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Kalkar/Kranenburg
Bebauungsplan soll Monrestraße retten

Kalkar/Kranenburg: Bebauungsplan soll Monrestraße retten
Britta Schulz gehört ein Ladenlokal an der Monrestraße. Ihre Immobilie ist noch vermietet. Die 54-Jährige fürchtet aber den weiteren Niedergang der Straße. Nur wenige Schritte entfernt gibt es bereits mehrere Leerstände. FOTO: Gottfried Evers
Kalkar/Kranenburg. In Kalkars Einkaufsstraße gibt es seit Jahren Leerstände. Nun wollen Verwaltung und Politik durch gesetzliche Vorgaben dafür sorgen, dass sich Geschäfte ansiedeln. Eine Anliegerin protestiert. Kranenburg kämpft mit ähnlichen Problemen. Von Dieter Dormann

Der Niedergang der Kalkarer Monrestraße als Einkaufsstraße ist seit Jahren nicht zu übersehen – trotz Bemühungen von unterschiedlichster Seite, den Trend zu stoppen. Sichtbar wird die negative Entwicklung an leerstehenden Geschäften. Allein im Bereich zwischen Kirch- und Marktplatz sind einige Ladenlokale ungenutzt, oder lediglich ihre Schaufenster dienen als Ausstellungsflächen.

Erkennbar wird der Attraktivitätsverlust der ehemals florierenden Geschäftsstraße auch an Mieteinnahmen, die Eigentümer dort erzielen. Das Ladenlokal, dessen Eigentümerin Britta Schulz ist, ist dafür ein Beispiel. 2000 hatte die mit ihrem Mann in Hönnepel wohnende 54-Jährige die Immobilien – als Kapitalanlage – gekauft. Anfangs kassierte das Ehepaar 750 Euro pro Monat als Miete. Inzwischen werden für die etwa 145 Quadratmeter nur noch 500 Euro pro Monat gezahlt.

Dabei bemühen sich Verwaltung, Politik und Werbering KalkarAktiv seit Jahren, die Monrestraße zu beleben. Auch das Dortmunder Stadtforschungsbüro Junker und Kruse suchte Lösungen: Zusammenlegung von Geschäften, attraktive Gestaltung der Straße, verbesserte Branchenstruktur. Verändert hat sich bislang jedoch wenig. Politik und Verwaltung wollen nun durch gesetzliche Vorgaben Leerstände in der Monrestraße verhindern. Bei einer Gegenstimme sprach sich der Rat für einen neuen Bebauungsplan für die Monrestraße (vom Markt bis etwa zur Metzgerei Stiller) sowie den Markt, den angrenzenden Bereich der Kesselstraße und den Kirchplatz bis zum ehemaligen "Jenseits" aus. Dort soll in den Erdgeschossen keine Wohnnutzung mehr zugelassen werden. Das Ziel ist laut Kalkars Stadtbaurat Frank Sundermann: "Wir wollen Gewerbe in der Monrestraße halten."

Ob dieses durch Bebauungsplan-Vorschriften zu erreichen ist, beantwortet Christina Nitz vom Planungsbüro Junker und Kruse, das sich seit 2011 mit der Aufwertung der Monrestraße im Auftrag der Stadt beschäftigt, so: "Das ist eine gemeindepolitische Entscheidung und eine Möglichkeit."

Das Dortmunder Planungsbüro berät auch die Gemeinde Kranenburg, wo es in der "Großen Straße" ebenfalls Leerstände gibt. Dort stellte Stadtplaner Stefan Kruse kürzlich auf einer Info-Veranstaltung fest: "Leerstände beobachten wir in vielen Innenstädten. Das Einkaufsverhalten hat sich schlichtweg geändert." Zudem wird in Kranenburg der Vorschlag diskutiert, ehemalige Geschäfte an der Großen Straße in Wohnraum umzuwandeln, um Leerstände zu vermeiden. Mit dem Bebauungsplan will Kalkar in die entgegengesetzte Richtung gehen.

"Der neue Bebauungsplan löst das Problem nicht", meint Britta Schulz, Immobilieneigentümerin an der Monrestraße. Die 54-Jährige will ihr Ladenlokal gar nicht zum Wohnraum umgestalten. Sie fürchtet aber, dass sie angesichts der Entwicklung der Straße bald keinen Mieter mehr findet. Hinzukomme, dass das im Bau befindliche Fachmarktzentrum an der Bahnhofstraße noch mehr Kunden aus Kalkars Innenstadt abziehen werde. "Wenn der Bebauungsplan in Kraft tritt, wird mir die allerletzte Möglichkeit genommen, die Immobilie zu nutzen – das würde dann Leerstand bedeuten", warnt Britta Schulz.

Die 54-Jährige wünscht sich mehr Unterstützung von der Wirtschaftsförderung. "Sie müsste Eigentümern helfen, Kontakte zu Mietern mit einem attraktiven, hochwertigem Angebot zu knüpfen. Allein komme ich an die einfach nicht ran", meint Britta Schulz.

Auch Han Groot Obbink von KalkarAktiv sieht die Probleme, die die Monrestraße hat. Es fehlten attraktive Geschäfte, Mieter seien nur schwer zu finden, meint er. Und seiner Einschätzung nach drängt die Zeit. Han Groot Obbink: "Wir müssen ganz schnell Lösungen finden."

Wie schwer es ist, Mieter für Geschäfte an der Monrestraße zu finden, verrät ein Plakat im Schaufenster eines seit langem leerstehenden Ladens: "Wer Kalkar liebt, investiert hier." Offenbar sieht die Eigentümerin größere Chancen, wenn sie an die Gefühle der Interessenten appelliert als wenn sie wirtschaftliche Gründe anführen würde.

Die Bebauungspläne für die Monrestraße sowie für Markt-, Kirchplatz und südlichen Bereich der Kesselstraße werden vom 4. Juni bis zum 5. Juli im Rathaus offengelegt. In diesen vier Wochen können Bürger schriftlich Anregungen geben oder Kritik formulieren. Diese fließen später in die abschließende Beratung im Rat ein.

(RP/ac)
 
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