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Proberaum-Knappheit im Kreis Kleve
Bands suchen ein Zuhause

Kreis Kleve. Proberäume sind für Nachwuchsbands nirgendwo in Hülle und Fülle zu finden. Aber in Kevelaer ist es ein richtiges Problem. Junge Gruppen spielen in Schlafzimmern oder Scheunen - wie die Band K 47. Von Sina Zehrfeld

Die Kevelaerer Band K 47 ist heimatlos. Die vier Jungs, alle zwischen 20 und 23 Jahre alt, suchen einen Proberaum. Zwei Jahre lang traf sich die Alternative-Band im Zimmer des Schlagzeugers in dessen Elternhaus. Eltern und Nachbarn waren natürlich begeistert. Außerdem ist ein Schlafzimmer nun mal kein Proberaum, alle mussten ihr gesamtes Equipment ständig auf- und abbauen.

K 47 sind Sänger Jonas Spolders, Gitarrist Josa Fiedler und Schlagzeuger Alex Lemmen aus Kevelaer sowie Bassist Nico Venhoven aus Twisteden. Die vier suchen nun also einen Ort, an dem sie laut sein können und in dem sie ihre Instrumente lassen können, ohne Angst zu haben, dass sich der Morgentau drauf niederschlägt oder es reinregnet oder zufällige Passanten nachts alles leerräumen. "Er muss trocken sein und abschließbar", sagt Sänger Jonas Spolders. Strom wird natürlich gebraucht, Heizung nicht unbedingt.

Vielleicht würden die vier schneller fündig, wenn sie sich mehr leisten könnten. Aber als Schüler, Studenten, Azubis, können sie - wie viele Nachwuchsbands - kaum Miete aufbringen. "Wir könnten vielleicht warten, bis wir so weit sind, dass wir Geld verdienen", sagt Jonas Spolders lakonisch. Tatsächlich ist das natürlich keine Option für sie: "Wir wollen ja jetzt Musik machen", nicht in ein paar Jahren.

Mit ihrer Situation ist K 47 in bester Gesellschaft: Einen Proberaum zu finden ist für junge Bands der reinste Lottogewinn in der Region. Die Lage ist im Kevelaerer Jugendamt durchaus präsent.

Mitarbeiterin Vanessa Freienstein fasst die Lage zusammen: "Es ist schwierig, in Kevelaer Räumlichkeiten zu finden, wo man seine Sachen stehen lassen kann, wo man laut sein kann, sich auch mal spontan treffen kann und nicht schon zehn andere Bands proben wollen." Als es in Kevelaer noch einen Streetworker gab, hat dieser einen "Probe-Bunker" am Traberpark in Twisteden betreut. Damit ist es inzwischen aber auch vorbei.

Auch Daniel Wouters (34) von der Betreiberfamilie des Zeltplatzes Anna Fleuth, der fest in der Musikszene Kevelaers verhaftet ist, weiß: "Das Thema Proberäume in Kevelaer gibt es schon länger."

Der Zeltplatz ist durchs Anna-Fleuth-Festival bekannt, Daniel Wouters spielt selbst in mehreren Bands, unter anderem "Chaotic Noise" und "Eeti". Und er kennt viele Gruppen, die heimische Wohnzimmer besetzen, sich in Gartenhäuschen einquartieren, auf Bauernhöfen in ungenutzten Scheunen residieren. Das Problem gerade bei letzteren: Sie sind oft feucht und nicht gedämmt, für die Ausrüstung ist das schlecht. "Gute Proberäume zu finden, wo man auch Equipment lagern kann, ist schwer", resümiert Wouters. "Es ist eine Suche auf gut Glück."

Beim jährlichen Jugendhearing in Kevelaer kam das Thema immer mal zur Sprache, Lösungen zeichnen sich nicht ab. Den Nachwuchsbands bleibt vorerst das Träumen. "Es gibt die Idee von einem alten Industriegebäude, das in mehrere Proberäume aufgeteilt wird, die die Bands dann in Eigenregie unterhalten könnten", erzählt Daniel Wouters. "Aber es ist schwer, da was Geeignetes zu finden."

Überrascht waren K 47 von dieser Erkenntnis nicht. "Wir wussten von Anfang an, dass das keine leichte Sache wird, weil wir schon von anderen Bands gehört hatten, dass in Kevelaer und Umgebung kaum was zu finden ist", erzählt Jonas Spolders. Aber man hatte sich doch Hoffnungen gemacht. Auf einen Hilferuf via Facebook gab es kaum Resonanz, am Ende war's nicht erfolgreich. Jetzt wissen die Musiker aber erstmal nicht weiter. Sie denken schon ernsthaft darüber nach, ob sie wieder zurück ins Schlagzeuger-Zimmer ziehen.

Quelle: RP
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