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Kreis Kleve
Bei Ärzten Lust auf den Kreis wecken

Kreis Kleve: Bei Ärzten Lust auf den Kreis wecken
Sehen das neue Modell als Chance, Mediziner in den Kreis zu holen: Landrat Wolfgang Spreen, Dr. Wolfgang Brüninghaus, Dr. Wolfram Althoff und Dr. Harald Meißen (v.l.). FOTO: Gottfried Evers
Kreis Kleve. Durch ein neues Hospitantenmodell will der Kreis Kleve Ärzten dabei helfen, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden. Der Kreis zahlt 2000 Euro pro Woche für junge Mediziner, die in einer möglichen Übernahmepraxis hospitieren. Von Sebastian Latzel

Die Verantwortlichen sprechen von einem "einzigartigen Projekt", das durchaus Pilotmodell werden könnte. Wobei dem Landrat gar nicht so recht wäre, wenn andere Regionen die Initiative aus dem Kreis Kleve zu schnell übernehmen. "Ich denke wir präsentieren hier ein Angebot, das einmalig ist und durchaus Zugkraft für junge Ärzte haben wird", sagte Wolfgang Spreen, als er jetzt zusammen mit Dr. Harald Meißen (stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Kreisstelle Kleve), Dr. Wolfram Althoff (Vorstandsvorsitzender der Ärztekammer Nordrhein, Kreisstelle Kleve), Dr. Christoph Baumsteiger (stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Ärztekammer Nordrhein, Kreisstelle Kleve) und Kinderarzt Dr. Wolfgang Brüninghaus das neue Hospitationsmodell vorstellte.

Die Idee dazu war von Kinderarzt Dr. Brüninghaus gekommen, bei dem sich zwei Mediziner gemeldet hatten, die sich einfach mal den Praxisalltag ansehen wollten. Die positiven Eindrücke brachten ihn dazu, dem Kreis Kleve die Idee von einem Hospitationsmodell vorzustellen. Eine Idee, die mit weiteren Verantwortlichen weiterentwickelt wurde und jetzt umgesetzt wird.

Da abzusehen ist, dass bis zum Jahr 2030 mehr als 130 Ärzte im Kreis Kleve fehlen, soll auf diese Weise forciert werden, Nachfolger für Ärzte zu finden, die ihre Praxis aufgeben wollen. Denn das werde immer schwieriger. Bei Ärztebörsen in Düsseldorf etwa würden 350 Ärzten, die einen Nachfolger suchen, gerade einmal eine Handvoll Interessenten gegenüberstehen. Junge Ärzte kritisierten immer öfter, dass immer weniger Zeit für den Patienten bleibe, die Bürokratie steige, die Fallpauschalen sinken, so Dr. Althoff. "Da ist dieses Modell eine Chance den jungen Medizinern zu zeigen, wie viel Spaß unsere Arbeit machen kann", sagt er.

Damit sich der junge Mediziner seine Hospitanz auch leisten kann, fördert der Kreis das Modell: 2000 Euro pro Woche bekommt ein Interessent. Eine Woche muss die Hospitanz mindestens dauern, höchstens vier Wochen werden gefördert. Die Summe solle die Unkosten für einen Arzt auffangen, der raus auf Land kommt, sich hier vielleicht für die Zeit eine Wohnung nehmen, für Kinderbetreuung sorgen muss. "Natürlich soll der Beitrag auch ein Anreiz sein", sagt der Landrat. Denn klar ist, dass die Regionen in einem harten Wettstreit um Ärztenachwuchs stehen. "Das ist eine gute Möglichkeit, um sich die Arbeit vor Ort in der Praxis anzusehen", sagt Dr. Meißen. Zudem sei es einfacher, eine bestehende Praxis zu übernehmen, als eine neue aufzumachen.

Die finanzielle Förderung für den Hospitanten muss der niedergelassene Arzt beantragen. Fördervoraussetzungen sind, dass sich die Praxis im Kreis Kleve befindet und eine Übergabe innerhalb der nächsten drei Jahre beabsichtigt ist.

"Ausgangspunkt für das Modell war die Tatsache, dass die Facharztausbildung in einer Klinik nur wenige Berührungspunkte mit der Rolle des Arztes in einer Praxis hat. Mit der Hospitation soll jungen Kollegen die Möglichkeit gegeben werden, einmal die positiven Erfahrungen der oft über Jahre gewachsenen starken Bindung der Patienten an 'ihren' Arzt in der Praxis mit zu erleben", so Dr. Brüninghaus.

Die Hospitanten sollen auch nicht mitarbeiten, sondern die Zeit wirklich nutzen, um einen Einblick zu bekommen. "Eine Sache ist ganz wichtig: Wir müssen selbst deutlich machen, dass wir alle gerne im Kreis Kleve arbeiten und das auch jungen Kollegen nur empfehlen können", sagt Dr. Baumsteiger, der bei dem Modell sogar von einem "Leuchtturm" spricht.

Damit darauf auch interessierte Ärzte aufmerksam werden, wird in der Ärztefachzeitschrift für das Modell geworben. Zudem können sich mögliche Hospitanten an die Kassenärztliche Vereinigung im Kreis Kleve wenden oder bekommen Infos über die Seite des Kreises Kleve.

Quelle: RP
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