musik bestens aufgehoben. Sie vertrauten auf die Qualitäten des Klanges, ohne durch überzeichnete Akzente oder ruppige Gestaltung Pseudobarock zu inszenieren. Die Akustik in der Kirche tat ihr übriges für eine beeindruckende Geistlicher Abendmusik.

Quelle: RP
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