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Wirtschaftsförderung Kreis Kleve Und Rp Präsentieren Serie "bauen & Wohnen" (6)
Bauwerke mit Mehrwert schaffen

Wirtschaftsförderung Kreis Kleve Und Rp Präsentieren Serie "bauen & Wohnen" (6): Bauwerke mit Mehrwert schaffen
Keine Angst vor spitzen Dächern oder kantigen Kuben: Im Kreis Kleve baut das Hamburger Büro Nps Tchoban Voss das neue Berufskolleg in Geldern und die Hochschule in Kleve. In Anklam (Ostsee) entstehen Häuser, die an die alten Giebel der Stadt erinnern. FOTO: nps tchoban voss Architekten
Kleve. Ekkehard Voss, Geschäftsführer von nps Tchoban Voss, über die Attraktivität und Qualität des Bauens und Planens.

Herr Voss, wenn ein Kind ein Haus malt, hat das einen spitzen Giebel. Heute sieht man Flach- oder Pultdächer. Stirbt das Satteldach aus?

Ekkehard Voss Nein, es stirbt nicht aus - im entsprechenden städtischen bzw. regionalen Kontext wird es weiter gebaut werden. Aber: Das Bauen mit Dächern hat sich geändert, wir brauchen heute nicht mehr die Entwässerung nach zwei Seiten und den Speicherraum im Dach. Das Dach ist heute als Penthouse der teuerste Wohnraum. Und da wollen die Bewohner meist keine Dachschrägen haben. Als Planer braucht man keine Angst vorm spitzen Dach zu haben: Es geht auch zeitgemäß mit Satteldach, wenn man in Lübeck oder, wie wir in Anklam, bauen darf. Es hängt von der Umgebung ab. In Kleve steht der Wissensspeicher mit spitzem Giebel und Backsteinfassade für das Alte, die weiße Hochschule mit den Flachdächern für das Neue. Allerdings hatten wir das Glück, hier auf freiem Gelände ein ganzes Stadtquartier entwickeln zu können.

FOTO: NPS

Einen gelungenen Stadtteil mit Gesicht und Blickachsen...

Voss Oft inspirieren, wie in Kleve, gute Viertel das Bauen im Umfeld - jetzt sollte die Stadt dort darauf achten, in der Nachbarschaft auf dem XOX- und dem Union-Gelände passende Bauten zuzulassen. Auch in Geldern entsteht rund um unsere Berufsschule, die Polizei und das Finanzamt, ein spannendes Viertel. Dort, beim Berufskolleg haben wir uns ganz bewusst für einen irdenen Klinker als Fassade entschieden, der dem Gebäude ein sehr schönes Gesicht gibt.

Andernorts beklagen Bürger gesichtslose Stadtteile, vermissen die Liebe zum Detail. Fällt das alles der Rendite zum Opfer?

FOTO: Hans Juergen Landes

Voss In der Zeit, in der wir jetzt leben und bauen, kann es nicht sein, dass wir uns keine Baukultur leisten und uns allein mit dem Kostendruck herausreden. Ein Bauwerk muss nachhaltig sein, das heißt, wir versuchen, Gebäude zu schaffen, die einen Mehrwert haben.

Was bedeutet das?

Voss Ein Haus soll attraktiv genug sein, um langfristig vermietbar und flexibel zu sein. Der Neubau soll auf den Ort eingehen, man sollte nicht immer das Gleiche bauen. Mehrwert bedeutet auch, dass der Bau funktional ist: Eine alte Backsteinfabrik lässt sich zum Beispiel gut für Wohnlofts nutzen, wenn die vorherige Nutzung nicht mehr gebraucht wird. Das geht mit einer einfachen Industriehalle nicht. Das trifft auch auf Geschossbauten zu. Nachhaltigkeit darf auch nicht nur als energetische Frage verstanden werden und jeder Bauherr darf diesen Anspruch stellen. Das kommt ihm langfristig - zum Beispiel über eine bessere Vermietbarkeit oder beim Verkauf - zugute. Bei größeren Projekten helfen Wettbewerbe, wenn es um die Sicherung der Baukultur geht.

Gibt es in der Qualität des Bauens und Planens ein Gefälle zwischen Stadt und Land?

Voss Das kann ich nicht feststellen. Lübeck oder Quedlinburg, Husum oder Anklam haben ihre eigenen regionalen Qualitäten und Identitäten und manches nette Dorf landauf, landab ebenso.

Gilt das auch für die Neubaugebiete?

Voss Da verwirklicht sich oft jeder in seinem individuellen Drang. Das ist ein Abbild unserer Gesellschaft. Die Bauverwaltung könnte eingreifen, indem sie etwas mehr reguliert, beispielsweise helle Bauten oder ein Quartier mit einheitlichem Fassadenmaterial vorschreibt und auf die Maßstäblichkeit achtet. Gegen ein Massivhaus ist nichts einzuwenden, das entspricht häufig den Ansprüchen des Bauherrn. Störend sind oft Fertiggaragen und Applikationen - da helfen Gestaltungssatzungen.

Und bei größeren Bauvorhaben?

Voss Hilfreich sind städtebauliche Verträge wie bei Investoren-Verfahren, die heute zwischen Investoren und Städten geschlossen werden. In der Regel führen diese zu einer definierten Qualität, weil man zusammen vor der Planung gemeinsame Ziele und Gestaltungsabsichten formuliert. Qualitätsimpulse prägen die Umgebung immer positiv!

Ist der Kreis Kleve mit vergleichbar kleinen Projekten - es werden ja nicht immer Hochschulen gebaut - für international operierende Büros mit 140 Mitarbeitern wie Ihres überhaupt interessant?

Voss Unbedingt. Wir sind seit rund acht Jahren am Niederrhein eingebunden, haben große Projekte in Geldern und Kleve bauen dürfen, arbeiten zurzeit in Weeze. Mit dem Klever Büro Hülsmann&Thieme haben wir eine charmante Idee für den Klever Minoritenplatz entwickelt - ganz ohne Investorendruck. Wir wollten eine maßstäbliche Antwort, wie man dort bauen kann. Das ist ein toller Bauplatz und einen Vorstoß wert. In Anklam bauen wir auch ein Haus mit nur elf Wohnungen. Bauen in der anderen Umgebung, ein Gebäude dafür zu entwickeln, das sich einfügt, das ist immer spannend und herausfordernd. Es muss nicht der Solitär in Asien sein.

Im Kreis Kleve fürchten Politiker eine Ghettoisierung durch zu viele Sozialwohnungen. Bundesbau-Ministerin Hendricks fordert Nachbarschaften.

Voss Beim sozialen Wohnungsbau sollte man keine Sorgen haben. Frau Hendricks zeichnet ein gutes Bild, wenn sie von Nachbarschaften spricht. Es bedeutet nicht zwingend, dass sozialer Wohnungsbau dem Stadtbild schadet - wir Planer müssen uns eben architektonisch Mühe geben, denn auch hier gilt: Ein Gebäude soll eine Grundqualität haben, die einen Mehrwert fürs Stadtbild schafft. Es gibt sehr viele Beispiele für guten sozialen Wohnungsbau. Wenn dann die Quartiere richtig sozial durchmischt sind, ergeben sich für alle Bürger interessante Nachbarschaften.

MATTHIAS GRASS STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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