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Kleve/Ubbergen
Bensdorp-Künstler in der Klosterkirche

Kleve/Ubbergen: Bensdorp-Künstler in der Klosterkirche
Große filigrane Stahlwürfel von Günter Zins "rollen" über den Boden der alten Kosteranlage. FOTO: Evers
Kleve/Ubbergen. Die sieben Klever Künstler, die in der alten Kakao-Fabrik ihre Ateliers haben, stellen in der alten Klosteranlage Notre Dame Des Anges in Ubbergen aus. Valentina Vlasic vom Museum Kurhaus eröffnete die Ausstellung. Von Matthias Grass

Es ist ein wunderschöner Kirchenraum, gotisch hoch, mit Kreuzrippengewölbe, feinen Mustern auf dem Boden, klösterlich still. Nach einem Brand vor vielen Jahren wurde das Dach des Kirchenschiffs dieses Klosters wieder aufgebaut. Kirche ist der Raum schon lange nicht mehr. Die Orgelpfeifen hängen als Skulptur von der Decke, der gotische Raum wird als Ausstellungssaal genutzt: die Galerie Notre Dames Des Anges.

Gunther Jäckle mit stiller Malerei. Seine Figuren sind in sich gekehrt. FOTO: Evers Gottfried

Große, weiße Spanplatten decken die Wandverzierungen zwischen den Pfeilern ab und dienen den Bildern als Fläche, der Kirchenraum ist weit und frei und lässt skulpturalen Arbeiten allen Raum. Jetzt stellen die sieben Künstler der Bensdorp ihre Arbeiten in der Galerie gleich hinter der deutsch-niederländischen Grenze aus.

Das Kloster liegt etwas abseits des alten Weges von Nimwegen nach Kleve, der nur so von bezaubernden Villen aus der Jahrhundertwende gesäumt ist. Man biegt auf den Vorplatz der neogotischen Anlage, die sich dort am Hang auftürmt und kommt über eine Brücke durch die Seitentür in das Kirchenschiff. Große filigrane Stahlwürfel von Günter Zins "rollen" - von einer kantigen Stahlstange gehalten und wie in der Bewegung eingefroren - über den Boden, seine Kuben versinken in den Wänden des Chors oder halten scheinbar unmögliche Balancen auf ihren Sockeln. Quer zu Günther Zins Würfeln "blühen" die fantastischen Figurationen von Wilfried Grootens in seinen Glaswürfeln auf, stehen plastisch in ihrem gläsernen Raum. Grootens konnte die "Haifisch-Bubbles", wie die Serie heißt, erst Ende der Woche vorstellen. Er hatte eine große Präsentation seiner Werke in Chicago/USA.

In den Staaten feiert inzwischen auch Gerd Borkelmann Erfolge: Seine Malerei auf Kästen, die den Malgrund von der Wand in den Raum führen, ist farbiger geworden, die Flächen rauer: Seine halbrunden, ins dunkel lila changierenden Farbflächen stehen pastos wie gespachtelt auf dem Malgrund.

Ganz anders dagegen die großen Formate von Gunther Jäckle - feine, stille Malerei. Seine Figuren sind in sich gekehrt, schauen in die Bildfläche hinein oder fotografieren den Boden. Bilder voller Stille, die wie gemacht sind für den ebenso stillen klösterlichen Kirchenraum. Still in die Weite weisen auch die Farbmalereien von Bart Elfrink. Er hat das Licht des Südens in seinen Bildern mitgebracht, die in Griechenland entstanden sind, sagt er. Man kann in dem fein auf die Leinwand gesetzten Blau den Himmel sehen, das Meer vor den Inseln der Ägäis oder einfach ein strahlendes Blau. "Alles ist offen - mir ging es ums Licht, das daraus spricht", sagt der Maler.

Carolin Koenders minimalistischen Stiche faszinieren in Notre Dames Des Anges wie im Projektraum25, wo die Niederländerin erst kürzlich ausstellte. Sie korrespondieren wunderbar mit den gleich neben den Bildern die Wand durchdringenden Würfel von Zins. Kein Wunder: "Ich habe das mit Günther im Kopf gemacht", sagt Koenders, und lacht.

Entstanden sind ihre schönen minimalistischen Stiche aber nicht im Nachbar-Atelier des Klever Stahlbildhauers in der Bensdorp, wo Koenders arbeitet, sondern wie Elfrinks Farbmalerei in Griechenland. Entsprechend strahlend das Weiß des Drucks, in den die Konturen eines Würfels geprägt, darauf tiefschwarze, offene Kreis, die ineinander weisen. Alles von einer Platte - sagt Koenders.

Gegenüber Koenders Drucken stehen die Objektkästen von Willy Oster vor der Wand: Grau, wie gespachtelt mit schräger Oberfläche, oder in Gelb, das wie das grau dick über die Ungleichheiten der Figur liegt, eine kantige Version - wie ein Haus.

Willy Oster, Günther Zins und Wilfried Grootens gehören zusammen mit Gerd Borkelmann zu denen, die als erste vor weit über 20 Jahren in die Ateliers im Backsteinbau mit dem Uhrentürmchen zogen. Später kamen Gunther Jäckle und zuletzt Caroline Koenders und Bart Elfrink hinzu.

Alle hoffen, dass die Ateliers trotz der geplanten Umbauten erhalten blieben. Investor Udo Tjaden will den Bereich umgestalten und hat jetzt vom Rat grünes Licht bekommen. Sein Versprechen, den Künstlern ihre Ateliers zu erhalten, steht im Raum. Daneben stehen Überlegungen zu schicken Loftwohnungen in dem Gebäude.

Tjaden hat bereits den Bau mit den später entstandenen XOX-Ateliers umgebaut - und die Räume für die Künstler erhalten. "So, mit Wohnen, Gewerbe und Kunst, stelle ich mir ein gelungenes Mischgebiet vor", sagte er bei der Vorstellung der Bensdorp-Planung.

Die Pläne, zusammen in Notre Dame Des Anges auszustellen, liegen weiter zurück, sagen Bart Elfrink und Caroline Koenders.

"Bensdorp stellt aus", bis 27. November, Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr, (jeweils einer der Künstler ist anwesend), Galerie Notre Dame des Anges, Rijksstraatweg 37, Ubbergen.

Quelle: RP
 
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